Politik | 28.12.2018

Stadtrat beschloss Gründung der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH

Heilbad Gesellschaft steht vor einem großen Schritt

Mit Blick auf die Landesgartenschau sollen die lokalen Kräfte in Tourismus und Wirtschaft gebündelt werden

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Noch ist die Firma „Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH“ nicht gegründet, doch ab dem Jahresanfang soll sie eine gewichtige Rolle in der Vermarktung der ganzen Region einschließlich der Kreisstadt spielen. Das beschloss der Stadtrat im nicht öffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung. Insbesondere mit Blick auf die Landesgartenschau 2022 wolle man alle lokalen Kräfte bündeln und eine branchenübergreifende Wirtschaft- und Tourismusförderungsgesellschaft auf den Weg bringen, erläuterte Bürgermeister Guido Orthen (CDU).

„Großer und mutiger Schritt für alle Beteiligten“

„Das ist ein großer und mutiger Schritt für alle Beteiligten aus Wirtschaft und Politik, der meinen Respekt verdient, weil er ein Vertrauensbeweis für unsere bisherige Arbeit ist“, so der Bürgermeister weiter.

Gleichzeitig sei er Ansporn für die zukünftige Arbeit. „Deshalb bin ich froh, dass der Stadtrat deutlich gemacht hat, dass die Stadt ihr finanzielles Engagement in der gewohnten Höhe vollumfänglich beibehalten wird. Wir wollen an der Vermarktung von Stadt und Region nicht sparen, wir wollen effektiver und effizienter werden.“ Zumal man damit bestehende Parallelstrukturen auflösen und Synergien heben könne, ergänzte Ahrtal-Tourismus-Vorsitzender Christian Lindner: „Auch wir stehen jedenfalls absolut dahinter, denn diese Entscheidung trägt zum Erfolg der Landesgartenschau und der ganzen Region bei.“

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zähle schließlich zu den stärksten touristischen Standorten in Rheinland-Pfalz, und zahlreiche innovative Wirtschaftsunternehmen aller Brachen sind in der Kreisstadt zu Hause. Starke Betriebe in Gesundheitswirtschaft und Einzelhandel, in Weinbau, Hotellerie und Gastronomie sowie in Handwerk und Dienstleistungsbranche sorgten für sektorenübergreifende Wertschöpfung sowie eine hohe Attraktivität als Wohnstandort, sagte Orthen.

Verschiedene Strukturen nebeneinander

Seit jeher existierten in der Stadt mehrere verschiedene Strukturen, Organisationen und Vereine, die sich in ihren jeweiligen Sparten – sei es „Tourismusförderung“, „Kurverwaltung“, „Einzelhandelsförderung“, „Standortförderung und Citymanagement“ oder „Gebietsweinwerbung“ – der Vermarktung des Wirtschaftsstandorts Bad Neuenahr-Ahrweiler/Ahrtal widmen. In den vergangenen Jahren sei der Standort zudem mit teils eruptiven Veränderungsprozessen konfrontiert worden, ausgelöst durch ganz unterschiedliche Faktoren, Strömungen und gesellschaftliche, politische oder ökonomische Entwicklungen.

Hierbei hätten sich nach Ansicht der Stadtverwaltung zwei Dinge gezeigt: „Erstens, dass solche Herausforderungen bewältigt werden können, wenn ein Standort gemeinsam und in enger Abstimmung der lokalen Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung auftritt und handelt. Zweitens, dass dabei eine hohe Dynamik von allen Akteuren – einschließlich der öffentlichen Hand – an den Tag gelegt werden muss, da es keine goldenen Wege gibt und die jeweiligen Handlungsstrategien kontinuierlich angepasst werden müssen.“

Die eigene Identität nicht aufgeben

Daher hätten sich die Vorstände des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler, des Ahrwein e.V., der Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Werbegemeinschaft Ahrweiler sowie die Stadt dazu entschieden, die vorhandenen Kräfte der Standortförderung in einem gemeinsamen Organisationsmodell zu bündeln, ohne die jeweils eigene Identität aufzugeben. „Wir alle sollten eine gemeinsame Strategie entwickeln und uns auch danach ausrichten“, ergänzte Tourismus-Urgestein Maternus Fiedler. Und auch der Ahrwein e.V. befasse sich schon jetzt mit seiner Ausrichtung für das Jahr 2025, berichtete dessen Vorsitzender Peter Kriechel. Ohnehin, so Patrick Küpper vom Aktivkreis Bad Neuenahr, könne man die Arbeit als Werbegemeinschaft in der bisherigen Form nicht mehr ehrenamtlich leisten – um sich für die Zukunft professioneller aufstellen, komme diese Entscheidung gerade recht.

