Politik | 05.02.2020

Podiumsdiskussion „Ländlicher Raum, lebenswerter Raum“ des Verkehrsvereins Schuld

Heiße Diskussion um den Erhalt des Krankenhauses

Helmut Reuter Vorsitzender des Verkehrsvereins begrüßte die Podiumsteilnehmer.Foto: SES

Schuld. Die zentrale Diskussion drehte sich bei der Podiumsdiskussion „Ländlicher Raum, lebenswerter Raum?“ um den Erhalt des St. Josef Krankenhauses. Eingeladen hatte der Verkehrsverein Schuld in den Pfarrsaal, der bei diesen brisanten Themen auch brechend voll war. Bevor es mit heißen Diskussionen um die Zukunft des St. Josef Krankenhauses losging, erläuterte Pfarrer Rainer Justen die vorläufig gestoppte Bistumsreform, bei der aus 900 kleinen Pfarreien 35 Großpfarreien entstehen sollen. „Vor allem im ländlichen Raum wird das kirchliche Leben immer weniger“, stellte Justen fest. Deshalb sind Ehrenamtler gefragt, die sich selbstverantwortlich organisieren und den „kirchlichen Bereich“ in die Hand nehmen. Um wieder Leben in die Kirche zu bringen, sollten die Pfarreien in der Pfarrgemeinschaft Adenauer Land über die Gründung eines Vereins nachdenken, so die Anregung von Justen.

Zukunft in der Stadt oder auf dem Land

Landrat Jürgen Pföhler gab bekannt, was der Kreis unternimmt, um „gleichwertige Lebensverhältnisse“ zwischen Stadt und Land herzustellen. Hier stellte er als sehr wichtigen Faktor die Förderung der drei kreiseigenen Schulen im Adenauer Land vor. Als Unding bezeichnete der Landrat den Umstand, dass die Kinder keinen Schwimmunterricht haben. „Deshalb liegt mir der Bau eines Lehrschwimmbeckens sehr am Herzen“, sagte der Landrat. Über die soziale Infrastruktur berichtete Heinz Wilhelm Schaumann Kreis Vorsitzender des Sozialverbandes VdK. „Wo führt der Landarzt Mangel und das Krankenhaussterben vor allen die kranken älteren Menschen hin. Telemedizin ist für ältere Generation kaum ein Thema. Erstens sind sie nicht so fit am Computer und zum zweiten funktioniert das Abhorchen oder die schnelle Blutuntersuchung im Labor ja auch. Aber die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu dem nächsten Hausarzt, der vielleicht 30 Kilometer weg seine Praxis hat, ist auch kaum zu schaffen. Vorausgesetzt der nimmt noch Patienten an. Wo wollen wir also in Zukunft Leben? In der Stadt mit rundum Versorgung oder im ländlichen Raum, wo vielleicht nur eine Grundversorgung vorhanden ist?“, stellte Schaumann in den Raum.

Zur Krankenhaus-Misere bezog Bernd Schiffarth, Vorsitzender des Fördervereins St. Josef Krankenhauses, Stellung. Schiffarth merkte an, dass der „gezielte Abbau“ schon im Jahre 2006 mit Schließen der Geburtenstation begonnen habe. Heute müsste eine Schwangere, die sich nach einem Unfall in einem kritischen Zustand befindet, bis Wittlich oder noch weiter transportiert werden. Nach der Übernahme des Notarztstandortes durch das DRK hält sich das Krankenhaus mit einer „schmalen ärtzlichen Besetzung“ über Wasser. Jetzt werden händeringend Chirurgen gesucht, mit eigener Praxis oder Angestellte, die jene Arbeit machen sollen, die durch das Ende der chirurgischen Abteilung nicht mehr geleistet werden kann. Und an die Marienhaus GmbH gerichtet stellte Schiffarth fest: „Hier wurde der Wasserkopf, sprich Verwaltung, aufgerüstet und das Krankenhaus abgerüstet“.

Projekt „Familiendorf“ kommt in Schuld an

Jürgen Schwarzmann Jugendpfleger und Leiter des Generationenbüros der Verbandsgemeinde stellte seine Arbeit vor. Besonders hob er das generationenübergreifende Projekt „Familiendorf“ hervor, wo nach Wershofen und Antweiler jetzt auch in Schuld das Projekt durchgeführt wurde. Es freute ihn besonders, dass sich in Wershofen einen Gruppe von 17 Personen jeglichen Alters zu einer Gruppe „Altes bewahren“ zusammengefunden hatte. Hier wurde bei einer Ausstellung in Wort und Bild einiges vorgestellt- zum Beispiel, wie es einst auf den Straßen Wershofens aussah oder was es zur Kirmes auf der Kaffeetafel gab.

Vorwürfe werden laut

In der anschließenden Fragestunde wurde es etwas lauter im Saal. Die Bürgerinitiative Adenauer Land, die einen Tag vorher in Mainz an Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler 14.700 Unterschriften von Bürgern überreicht haben, warfen dem Kreis vor, auf Zeit zu spielen. „Denn wir haben das dumpfe Gefühl, wenn es lange genug dauert, dass sich auch die Menschen in der hintersten Ecke des Landkreises irgendwann daran gewöhnt haben, ständig 40 Minuten bis ins nächste Krankenhaus zu fahren“, war ihr Argument an den Landrat gerichtet. Die Initiative zweifelte auch an, ob die Marienhaus GmbH den Sicherstellungszuschlag überhaupt bekommt, weil nicht die volle Grund- und Regelversorgung gegeben sei. Fragen über Fragen. Nur eine Frage konnte Dr. Thomas Haan beantworten: Die Praxis für Allgemeinmedizin in Schuld läuft weiter, mit Alireza Nasserabadi hat er einen Nachfolger gefunden, der die Praxis in zwei Jahren übernehmen kann. SES

Helmut Reuter Vorsitzender des Verkehrsvereins begrüßte die Podiumsteilnehmer.Foto: SES

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