Politik | 21.05.2019

Bürgerinitiatve „lebenswerte Stadt“

„Gemeinden zeigen uns die lange Nase“

Leserbrief zum Artikel „Moderne und ansprechende Architektur mit Bauhaus-Elementen“

Im Beitrag über die Stadtratssitzung entlarvt der Autor unbeabsichtigt die Stadtverwaltung und deckt so den eigentlichen Skandal auf. „Ausführlich ging Guido Orthen zunächst auf das Interview mit Prof. Rainer Hempel ein“, schreibt er. Wer bei der entscheidenden Stadtratssitzung am 29. April anwesend war, gerät ins Grübeln. Er oder sie kann sich auch gar nicht erinnern, denn der Autor plaudert hier vertrauliche Informationen aus einem Pressebriefing in der Woche zuvor aus. Und das ist der eigentliche Skandal.

Während die Medien bereits alle nötigen Informationen an der Hand haben, warten die Ratsmitglieder, also die eigentlichen Entscheidungsträger, noch auf entsprechendes Material. Zum vierten Tagesordnungspunkt („Neugestaltung der Kurparkanlagen“), einem wichtigen Tagesordnungspunkt mit kaum zu ermessender Tragweite, erhalten sie es um 9 Uhr des Sitzungstags. Wann soll so eine ordentliche Auseinandersetzung mit der Thematik stattfinden – oder ist die gar nicht gewünscht?

Drei weitere Anmerkungen zum Bericht: 1. Welche Sanierung? Im Pressegespräch vermischt der Bürgermeister erneut die Begrifflichkeiten Schadens- und Sanierungsgutachten. Zum leichteren Verständnis ein Beispiel: Erika Mustermann geht mit Schmerzen im Knie zum Arzt. Der untersucht und stellt zum Beispiel Arthrose fest. Das ist quasi nun ein Schadensgutachten. Das sagt, was kaputt ist. Es sagt nicht, was im individuellen Fall zu tun ist. Wägt nun der Arzt ab und macht einen „Sanierungsplan“, dann stellt er fest: „Bei dir, Erika, reicht gezielte Krankengymnastik, vielleicht reichen Medikamente, oder es muss eine OP sein oder gar ein neues Knie.“ Die Bandbreite ist groß – dann haben wir es mit einem Sanierungsgutachten zu tun. Der Unterschied ist deutlich. Auf Letzteres warten die Neuenahrer vergebens.

Der Denkmalrat fordert es ein, der Landesdenkmalschutz auch. Die BI ebenso wie Fachleute. Denn jede und jeder redet über den Schaden, aber keiner weiß, was eine Sanierung eigentlich kosten würde. Dieses Gutachten – man höre und staune - würde sogar nichts kosten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz würde es berappen, denn sie erkennt: Nur so lassen sich klare und sachliche Entscheidungen treffen.

2. Denkmalwert von Konzerthalle und Co.: Auch wenn die Stadt gebetsmühlenartig den Denkmalwert der Kurparkbauten negiert, sie sind es. Jede und jeder kann es nachlesen: www.gdke-rlp.de. Sie sind Teil der Denkmalzone und sie sind es, egal ob morsch oder intakt, bis der Bagger anrollt. Und entsprechend sollte mit baukulturellem Erbe umgegangen werden: stolz sein, bewahren und zukunftstauglich machen.

3. Thema Zuschüsse: Dass die Zuschüsse von entsprechenden Gebern nicht mit der Schubkarre herangekarrt werden, weiß der Bürgermeister aus eigener Erfahrung.

Er berichtete stolz, dass er Gelder für den Neubau im persönlichen Gespräch mit dem entsprechenden Staatssekretär erbeten habe. Ganz genauso verhält es sich mit Zuschüssen zur Sanierung, wieso sollte es anders sein. Sie müssen eingefordert werden. Im Pressebriefing also zu berichten, Zuschüsse sind nicht da, ist unlauter: Woher sollten sie kommen, wenn sie erst gar nicht beantragt wurden?

Und dennoch liegen aus Vorabgesprächen mit Denkmalpflegern verlässliche mündliche Zusagen vor. Zudem ist bekannt, dass gerade im Jubiläumsjahr Gelder für den Erhalt von Bauhauserbe sprudeln.

Andere Gemeinden im Kreis zeigen uns die lange Nase und machen Neuenahr vor, wie es geht: Sie haben Gelder aus Bundestöpfen für Denkmalpflege angezapft – weil sie stolz sind auf eigene Geschichte und diese erhalten wissen möchten.

Markus Hartmann, Neuenahr

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