Herbstempfang der CDU Rheinbach
„Gefahr islamistischer Anschläge“
Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF, referierte über die aktuelle Gefährdungslage
Rheinbach. Hochkarätig war der Referent des Herbstempfangs von Stadtverband und Fraktion der CDU Rheinbach im Himmeroder Hof. Mit dem stellvertretenden Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, hatten Stadtverbandsvorsitzender Oliver Baron, Bürgermeister Stefan Raetz und Fraktionschef Bernd Beißel einen der renommiertesten Terrorismusexperten für einen Vortrag über die aktuelle Gefährdungslage gewinnen können.
Nach der Wiedervereinigung lebten die Deutschen in Ost und West wieder in einem gemeinsamen Staat, so Baron in seiner Begrüßung. „Vieles wurde gemeinsam erreicht, manches auch voneinander gelernt, aber noch immer stehen wir vor großen Herausforderungen - nicht zuletzt mit Blick auf die derzeitigen geopolitischen Entwicklungen, von denen Krieg und Frieden in der Welt abhängen können“, so Baron. Theveßen erwies sich als intimer Kenner dieser brisanten und spannenden Themenfelder bei einem Referat, das von einer „Diaschau des Grauens“ untermalt wurde. Explodierende Häuser, sterbende Kinder und flehende Mütter seien allerdings noch „die harmloseren Bilder - da habe ich viel schlimmere Sachen gesehen.“
Lange und verquere Argumentationskette
Ihn interessiere besonders die Frage, wie westlich aufgewachsene Jugendliche in die Situation kommen könnten, die Überzeugung zu gewinnen: „Ich muss mich in die Luft sprengen und noch möglichst viele Leute mit in den Tod nehmen.“ Letztlich führe eine ganz lange und zum Teil überaus verquere Argumentationskette dorthin. Man müsse einen Weg finden, diese Kette zu durchbrechen, dann habe man eine effektive Waffe im Kampf gegen den Terrorismus in der Hand.
Bei den Kämpfen in Syrien habe sich der Westen lange schwergetan, einzugreifen. Diese Unentschlossenheit habe dazu beigetragen, dass junge Muslime in der westlichen Welt den Eindruck gewonnen hätten: „Dort werden Tausende von Muslimen abgeschlachtet, und keiner tut etwas dagegen.“ Was wiederum dazu geführt habe, dass bis zu 11.000 junge Männer aus dem Westen als Kämpfer nach Syrien und in den Irak gegangen seien, 4600 davon aus Westeuropa und 450 aus Deutschland.
Bekannte Gesichter sind keine große Gefahr
Mittlerweile sei eine der größten Sorgen, dass einige der Kämpfer zurückkommen und Anschläge in Deutschland verüben könnten. Dabei seien die „bekannten Gesichter“ keine große Gefahr für Deutschland, weil man um deren Gefährlichkeit wisse. Das Problem seien die unbekannten Dschihad-Kämpfer, von denen man nicht wisse, was sie getan hätten und welche Pläne sie hegten. Nach den Terroranschlägen in Madrid 2004 habe er mit einem Imam in einer dortigen Moschee gesprochen, der eine extreme Auslegung des Korans lehre, so Theveßen. Diese extreme Auslegung mache den Unterschied. Dabei setzte Theveßen den Wahabismus mit dem Salafismus gleich, denn beide lehrten, dass der Dschihad nie aufgegeben werden dürfe, weil sonst Moslems auf der ganzen Welt unterdrückt und getötet würden und letztlich der Islam dem Untergang geweiht sei.
Politik gibt der Theorie manchmal recht
Deshalb sei es in deren Augen durchaus statthaft, Anschläge in westlichen Ländern zu verüben, um den „Heiligen Krieg“ beispielsweise in Syrien und im Irak zu unterstützen. Leider gebe die Politik dieser Theorie manchmal recht, beispielsweise nach den Anschlägen in Madrid. In dessen Folge sei es zu einem Regierungswechsel gekommen, was den Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak nach sich gezogen habe. Damit hätten die Terroristen im Grunde genommen ihr damaliges Ziel erreicht.
In ihrer persönlichen Wahrnehmung seien die potenziellen Terroristen Benachteiligte in ihrer eigenen Heimat, zudem sehen sie eine aus ihrer Sicht vorhandene Doppelmoral der Politik des Westens. Ein gutes Beispiel dafür sei die „Sauerland-Zelle“, die vor einigen Jahren Anschläge in Deutschland geplant habe, die zum Glück verhindert werden konnten. Besonders unbehaglich werde ihm jedoch bei dem Gedanken, dass sich im Hintergrund eine Konfrontation zwischen Islamisten und Rechtsextremisten aufschaukele.
Rückkehrer sind traumatisiert und desillusioniert
Dennoch war Theveßen der Überzeugung: „Die Gefahr islamistischer Anschläge in Deutschland wird weit überschätzt.“ Nach neuesten Erkenntnissen seien neun von zehn Rückkehrern aus dem „Heiligen Krieg“ geläutert und nicht mehr willens, sich gewalttätig zu zeigen. Sie seien traumatisiert und desillusioniert und kehrten mit dem Bewusstsein nach Hause zurück, dass man einer Täuschung aufgesessen sei. In Syrien gebe es keinen „hehren Kampf“, sondern nur ein brutales Abschlachten von Zivilisten, Frauen und Kindern.
Ein Problem sieht Theveßen allerdings in der Tatsache, dass mittlerweile über die sozialen Medien junge Männer aus Deutschland direkten Kontakt mit den Kämpfen in Syrien aufnehmen könnten, die damit direkt in den „Heiligen Krieg“ hinein gelockt würden.
Deutschland muss sich direkt beteiligen
Dass die Bundesrepublik Deutschland mittlerweile Waffen an die kurdische Peschmerga liefere, nannte Theveßen „eine Ersatzhandlung der deutschen Politik“. Seiner persönlichen Meinung nach müsse sich Deutschland künftig direkt an den Kampfhandlungen beteiligen - unabhängig von der Frage ob die Bundeswehr überhaupt das passende und funktionsfähige Kriegsgerät zur Verfügung habe. Doch die wichtigste Aufgabe sei es, sich um diese jungen Menschen zu kümmern, die abzurutschen drohten, und ihnen ihr Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu nehmen. „Das aber kann nur die gesamte Gesellschaft leisten - deshalb sollten wir endlich damit anfangen!“
Der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen (r.) fesselte knapp 160 Besucher des Herbstempfanges der Rheinbacher CDU im Himmeroder Hof.
Die Spitze der Rheinbacher CDU freute sich, den stellvertretenden Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen (Mitte) in ihren Reihen zu haben (v.l.): Bürgermeister Stefan Raetz, Vizelandrätin Silke Josten-Schneider, Stadtverbandsvorsitzende Oliver Baron, Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager, Bundestagsabgeordneter Dr. Norbert Röttgen und Fraktionsvorsitzender Bernd Beißel. Fotos: Jost
