Politik | 25.10.2017

Der Beschluss über einen Sperrpoller in der Unkeler Innenstadt wurde vertagt

Geschäftsleute forderten die Aufhebung der Fußgängerzone

Seit Abschluss der ersten Innenstadt-Sanierung vor fast 20 Jahren besteht die Verkehrsregelung. DL

Unkel. Eigentlich wollten die Mitglieder des Unkeler Stadtrats in ihrer jüngsten Sitzung beschließen, wo die Fußgängerzone im Süden durch einen Poller von 12.30 Uhr bis 5 Uhr abgesperrt werden soll, um so die seit März 1998 bestehende Verkehrsregelung durchzusetzen, nach der die Frankfurter Straße nur von Anliegern und vom Lieferverkehr zum Be- und Entladen von 5 Uhr bis 12.30 Uhr befahren werden darf. Dazu waren sie zuvor zusammen mit dem Chef des Ordnungsamtes Christoph Heck, zum Ortstermin auf den Willy-Brandt-Platz gekommen um zu diskutieren, ob der Poller wie schon vor einigen Jahren in Höhe der „Löwenburg aufgestellt werden soll oder alternativ wie von Daniel Schmitz (FWG) angeregt, in Höhe der Vogtsgasse, um so auch gleich das wilde Parken auf dem Willy-Brandt-Platz zu unterbinden.

Um überflüssigen Fahrzeugverkehr aus der Frankfurter Straße herauszuhalten, sollten die bereits ab dem nördlichen Entree in die Altstadt angeordneten Sperrzeiten auch auf den Bereich zwischen dem Musikhaus Hommerich am Oberen Markt und dem neu zu installierenden Sperrpfosten übernommen werden. Eine Anfahrt dieses Abschnitts wäre aber über die Sankt Pantaleon Straße, die Lehngasse und die Kirchstraße möglich. Das Linksabbiegen von der Kirchstraße in die Frankfurter Straße sollte wieder gestattet werden, wobei an der Pützgasse ein Notfallparkplatz mit Parkscheibenregelung für die dort vorhandene Arztpraxis vorgesehen war.

„Sperrpoller sind generell ein probates Mittel zur Verkehrsberuhigung, gegen das wir nicht einzuwenden haben. Die Entscheidung, ob diese eingesetzt werden, liegt jedoch beim Stadtrat“, so Christoph Heck. Zu eben dieser Entscheidung konnten sich die Mandatsträger dann jedoch wenig später nicht durchringen, verlas Stadtbürgermeister Gerhard Hausen doch ein Schreiben, das ihm mit einer Unterschriftenliste kurz vor der Sitzung von Thomas Wierig übergeben worden war. Zusammen mit den Geschäftsleuten Daniela Brandenburg, Stefan Florian, Ingo Gärtner, Michael Hommerich, Elke und Bernd Luhmer sowie Jochen Seidel hatte er die Aktion in Angriff genommen. Bei dieser „ging es in erster Linie um Ermittlung des vorherrschenden Meinungsbildes und der Stimmungslage im Umfeld der Innenstadt, die Befürwortung der Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs und die Abschaffung der Fußgängerzone. Eine Sperrung der Stadt sollte vermieden werden, um die für alle Geschäftsleute lebenswichtige Kundenfrequenz zu erhalten“, setzte sich die Initiative für eine „uneingeschränkte Erreichbarkeit aller Geschäfte mit dem Auto“ ein sowie für die Sicherstellung der „Abwicklung von Not und Bereitschaftsdiensten.“

„Rund 400 Personen haben sich per Unterschrift dafür ausgesprochen, die Fußgängerzonen-Regelung komplett aufzuheben und nach dem Vorbild der Erpeler Kölnstraße die Frankfurter Straße als verkehrsberuhigten Bereich mit versetzten Haltebuchten auszuweisen“, unterrichtete der Stadtchef die Ratsmitglieder. Die Unterzeichner würden dafür plädieren, dass Lieferanten und Kunden der Geschäfte auch nach 12.30 Uhr in die Innenstadt fahren können, ohne Belästigungen oder gar Strafen fürchten zu müssen. Verstehen könne er diese seit Fertigstellung der Innenstadtsanierung immer wieder erhobenen Forderungen nicht. „In Unkel ergibt sich die besondere Situation, dass sich Parkplätze unmittelbar in der Nähe der Geschäfte und Galerien befinden. Am Neven-Dumont-Platz im Norden steht ein klassischer Parkplatz für den kurzen Einkauf zur Verfügung und von den Stellplätzen hinter dem generalsanierten Geschäftshaus Justen sind die Geschäfte in der Frankfurter Straße durch den großen Torbogen in wenigen Metern zu erreiche“, beschrieb er die mehr als günstige Parksituation in der Stadt. Außerdem sei vorgesehen, Anwohnerausweise an Anlieger auszugeben, damit diese auch nachmittags ein- und ausladen könnten. Durch den Poller würde der Durchfahrtsverkehr am Nachmittag und Abend auf ein Mindestmaß reduziert, was die Stadt attraktiver machen würde. „Unsere historische Altstadt ist bei Einwohnern wie Besuchern doch wegen ihrer Aufenthalts-Atmosphäre so beliebt“, argumentierte Gerhard Hausen.

Das sah auch Daniel Schmitz so. „Schließlich liegt Unkels Zukunft vor allem im Kultur- und Qualität-Tourismus, sodass man auch die Meinung der Besucher zu dieser Frage in die Entscheidung einbeziehen muss“, gab er zu bedenken, bevor der CDU-Fraktionsvorsitzende, Alfons Mußhoff, mit Erfolg die Vertagung des entsprechenden Beschlusses beantragte.

„Zwischen den geforderten Haltebuchten Slalom-fahrende Autos lassen sich mit den Ansprüchen einer Touristenstadt nicht vereinbaren und sind sicher auch nicht im Interesse der Anlieger. Machen wir endlich Nägel mit Köpfen und testen ein Jahr die Sperrung durch einen Poller. Nur durch ihn können wir verhindern, dass der trotz der zeitlichen Begrenzung festzustellende Durchgangsverkehr aus der Innenstadt ferngehalten und somit der Rechtslage entsprochen wird“, hatte zuvor der 1. Beigeordnete Wolfgang Plöger vergeblich argumentiert. Für ihn ist zumindest mehr als fraglich, dass alle Unterzeichner der Unterschriftenliste wirklich gewusst hätten, welche Forderung sie genau mit allen Konsequenzen unterschrieben hätten. DL

Seit Abschluss der ersten Innenstadt-Sanierung vor fast 20 Jahren besteht die Verkehrsregelung. Foto: DL

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