Neujahrsempfang des Gewerbevereins Kempenicher Land war gut besucht

Herausforderungen des Arbeitsmarktes kreativ begegnen

21.01.2019 - 16:44

Kempenich. Mittlerweile ist es schon Tradition: Jedes Jahr im Januar lädt der Gewerbeverein Kempenicher Land e.V. seine Mitglieder und interessierte Bürgen zum Neujahrsempfang in den alten Bahnhof ein. Am Sonntag konnte der Vorsitzende Jan-Peter Kiel dort auch

2019 wieder viele Gäste begrüßen. Der Einladung gefolgt sind viele Mitglieder des Gewerbevereins, aber auch Gäste aus Wirtschaft und Politik. Darunter die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Guido Ernst und Horst Gies. Auch die örtliche Politik war vertreten. Karl –Heinz Sundheimer, der Vorsitzende der CDU-Fraktion des Kreises Ahrweiler, Jochen Seifert und natürlich Ortsbürgermeister Stefan Friedsam, der ein Grußwort an die Gäste richtete. Darin bezeichnete er den Gewerbeverein, der 2007 gegründet wurde, als Sprachrohr der Region und dankte den Mitgliedern für ihre ausgezeichnete Arbeit. Für die Verbandsgemeinde war Peter Engels als wichtiger Ansprechpartner für die lokale Wirtschaft vor Ort. VG-Bürgermeister Johannes Bell schaffte es nicht rechtzeitig, da Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Verspätung zum Neujahrsempfang der SPD Niederzissen anreiste.

In seiner Begrüßung ließ Jan-Peter Kiel das Wirtschaftsjahr 2018 noch einmal Revue passieren, bevor er das Rednerpult für den Referenten des Tages räumte: Hans Peter Pick, Unternehmer, Unternehmensberater und Buchautor. Kiel wünschte allen Anwesenden ein gutes Jahr, dankte den Unterstützern, auch dem Vorstand, für die Hilfe und kündigte für das laufende Jahr mehrere Treffen zum gemeinsamen Brainstorming an. Seine Bitte: „Ich wünsche mir, dass alle sich mit ihren Ideen einbringen“. Sein Rückblick auf 2018 fiel gemischt aus. Er skizzierte eine Weltlage, die durch Umweltprobleme, den Klimawandel und Abschottungspolitik gekennzeichnet ist. Turbulenzen allenthalben. Besonders hart betroffen von den Problemen sieht er die Autoindustrie, die Bauwirtschaft und den Bankensektor. In Deutschland kommen noch die Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise hinzu. Die Unternehmen im Brohltal und der Region seien im abgelaufenen Jahr gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Hans Peter Pick nahm den Faden, den der Gastgeber gesponnen hatte, auf. Und griff dann ein Thema auf, dass viele Arbeitgeber umtreibt: die Situation am Arbeitsmarkt und welche Auswirkungen das für Unternehmen hat.

Allen sollte, so Pick, klar sein, dass der Arbeitsmarkt leergefegt ist. In der Regel vergehen inzwischen vier Monate, bis ein Arbeitsplatz neu besetzt werden kann. Facharbeiter sind noch rarer. Auf Zuwanderung aus den Reihen der Flüchtlinge solle man sich nicht verlassen.

Jedes Jahr müssten 1 Millionen Menschen in den Arbeitsmarkt einwandern, damit die ausscheidenden

Arbeitnehmer – hauptsächlich Jahrgänge, die in die Rente gehen - ersetzt werden können. Zuzug komme derzeit hauptsächlich aus südlichen Ländern. Wer auf Facharbeiter aus Polen, Rumänien und Bulgarien hoffe, solle sich bewusst machen, dass sich in diesen Ländern die Wirtschaft sich enorm entwickelt habe und Fachkräfte nicht mehr in Massen abwandern.

Was tun? Pick riet dringend, die Veränderung von Werten in der Arbeitswelt zu akzeptieren, statt zu lamentieren. Angesichts des leergefegten Arbeitsmarkts sollten sich Arbeitgeber sich ihrerseits bemühen, Mitarbeiter zum Bleiben zu bewegen.


Kommunikation und Wertschätzung


Das erfordere es, besser zu kommunizieren, Wertschätzung zu zeigen und den Mitarbeitern ein Arbeitsfeld zur Verfügung zu stellen, in dem sie möglichst frei agieren können. Außerdem sei es wichtig, Visionen zu haben und diese als positive Ziele in der Unternehmenskultur zu vermitteln. „Nur wer begeistert ist, kann begeistern.“ Geld zwar ein wichtiges, aber nicht das wichtigste Kriterium für Zufriedenheit mit den Unternehmen. Da müsse man auch schon mal kreative Wege eingeschlagen. Eine Tendenz, die besonders in jungen Unternehmen der kreativen Wirtschaftszweige erkennbar ist.

Allerdings lassen sich auch die eher konservativen Verbände von Handel und Gewerbe einiges einfallen, wenn es darum geht, Mitarbeiter anzuwerben. Hier passte auch das Beispiel, das Stefan Friedsam anfangs präsentierte. Sein Arbeitgeber, ein regionaler Wasserversorger, schaltete keine Azubi-Stellenanzeige, sondern legte einfach der monatlichen Rechnung ein Infoblatt bei. Mit Erfolg. Pick selbst stellte eine Anzeigenkampagne aus dem Baugewerbe vor: Kombi statt Krawatte. Auch Werbung über Social Media Kanäle müsse man ins Auge fassen. Wobei kreative und humorvolle Selbstdarstellung eines Unternehmens oft mehr Erfolg bringe als eine klassische Anzeige. Oder eine kirchliche Akademie, die um Handwerker als Bauherren am Haus Gottes wirbt. Mutig. Provokativ. Kreativ Herausforderungen angehen und Lösungen entwickeln – Picks dringender Rat an die Unternehmer im alten Bahnhof. Dabei gelte es auch, das Potenzial der Generation 50+ einzubeziehen. Anders als viele Vorurteile nahelegen, sind Arbeitnehmer der Altersgruppe durchaus interessiert an Weiter- und Fortbildung. Ein interessanter Arbeitsplatz mit Gestaltungsmöglichkeiten, freie Arbeitszeiten und ein kollegiales Arbeitsverhältnis – all diese Faktoren spielen auch in diese Arbeitnehmergruppe eine wichtigere Rolle als die Bezahlung. Schließlich gab Pick den Anwesenden noch eine Erkenntnis mit auf den Weg: Kaum vorstellbar, aber viele Unternehmen sind – auch bei potenziellen Arbeitnehmern - vollkommen unbekannt. Wer weiß beispielsweise, dass Spezialrohre für die Raumstation ISS in der Hellenthal hergestellt werden? Standortwerbung kann in den Zeiten teuren Stadtlebens auch Werbung für das Land sein. Die Eifel als Standortvorteil? Warum nicht! Die Natur ist schön, das Leben entschleunigt, die Lebenshaltung günstig. Picks Anregungen kamen beim Publikum gut an. Beim anschließenden geselligen Beisammensein wurde deshalb noch lange und intensiv diskutiert. Bleibt abzuwarten, was die Unternehmer in Kempenich und im Kempenicher Land aus den interessanten Anregungen machen werden.

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