Starkregenereignisse mit Hochwasser werden sich in Neuwied häufen
„Eigenvorsorge wird ganz großgeschrieben“
Neuwied. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres richtete die Bürgerliste „Ich tu´s“ eine Anfrage bezüglich des Starkregens an Oberbürgermeister Jan Einig. Zwischenzeitlich hat sich die Arbeitsgruppe Starkregenereignisse zweimal getroffen und an Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen. Dr. Jutta Etscheidt wollte wissen, welches Konzept die Stadt Neuwied hat und welche Maßnahmen ergriffen werden, um Schäden zu vermeiden. Mehrfach waren in den vergangenen Jahren verschiedene Stadtteile von Hochwasser, in Folge von Starkregen und/oder überschwemmten Bächen, betroffen. „Die Eigenvorsorge wird ganz großgeschrieben“, sagte der Oberbürgermeister in der vergangenen Stadtratssitzung. Mit Hinweis auf Klimaprognosen geht er davon aus, dass sich Starkregenereignisse in Zukunft häufen werden. Die Bürger/innen sollten darauf achten, dass Rückschlagventile das Eindringen von Kanalwasser verhindern. Oberflächig abströmendes Wasser könnte mit kleinen Erhöhungen vor den Lichtschächten und Türen ferngehalten werden. Natürlich unternähmen auch die Stadtverwaltung und Servicebetriebe verschiedene Maßnahmen. Jan Einig nannte als Beispiele die Stadtteile Oberbieber und Irlich. Am Rhein-Wied-Eck hatte ein Starkregenereignis im Jahr 2018 dazu geführt, dass Straßen überflutet waren und das Wasser in die Häuser lief. In der Marienstraße wurden zusätzliche Regenabläufe eingebaut, sodass das Wasser zukünftig schneller abfließt. In Oberbieber waren Ortsteile in diesem Sommer gleich zweimal innerhalb weniger Wochen betroffen. Hier gebe es Planungen, das Wasser von der Friedrich-Rech-Straße direkt in den Aubach einzuleiten. Jan Einig wies darauf hin, dass die Feuerwehr eng mit den SBN und SWN zusammenarbeitet. Konkret meldet die Feuerwehr die Problemstellen an die Tiefbauabteilung. Hier wird geprüft, ob bauliche Maßnahmen Besserung versprechen. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, dass abfließendes Wasser nach heftigen Niederschlägen aufgrund der Topografie kaum aus Siedlungsbereiche ferngehalten werden kann – ganz besonders in Geländetiefpunkten. Hier müssten dem Wasser Wege geschaffen werden. Originäre Aufgabe der Tiefbauabteilung sei es, etwaige Barrieren zu beseitigen bzw. in zukünftigen Planungen zu vermeiden.
Hochwasservorsorgekonzept ist in Arbeit
Die Bürgerliste „Ich tu´s“ wollte darüber hinaus wissen, wann das Hochwasservorsorgekonzept fertig ist. Die Erstellung wird vom Land mit 90 Prozent der Kosten bezuschusst. Hier geht es aber ausschließlich um Gefährdungslagen durch vorhandene Gewässer. Jan Einig kündigte die Beauftragung eines spezialisierten Ingenieurbüros im Herbst an. Vorgesehen sei die Aufstellung des Konzepts für die Bachläufe Buchbach, Reichelbach, Aubach, Wallbach, Gladbach, Heimbach sowie Weiser Bach. Im Juni 2016 hatte der Buchbach ganze Teile Rodenbachs unter Wasser gesetzt. Innerhalb kürzester Zeit war aus dem kleinen Bach ein reißender Sturzbach geworden. Auch der Heimbach hatte in der Vergangenheit immer mal wieder für Probleme gesorgt. Eine der Grundlagen des Hochwasservorsorgekonzepts wird die Karte des Landesamtes für Umwelt „Gefährdungsanalysen Sturzflut nach Starkregen“. Diese Karte ist in der Stadtverwaltung einsehbar. „Bald auch auf der Homepage der Stadt Neuwied“, wie Jan Einig ankündigte. Auch in Zusammenhang mit dem Hochwasservorsorgekonzept wiederholte er die Notwendigkeit der Eigenvorsorge. „Technische Bauwerke wie Rückhaltebecken werden eher kritisch gesehen, da sie naturgemäß bis zu einem bestimmten Ereignis Wasser zurückhalten, andererseits aber Sicherheit suggerieren“, so der Oberbürgermeister. Abschließend bedauerte er, dass Informationsveranstaltungen zum Thema nur von wenigen Bürger/innen besucht werden. Und auch nur von jenen die, die bereits betroffen waren.
FF
2017 setzte Starkregen die Irlicher Marienstraße unter Wasser. Als Reaktion darauf wurden zusätzliche Regenabläufe eingebaut.
Dank der zusätzlichen Regenabläufe kann das Wasser schneller abfließen.