Unter dem Dach der „Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH“ sollen in enger Abstimmung sukzessive und schrittweise operative Tätigkeiten vereint und Synergiepotenziale gehoben werden.

Hierzu firmiert die Stadt ihre Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler mbH um und erweitert deren Gesellschaftszweck entsprechend. Die neue Gesellschaft ist ab 1. Januar 2019 auf einstimmigen Beschluss der jeweiligen Vorstände mit der Geschäftsführung des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie der Geschäftsbesorgung für den Ahrwein e.V. betraut. Zudem bringt die Stadt ihre Einzelhandels- und Wirtschaftsförderung in die Gesellschaft ein.

Bewährte Vereinsstrukturen bilden den integralen Kern

Die bewährten Vereinsstrukturen sollen auch künftig den integralen Kern der neuen Standortförderung bilden, da sie Basis der Strategie- und Willensbildung innerhalb der einzelnen Branchen seien. Die Vereine seien weiterhin als Interessenvertreter und Politikberater von größter Bedeutung. Um diese Bedeutung zu unterstreichen, werde die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler einen eigenen Ausschuss für Wirtschafts- und Tourismusförderung gründen, der paritätisch mit Branchenvertretern und Mitgliedern des Stadtrats besetzt werde und die strategische Steuerung der neuen GmbH übernehmen solle.

Die Geschäftsführung der GmbH übernehmen wie bisher schon Christian Senk, Jan Ritter (Geschäftsführer) und Barbara Knieps (Prokuristin). Für jede Branche fungiert jeweils ein Referent als direkter Ansprechpartner: Andreas Wittpohl (Tourismus), Christian Steinbach (Gesundheitswirtschaft), Nicole Sebastian (Weinwirtschaft), Kevin Hengsberg (Einzelhandel). Die Referentenstelle der Wirtschaftsförderung ist nach dem Wechsel von Wirtschaftsförderer Thomas Spitz nach Rheinbach derzeit ausgeschrieben und soll demnächst wieder neu besetzt werden.

Seit dem 31. Oktober 2018 ist die neue Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 veröffentlicht. Sie wurde in einem intensiven Dialogprozess, den die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler durchaus mitgestaltet hatte, erarbeitet und ist nunmehr die neue Richtschnur für die Tourismusentwicklung in Rheinland-Pfalz. Hierbei konnte die Entwicklung einer „nur“ touristischen Dachmarke verhindert werden, und zwar zugunsten einer ganzheitlichen Markenbildung für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz insgesamt. Diese ganzheitliche Markenbildung soll nun auch für den Wirtschaftsstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler umgesetzt werden. Denn spätestens seit Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 gilt es, Bad Neuenahr-Ahrweiler ganzheitlich zu vertreten, um die Gartenschau gemeinschaftlich zum Erfolg und zur Einmaligkeit zu führen.

Gewichtigere politische Gestaltungsmöglichkeiten

Deshalb hatte sich der Haupt- und Finanzausschuss bereits in einer Klausursitzung im vergangenen Februar intensiv mit den überregionalen, regionalen und lokalen Strukturen der Standortförderung befasst und die Verwaltung beauftragt, einen Vorschlag zur Bündelung der lokalen Kräfte zu erarbeiten. Dieser sollte einen effektiveren Mitteleinsatz sowie eine gewichtigere politische Gestaltungsmöglichkeit der städtischen Gremien entsprechend der eingesetzten öffentlichen Mittel zum Ziel haben. Anschließend entwickelte die Verwaltung in zahlreichen Gesprächen mit den lokalen und regionalen Akteuren ein Organisationsmodell, das in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 22. Oktober vorgestellt wurde. Nach eingehender Diskussion empfahl der Ausschuss, die vorhandenen Strukturen der Standortarbeit in einem gemeinsamen Organisationsmodell zusammenzufassen und beauftragte die Verwaltung, die erforderlichen Schritte einzuleiten, insbesondere die Geschäftsbesorgung für den Ahrwein e.V. zu übernehmen. Hierzu sollte keine neue Gesellschaft gegründet, sondern vielmehr eine bestehende städtische GmbH, nämlich die Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler mbH, genutzt werden. JOST

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