Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler tagte
Gedenken an berühmte Persönlichkeiten
Tafeln sollen an Dr. Carl von Ehrenwall und Frieda Nadig erinnern – Auf Antrag der Grünen soll das Wabensystem des ÖPNV in der Kreisstadt verändert werden
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zwei weitere berühmte Persönlichkeiten mit Bezug zur Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sollen künftig mit Erinnerungstafeln ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Das schlägt der Haupt- und Finanzausschuss dem Stadtrat vor.
Eine der beiden Erinnerungstafeln soll an Dr. Carl von Ehrenwall (1855-1935) erinnern, der 1877 die nach ihm benannte Klinik in Ahrweiler im Alter von 22 Jahren gegründet hatte. Ab 1880 erlangte er die alleinige wirtschaftliche und ärztliche Verantwortung für die Klinik, unterstützt von seiner Frau Anna. Der Aufbau der Klinik erfolgte nach den damals neuesten Erkenntnissen der Behandlung von sogenannten „Gemüthserkrankungen“. Für die elektrisch betriebenen Therapiemethoden wurde eine eigene Stromversorgung eingerichtet, eine eigene Landwirtschaft versorgte die Patienten mit frischem Gemüse und Obst. Die Erinnerungstafel für Dr. Carl von Ehrenwall soll an der Villa Maria in der Ahrweilerer Schützbahn angebracht werden.
Eine weitere Gedenktafel soll an Frieda Nadig (1897-1970) erinnern. Sie war von 1936 bis 1945 als Gesundheitsfürsorgerin des Staatlichen Gesundheitsamtes des Kreises Ahrweiler tätig. Ungeachtet des Risikos, wegen ihrer Parteizugehörigkeit zur SPD verhaftet zu werden, engagierte sie sich während des Nationalsozialismus in hohem Maße für die ihr anvertrauten Menschen. Während der Bombenangriffe 1944/45 suchte sie Schutz in der „Stadt im Berg“ in den Ahrweilerer Weinbergen. Nadig gehörte anschließend zu den vier „Müttern des Grundgesetzes“ und hatte Anteil an der Durchsetzung des Artikels 3, Absatz 2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Diese Tafel soll an der ehemaligen Adresse des Gesundheitsamts in der Wilhelmstraße 75 angebracht werden.
Sechs Euro für einen Kilometer Entfernung
Zudem beschäftigte sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dort werden die Fahrpreise anhand von Gebieten definiert, die innerhalb eines Wabensystems liegen. Will ein Fahrgast also mit dem Bus eine bestimmte Strecke zurücklegen und überquert dabei die Grenze zwischen zwei Waben, rutscht er automatisch in die nächsthöhere Preisstufe. Das Gebiet der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist in Sachen ÖPNV in vier Waben aufgeteilt. Wer etwa von Ramersbach nach Kirchdaun und wieder zurück fährt, zahlt die stolze Summe von zehn Euro. Noch unverständlicher kann es in der Innenstadt werden, denn da kostet ein Busticket vom „Hemmessener Dom“ zum Mittelzentrum hin und zurück sechs Euro – für eine Entfernung von nicht einmal einem Kilometer. „Für Gelegenheitsfahrer sind die Fahrpreise damit deutlich zu hoch“, kritisieren die Grünen und fordern, die Verwaltung möge Gespräche mit dem Verkehrsverbund Rhein-Mosel suchen mit dem Ziel einer Reduzierung der Tarifwaben im Stadtgebiet. Nur dann könne man Gelegenheitsfahrer als Dauerkunden gewinnen. Der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schlagwein argumentierte, das Land habe in ähnlichen Fällen die Hälfte der dabei entstehenden Durchtarifierungsverluste übernommen.
Bürgermeister Guido Orthen (CDU) berichtete, man sei seit Anfang des Jahres im intensiven Austausch mit dem Verkehrsverbund, vor allem, um einen attraktiven ÖPNV für die Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler 2022 auf die Beine zu stellen. Die nächste Gesprächsrunde sei für Anfang 2020 geplant, doch schon im Oktober sei eine Wabenzusammenlegung im Stadtgebiet thematisiert worden. Deshalb schlug er vor, die Gespräche mit dem Verkehrsverbund fortzusetzen und dem Stadtrat die Konditionen einer Wabenzusammenlegung mitzuteilen. Der Hauptausschuss befürwortete den Antrag einstimmig, nun muss nur noch der Stadtrat zustimmen. JOST
