„Stadtumbau West“ bei Stadtratssitzung besprochen
Entsteht an der Wied ein neuer Stadtteil?
Stadtrat beschloss Bewerbung um Förderprogramm - Entscheidung im Sommer
Neuwied. In seiner letzten Sitzung beschloss der Stadtrat einstimmig, sich um das Bund- und Länderförderprogramm Stadtumbau West zu bewerben. „Ziel des Konzeptes ist es auch mit Blick auf die gesamtstädtische Entwicklung, Gewerbeflächen, Wohnbauflächen unterschiedlicher Nutzungsintensität und Erholungsräume, zu schaffen. Die Flächennutzungsanalyse ergibt, dass je nach tatsächlicher Bebauung etwa 500 bis 700 neue Wohneinheiten entstehen könnten. Das entspricht in etwa der Größe eines kleineren Stadtteils“, berichtete Jan Einig. Der Bürgermeister sprach davon, dass die Gewerbeflächen Betrieben aus den Bereichen Dienstleistung, Technologie und Handel angeboten werden. „Wohnen und arbeiten“ sei das erklärte Ziel der Konzeption. Wobei beide Bereiche jeweils von einer Grünzone eingerahmt werden, um mögliche Emissionen zu minimieren. Die vorrangig verkehrsberuhigten Straßenzüge bieten vor allem Familien eine hohe Aufenthaltsqualität. Das Besondere am Entwicklungsgebiet ist die Lage. Das ehemalige Rasselstein-Gelände liegt praktisch inmitten der Stadt und an der Wied. „Das Konzept eröffnet die Möglichkeit, durch Rad- und Fußgängerbrücken über die Wied die Stadtteile Irlich und Niederbieber mit Heddesdorf und der Innenstadt besser zu verbinden“, sagte Jan Einig. Die Wied solle für die Bevölkerung durch die Anlage von großzügigen Grünflächen im ausgedeichten Bereich wieder erlebbar gemacht werden. Für die Menschen sollen diese Flächen als Erholungsräume im westlichen Teil des Gebietes Richtung Wiedmündung gestaltet werden. Dies war auch ein zentraler Bestandteil der Konzeption der Landesgartenschau, die bekanntlich nach Bad Neuenahr-Ahrweiler vergeben wurde. Das neue Wohn- und Gewerbegebiet soll neben der Natur noch einen anderen Charakter bekommen.
Historie zum Ausdruck bringen
Um der Historie, der über 300-jährigen Geschichte, Ausdruck zu verleihen, sollen einzelne Gebäude oder auch Restfragmente erhalten bleiben. Dafür in Frage kommen der alte Lokschuppen, das Stellwerk oder auch die Gleisanlagen. Oberbürgermeister Nikolaus Roth wies aber vorsorglich darauf hin, dass das Projekt sich in einem frühen Stadium befände. Die Konzeption sei für den Förderantrag erstellt worden. Sollte das Land zustimmen, werde das Projekt für Stadt- und Projektentwickler ausgeschrieben. Natürlich bezifferte Bürgermeister Jan Einig auch die Kosten, die auf die Stadt Neuwied zukommen.
Die Schätzung für die notwendigen Investitionen schätzt das Bauamt auf 28 Millionen Euro. Darin enthalten sind der Grunderwerb, die notwendigen Abbruchkosten, die Ertüchtigung vorhandener Gebäude sowie die Herstellung der Infrastruktur. Den Ausgaben stünden 12,7 Millionen an Erlösen aus Grundstücksverkaufen gegenüber. Optimistisch zeigte sich der Baudezernent, was am Ende an Kosten für die Stadt Neuwied übrig bleibt. Nach einer möglichen Förderquote von 80 Prozent nämlich lediglich 3 Millionen Euro. Schon im Sommer erwartet Jan Einig die Entscheidung aus Mainz. Er zeigte sich zuversichtlich, in das Städtebauförderprogramm Stadtumbau West aufgenommen zu werden. Nach der Zusage vom Land werde ein integriertes Handlungskonzept auf den Weg gebracht. Darin enthalten ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich in die Planungen einbringen können. „Die Gesamtlaufzeit des Förderprogramms wird vermutlich zehn bis zwölf Jahre sein. Wir gehen momentan davon aus, dass in etwa vier bis fünf Jahren Baurecht bestehen und die Entwicklung des Gewerbes sukzessive erfolgen kann“, kündigte der Bürgermeister an. Die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum werde damit Realität. FF
