Enorme Schäden durch Unwetter im Fachzentrum für Bienen und Imkerei - 15 Bienenvölker vom Wasser mitgerissen
Dr. Otten: „Wir sind massiv zurückgeworfen worden“
Experten atmen aber auf: Die wertvollsten Zuchtvölker waren nicht betroffen
Mayen. Auch das rheinland-pfälzische Fachzentrum für Bienen und Imkerei des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel in Mayen wurde von den Hochwassermassen der Nette in der Nacht von Donnerstag auf Freitag der vorletzten Woche überflutet. 15 Bienenvölker mit jeweils durchschnittlich 30.000 bis 35.000 Bienen wurden von den Fluten der über die Hofeinfahrt eindringenden Wassermassen mitgerissen. Erst ein Zaun am anderen, unteren Ende des „Mayener Bienengartens“ hielt die Bienenvölker auf. Hier stapelten sich am anderen Morgen auch viele weggeschwemmte leere, gelagerte Bienenkisten. Etliche Bienen der weggeschwemmten Völker haben aber überlebt und sich zu kleinen oder größeren Schwarmtrauben zusammengefunden. Diese werden jetzt vereinigt, bekommen eine neue Königin und es können neue Völker aufgebaut werden.
Auch Futtervorräte sind unbrauchbar geworden
Betroffen waren auch Betriebs- und Lagerräume. Hier wurden Futtervorräte unbrauchbar und Gerätschaften durcheinandergewirbelt. Hunderte bereits vorbereitete aber noch nicht besetzte Bienenkästchen zum Versand von Zuchtköniginnen auf eine der Nordseeinseln wurden unbrauchbar. Dieser Versand erfolgt jährlich mit dem Ziel, dass sich die wertvollen Zuchtköniginnen aus Mayen nur mit ausgewählten Drohnen paaren. Diese Möglichkeit ist in diesem Jahr jetzt stark eingeschränkt, da die entsprechenden Versandeinheiten kurzfristig nicht mehr ersetzt oder beschafft werden können.
Viele Interessenten aus ganz Deutschland und darüber hinaus können daher in diesem Jahr nicht mit neuen Mayener Zuchtköniginnen versorgt werden.
Nach dem ersten Schock und Befürchtungen die Zuchtarbeit vieler Jahre könnte unwiederbringlich zerstört sein, atmen die Experten des Fachzentrums jetzt auf. Die wertvollsten Zuchtvölker waren nicht betroffen und die Zuchtarbeit mit dem Ziel sanftmütiger, sammelfreudiger und krankheitsresistenter Bienen kann in den nächsten Jahren fortgeführt werden.
Ein weiterer großer Schaden entstand an der elektronischen Messstation zur Erfassung des Flugverhaltens und des Nahrungseintrags der Bienen in Abhängigkeit zum Wetter. Zwar blieb die Wetterstation der Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz im Bienengarten Mayen von den Wassermassen verschont, die bienenspezifischen Messsensoren, feinauflösende Waagen zur Erfassung der Gewichtsschwankungen von Bienenvölker und mit Lichtschranken bestückte Bienenzählgeräte wurden aber zerstört.
Auch die vielen Informationstafeln im Schaubienengarten wurden unbrauchbar und müssen neu angeschafft werden.
Zum Glück keine irreversiblen Folgen
„Wir sind massiv zurückgeworfen worden und die entstandenen Schäden sind enorm, aber Gott sei Dank gibt es keine irreversiblen Folgen und wir blicken bereits wieder sehr optimistisch in die Zukunft. Meinen Mitarbeitern und unseren Kollegen der DLR-Abteilung „Bodenordnung“ vom Bannerberg bin ich sehr dankbar für deren kaum zu bremsenden Einsatz, obwohl die routinemäßigen Saisonarbeiten in der Imkerei nicht aufgeschoben werden können und zeitgleich auch weiter laufen müssen“, so der Leiter des Fachzentrums Dr. Christoph Otten.
Als sei nichts geschehen: Nach den Reinigungs- und Aufräumarbeiten beginnt der Bienengarten zu blühen. Noch zu erkennen die Markierung am tiefsten Punkt auf dem Gelände, an dem das THW das Wasser abgepumpt hat, um Nachbargrundstücke zu entlasten.
Endloses Chaos: Die für neue Königinnen vorbereiteten Kästchen schwammen im Schlammwasser und können kurzfristig nicht mehr eingesetzt werden.
Ein Zaun hat die weggeschwemmten Bienenvölker aufgehalten.
