Leserbrief zur Pressemitteilung des MdL Marc Ruland „Sicherheit muss vor Profit stehen“, Blick aktuell vom 29.06.2016
Ehrlichkeit muss vor Populismus stehen
„SPD setzt Rock am Ring in Mainz und der Region auf die Tagesordnung“ - so schreibt MdL Marc Ruland (SPD) – und man reibt sich verwundert die Augen.
Was auf den ersten Blick wie die Nachricht eines besorgten Politikers erscheinen könnte, lohnt einen zweiten Blick: Marc Ruland fordert „umfassende Aufklärung“ der Vorfälle vom 3. Juni bei Rock am Ring. Die SPD-Landtagsfraktion habe sogar Berichterstattung für die nächste Sitzung des Innenausschusses beantragt. Insbesondere über die verspätete Entscheidung zum Abbruch seitens der Verbandsgemeinde und des Veranstalters solle aufgeklärt werden.
Wer so schreibt, möchte die Meinung erwecken, er sei selbst gar nicht dabei gewesen, habe keinerlei Verantwortung oder Kenntnis gehabt - und wolle sich jetzt rührend um den Schaden und die Verletzten kümmern. Lieber Herr Ruland, wir Mendiger wissen es besser – und Sie wohl auch.
Die Tage des Festivals waren für alle Entscheidungsträger die schwersten Stunden ihres jeweiligen Amtes. Sie hatten zwischen den unkalkulierbaren Risiken eines vorzeitigen Abbruchs des Festivals und der Fortsetzung nach den schrecklichen Blitzeinschlägen vom Freitagabend zu wählen. Für beide Varianten gab es keinerlei Vorlagen, nie zuvor war Rock am Ring in 30 Jahren abgesagt worden.
Alle Verantwortlichen vor Ort hatten zudem noch die Überschwemmungen nach dem Hagelunwetter „in den Knochen“. Viele ehrenamtliche Helfer, gerade auch von der Freiwilligen Feuerwehr, hatten nächtelang nicht mehr richtig geschlafen und sich schon in den Tagen vor Rock am Ring bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit eingesetzt und verausgabt. Was da einem Politiker zuallererst anstehen würde, ist ehrliche Hochachtung, Dank und Anerkennung für alle Freiwilligen und Helfer, die sich so unglaublich toll und selbstlos in unserem Gemeinwesen einsetzen.
Davon ist in Ihrer Pressemitteilung leider rein gar nichts zu lesen. Sehr bedauerlich!
Stattdessen wird der durchsichtige Versuch unternommen, Politiker vor Ort in ihren schwersten Entscheidungen auch noch - im Wortsinne bei diesem Rock am Ring - im Regen stehen zu lassen. Vom fernen Mainz aus soll jetzt untersucht werden, wer hier in Mendig in langen Nächten welchen Fehler gemacht hat.
Dabei soll Ihnen, Herr Abgeordneter Ruland, gerne etwas geholfen werden: Unser Herr Innenminister, Roger Lewenz, immerhin von derselben Partei wie Sie, war in den Stunden vor dem Abbruch nämlich unmittelbar und höchstpersönlich im Entscheidungsgremium vor Ort! Sie sollten nicht so tun, als hätten Sie davon nichts gewusst, denn der Innenminister hat sich ja extra unübersehbar vor Ort bringen lassen. Er war selbstverständlich bei der entscheidenden Krisensitzung wesentlich und – als für die Innere Sicherheit zuständiger Innenminister des Landes – natürlich auch federführend anwesend. Wenn es um Aufklärung ginge, könnten Sie ihn also ganz leicht einfach selber fragen.
Möglicherweise haben Sie das ja sogar schon getan und keine Antwort des Herrn Innenministers erhalten.
Über Rock am Ring kann man sehr verschiedener Meinung sein: Ich habe selbst als Arzt unmittelbar einen Schwerstverletzten der Blitzeinschläge mit betreuen müssen. Wer einen jungen Menschen so verletzt gesehen hat, kann nicht mehr unbefangen „ja“ zu diesem Festival sagen.
Eines soll aber klar sein: Die Entscheidung zum Abbruch war unglaublich schwer und ohne jedes Beispiel. Vor dem Hintergrund der Ereignisse am 3. Juni war diese Entscheidung in dieser Situation aber die einzig noch mögliche. Sie war deshalb in der Nacht auf den 5. Juni richtig und konsequent. Wer vor Ort war und Verantwortung hatte, weiß das (auch der Herr Innenminister).
Unser Verbandsbürgermeister hat verdient, dass ihm für diese mutige und beispiellose Entscheidung jede Anerkennung gezollt wird – auch von der Landespolitik, die ja immerhin wesentlich daran beteiligt war.
Dr. Martin Haase, Mendig
