AeB - Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V. Remagen
Faire Kleidung - aber wie?
Remagen.Schüler der RealschulePlus berichteten im Remagener Jugendbahnhof über ihr Projekt rund um die Herstellung der Kleidung und die Bedingungen der Näherinnen in den Entwicklungsländern. „Die Situation der Beschäftigten in chinesischen, indischen oder mittelamerikanischen Betrieben, die einen Teil der in Deutschland verkauften Kleidung oder Sportartikel herstellen, ist katastrophal. Eine oft minderjährige Näherin erhält zum Beispiel im Monat genau 16,80 Euro ausgezahlt. Dafür muss sie bis zu 70 Stunden in der Woche arbeiten, das an sieben Tage. Beschwert sie sich oder wird sie gar schwanger, wird sie fristlos gefeuert. Unter dem Strich gehen von einer Jeans, die im Laden bei uns 70 Euro kostet, genau ein Prozent an die Näherin. Dasselbe gilt für einen in Pakistan hergestellten Fußball. Dagegen bleiben rund ein Drittel des Verkaufspreises bei der Markenfirma und rund die Hälfte im deutschen Einzelhandel“, so das Ergebnis einer Arbeitsgruppe an der Remagener RealschulePlus, das am Dienstag im Remagener Jugendbahnhof anhand einer PowerPoint-Präsentation vor Mitschülern und weiteren Besuchern vorgestellt wurde.
22 Schülerinnen und Schüler um ihren Fachlehrer Marco Bastiaansen hatten sich gut auf ihre Präsentation im Remagener Jugendbahnhof vorbereitet. Zunächst hatten sie im Oktober des letzten Jahres ihre Kleiderschränke durchstöbert mit Blick auf die Zahl ihrer Jeans, Röcke, Hemden oder Blusen. Dann wurde nach den vertretenen Marken und nach den Herkunftsländern dieser Kleidungsstücke geforscht und schließlich die Herstellungsbedingungen untersucht. Im Rahmen eines mehrtägigen Seminars im Naturfreundhaus Maria Laach konnten die Schüler dann auf Einladung des Remagener Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung mit Fachleuten über das Thema sprechen und in mehreren Arbeitsgruppen unterschiedlichen Fragen nachgehen. So wurde von einigen Schülerinnen und Schülern der Weg eines Fußballs verfolgt. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich mit der „Weltreise einer Jeans“, die vom Bauwollfaden bis zur fertigen Hose insgesamt rund 40.000 km auf dem Weltball zurücklegen musste, bevor sie in den deutschen Laden kam. Auf die Arbeitsbedingungen in einer Näherei in Bangladesch schaute eine dritte Arbeitsgruppe, deren Vortrag die Anwesenden besonders schockierte. Neben dem erbärmlichen Lohn kamen ständige Entlassungsangst, entwürdigende Behandlung bis zur sexuellen Vergewaltigung hinzu.
Schließlich wurde der Frage nachgegangen, was wir in Deutschland und in Remagen tun können, um zu einer faireren Behandlung der Menschen beizutragen, die unsere tägliche Kleidung herstellen. Für den Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung regten Vorsitzender Frank Bliss und die ebenfalls anwesende stellvertretende Vorsitzende Walburga Greiner an, den heimischen Handel stärker in die Pflicht zu nehmen. Dieser sollte in der Lage sein, über die Produzenten von Kleidung Informationen geben zu können, sodass uns als Kunden im Zweifelsfall für die fair hergestellte und gehandelte Hose oder Bluse entscheiden können, die im Übrigen bei bisher einem Prozent Lohnkosten kaum mehr kosten müsse, als eine unter erbarmungswürdigen Bedingungen genähte Jeans.
