Ein Freudentag für Gimmersdorf
Endlich: Der erste Spatenstich für die Ortsumgehung
Nach fünf Jahrzenten des Wartens – Landrat Sebastian Schuster griff zur Schaufel – Kreis finanziert die 5,1 Millionen Euro Gesamtkosten vor – Bauzeit von zwei Jahren geplant
Gimmersdorf. „Wenn sich am Montagmittag um 12.34 Uhr so viele Menschen zusammenfinden, muss es etwas Besonderes geben“, stellte Landrat Sebastian Schuster (CDU) fest. Und so war es auch, denn er machte zusammen mit weiteren Honoratioren den offiziellen ersten Spatenstich für die Ortsumgehung von Gimmersdorf, womit ein jahrzehntelanger Leidensweg seinem Ende entgegengehe. „Was lange währt, wird endlich gut“ – schließlich hätten die Gimmersdorfer schon so lange auf die Umgehung gewartet, wie er Mitglied der CDU sei, nämlich 40 Jahre. Doch auch da hatte er sich noch verrechnet, denn laut einer von Ortsvorsteher Christoph Fiévet (CDU) und Ur-Gimmersdorfer Heiner Pilger zusammengestellten Chronik gab es bereits 1967, also vor knapp 50 Jahren, erste Untersuchung des damaligen Landkreises Bonn zu einer Umgehung der Ortschaft. Doch zahlreiche Umplanungen und immer wieder neue Widerstände bedingten, dass erst jetzt mit dem Bau begonnen werden kann. Wenn alles gut geht, will man 2018 nach etwa zweijähriger Bauzeit die Straße freigeben, so hofft es zumindest Landrat Schuster.
Kurvenreiche Ortsdurchfahrt mit mehreren Engstellen
Die extrem kurvenreiche Ortsdurchfahrt mit mehreren Engstellen von nur 4,90 Metern Breite sowie eine erhebliche Belastung des Ortes durch ein stetig steigendes Verkehrsaufkommen sind die Gründe für eine Ortsumgehung. Bereits 1980 habe es ein erstes Planfeststellungsverfahren geben, so steht es ind er Chronik, das aber am Widerstand einiger weniger Grundstückseigentümer gescheitert sei. 1984 gab es ein neues Planverfahren, das aber auch nicht durchgezogen wurde, denn aufgrund gesetzlicher Neuregelungen musste 1996 ein Neustart erfolgen.
Mittlerweile hatte sich die Verkehrsbelastung im Ort auf täglich etwa 6000 Fahrzeuge erhöht, die Bürger waren und sind vom Lärm und von den Abgasen ebenso wie von ungezählten gefährlichen Situationen genervt. Der Bürgersteig ist nämlich stellenweise nur 30 Zentimeter breit, da muss man schon seitwärts laufen, um nicht überfahren zu werden. 2007 habe sich daher ein „Aktionsbündnis Ortsumgehung Gimmersdorf“ gebildet, um der Sache mehr Nachdruck zu verleihen, und das mit Erfolg.
Planfeststellung verzögerte sich immer wieder
2008 schließlich sei die Planfeststellung durch die Bezirksregierung erfolgt, zugleich der Beginn schwierigster Grundstücksverhandlungen, wie Fiévet erläuterte. Mehr als 80 Grundstücke mussten von 50 verschiedenen Eigentümern erworben werden, einer wollte überhaupt nicht verkaufen und musste am Ende sogar enteignet werden. Auch die Klagen einiger Grundstückseigentümer gegen den geplanten Straßenbau konnten die Sache zwar nicht mehr aufhalten, kostete aber Zeit, sodass die bereits 2008 beschlossene Planfeststellung erst 2012 rechtskräftig wurde.
Allerdings hatte nun das Land Nordrhein-Westfalen kein Geld mehr für die Ortsumgehung von Gimmersdorf übrig, nachdem die Förderrichtlinien geändert worden waren. Doch da habe sich der Kreistag bereit erklärt, die Straße aus Kreismitteln vorzufinanzieren in der Hoffnung, irgendwann einmal von Bund oder Land das Geld zurückzubekommen. Immerhin geht es hier um die Summe von 5,1 Millionen Euro.
„Wenn der Kreis nicht die Zwischenfinanzierung übernommen hätte, würde es wohl noch Jahre dauern“, bestätigte auch die CDU-Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager, denn wann die Landesmittel für das 5,1 Millionen Euro teure Projekt tatsächlich fließen, ist nach wie vor unklar. Bei einem demnächst anstehenden Besuch bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft werde sie das Thema mit ihrer Parteikollegin ansprechen, versprach Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD).
Eines der bedeutendsten Ereignisse in der Dorfgeschichte
Jetzt aber freute sich Fiévet erst einmal über „eines der bedeutendsten Ereignisse in der Dorfgeschichte“. Selten sei die Dorfsaal-Inschrift „Locus felix Gimmersdorf“ (Glücklicher Ort Gimmersdorf) so passend gewesen wie an diesem Freudentag. „Letztlich haben dann doch alle an einem Strang und in die gleiche Richtung gezogen.“ Eine Herkulesaufgabe für alle Beteiligten, denen Fiévet ebenso wie Landrat Schuster seinen ausdrücklichen Dank aussprach. Zwar müssen die ohnehin geplagten Gimmersdorfer nun für rund zwei Jahre mit erheblichem Baustellenverkehr klarkommen und einige Umwege in Kauf nehmen, doch das sei eine verwertbare Belastung angesichts der Vorteile, die man danach genießen könne.
Begonnen wird mit dem Brückenbauwerk, mit dem die neue Umgehungsstraße unter dem Berkumer Weg entlanggeführt wird. Zwei große Gruben links und rechts lassen schon jetzt das künftige Aussehen der 36 Meter langen Brücke erahnen. 13,50 Meter beträgt der Abstand zwischen den Brückenwiderlagern, wo die Straße entlangführen wird. Die Durchfahrtshöhe der Unterführung wird bei fünf Metern liegen, für die Errichtung müssen 12.000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden. 450 Kubikmeter Stahlbeton sowie 55 Tonnen Betonstabstahl werden für den Bau der Brücke selbst benötigt.
Dorfinnenentwicklungskonzept für die zukünftige Gestaltung
Im Spätherbst geht es weiter mit dem Bau des Regenversickerungsbeckens, bevor 2017 der eigentliche Straßenbau beginnt. Die Umgehungsstraße soll alles in allem 1,8 Kilometer lang werden und beginnt aus Richtung Südwesten gesehen an der L 123, kreuzt unterirdisch den Berkumer Weg, verläuft kreisförmig westlich und nördlich von der Ortslage Gimmersdorf und mündet in die Kreisstraße in Richtung Ließem. Wenn dann 2018 die Umgehungsstraße fertiggestellt sei, werde man mit Hilfe eines Dorfinnenentwicklungskonzepts die zukünftige Gestaltung des Örtchens in Angriff nehmen, so Fiévet. Wobei er hofft, dass dies nicht noch einmal 50 Jahre dauern werde.
JOST
Dieser Plan zeigt, wo die Ortsumgehung Gimmersdorf künftig entlangführen soll.
Die Arbeiten für die Ortsumgehung in Gimmersdorf sind bereits in vollem Gange. Foto: Volker Jost
Spatenstich für die Ortsumgehung in Gimmersdorf: Ortsvertretungsvorsitzender Christoph Fiévet, die Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager, Landrat Sebastian Schuster, Bürgermeisterin Renate Offergeld und Kreis-Verkehrsausschussvorsitzender Ingo Steiner machten sich an die Arbeit. Fotos: -JOST- Foto: Volker Jost
