Verbandsgemeinde Altenahr will aktiv dem nächsten Hochwasser vorbeugen
Ein örtliches Konzept wird erarbeitet
Dernau. Die Verbandsgemeinde Altenahr zieht erste Konsequenzen aus der Hochwasserkatastrophe, die Anfang Juni die Ortsgemeinden entlang der Ahr überrollte. Sie schlägt dem Verbandsgemeinderat vor, die Erarbeitung eines Hochwasserschutzkonzepts in Auftrag zu geben. Dies ist ein erstes Resultat der gut besuchten Einwohnerversammlung im Dernauer Bürgerhaus, zu der Bürgermeister Achim Haag öffentlich eingeladen hatte. Ministerialrat Ralf Schernikau, selbst ausgebildeter Wasserbauingenieur im Mainzer Umweltministerium, stand gemeinsam mit Frank Heuser, dem technischen Leiter der Verbandsgemeindewerke, dabei den Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort. Bürgermeister Haag begrüßte unter den Teilnehmern die Ortsbürgermeister, Beigeordneten und Ratsmitglieder. Er erinnerte noch einmal an die Hochwasserkatastrophe am 2. Juni und dankte allen, die an diesen Tagen selbstlos halfen. Ebenso galt sein Dank den zahlreichen Spendern in der Bevölkerung, die die betroffenen Bewohner finanziell unterstützten.
Bauamtsleiter Heuser sagte deutlich: „Einen absoluten Schutz vor Hochwasser und Starkregen gibt es nicht. Aber wir haben es selbst in der Hand, Schäden zu vermindern.“ Er dokumentierte, dass es allein in den vergangenen 23 Jahren 14 Mal Starkregen und Hochwasser gab. Und er wies darauf hin, dass es in den vergangenen 120 Jahren drei Wasserüberflutungen gab. Dreimal hatte die Ahr einen höheren Pegel als den in diesem Jahr. Im Juni lag der Pegel bei 3,71 Metern.
Einmal erreichte das Hochwasser eine Höhe von 4,12 Metern, gemessen am Altenahrer Pegel. Neu sei in diesem Jahr gewesen, so Heuser, dass durch die regenreichen Monate April und Mai der vorhandene Grundwasserspiegel sowieso schon hoch war. „Die Böden waren so nass, dass sie den Starkregen nicht aufsaugen konnten“, sagte er. „Dadurch stieg der Grundwasserpegel und drückte sich durch die Kellerböden in viele Häuser.“ Für Schernikau vom Mainzer Umweltministerium ist die Ahr keine unbekannte Region. „Ich war beispielsweise selbst vor Ort, als in der Grafschaft in diesem Jahr die Bäche über die Ufer traten.“ Auch Schernikau zeigte auf, dass es Hochwasser in der Entwicklungsgeschichte der Erde immer gegeben habe. „Ohne die Hochwasser-Fluten wäre unsere Landschaft mit Tälern und Höhen nicht entstanden.“
Schernikau wies auf die seit Jahren steigende Erderwärmung hin. Die zunehmende Erwärmung der Erde führt zu einer höheren Verdunstung der Meere, beispielsweise in Südeuropa. Es ist damit zu rechnen, dass im nördlichen Europa die sommerlichen Starkniederschläge aufgrund der höheren Wasserdampfkapazität häufiger und intensiver werden. Schernikau wies auf die Irreführung der Begriffe Jahrhunderthochwasser und Jahrhundertflut hin.
Sie bedeuteten eben nicht, dass sich ein solches Extremereignis in einem zeitlichen Abstand von genau 100 Jahren ereigne. „Ganz im Gegenteil: Es kann auch im Abstand von wenigen Jahren mehrfach zu solchen Überschwemmungsereignissen kommen“, sagte er und erläuterte, dass ein Jahrhunderthochwasser ein fest definierter Typ von Katastrophe sei. Damit sei die Bezeichnung der Pegelhöhe oder der Abflussmenge eines Gewässers gemeint. Die Katastrophenhöhe wird im statistischen Mittel einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten. „Es handelt sich also um rein statistische Häufigkeiten“, ergänzte er. Schernikau umriss in aller Deutlichkeit, was die Verbandsgemeinde Altenahr zur Vorbeugung konkret tun könne. Als Schritte nannte er: Optimierung der Bauleitplanung, Renaturierung der Bäche, Bau technischer Vorrichtungen als Schutzmaßnahme, dem Hochwasser angepasstes Planen weiterer Baugebiete. Die Verteilerkästen der Stromversorger und für Kommunikation sollten hochwassersicher umgesetzt oder höher gelegt werden.
Die Feuerwehren könnten Einsatzpläne um die Sparte „Extremereignisse“ erweitern. Häuserbauer sollten ihre Architekten bitten, in die Hausplanung auch die bisherigen Aufzeichnungen des Grundwasserspiegels mit einzubeziehen.
