Jusos Rhein-Sieg
„Heute gilt der Fahrgast als Störfall“
Jusos und SPD diskutierten über „ticketlosen“ Nahverkehr in der Region Bonn/Rhein-Sieg
Troisdorf. Fast nichts ist so sicher wie die jährliche Fahrpreiserhöhung für Bus und Bahn. Um über eine neue Form der Finanzierung des Nahverkehrs zu diskutieren, hatten die Jusos aus dem Rhein-Sieg-Kreis und Bonn gemeinsam mit den SPD-Fraktionen in Stadtrat und Kreistag sowie der Juso-Hochschulgruppe Bonn zu einer Podiumsdiskussion geladen.
Vorbild Wien bietet Tagestickets für einen Euro
Auf dem Podium nahm der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim Platz, der für ein „Bürgerticket“ warb. Mit einem solchen Ticket könnten alle Menschen in dem entsprechenden Gebiet den Nahverkehr ohne Fahrscheine nutzen. Monheim stellte verschiedene Modelle der Finanzierung vor und empfahl, auch Unternehmen, die vom Angebot des ÖPNV profitieren, in die Finanzierung mit einzubeziehen. Dabei setzte Monheim die Hoffnung in innovative Kommunen, da Deutschland immer noch ein „Innovationsverweigerungsland“ sei. Als Beispiel führte er die Stadt Wien an, in der es ein Tagesticket für einen Euro und ein Jahresticket für 365 Euro gebe. Die Folge dieses freiwilligen Abosystems sei ein großer Anstieg der Fahrgastzahlen gewesen.
Unzeitgemäßes Nahverkehrssystem
Die planungspolitische Sprecherin der Bonner SPD-Ratsfraktion, Gabi Mayer, ergänzte, dass Deutschland ebenfalls ein „Autofahrerland“ sei. Dabei böte gerade der Ausbau des Nahverkehrs auch für die staugeplagte Region Bonn/Rhein-Sieg eine Chance.
Der Landesvorsitzende der NRWJusos, Frederick Cordes, kritisierte das jetzige Nahverkehrssystem als unzeitgemäß. Mit seinen Preisstrukturen spiegele es nicht mehr die Lebensrealität junger Menschen wieder. Für die Jusos sei Mobilität ein Grundrecht und eine solidarische Finanzierung, die Mobilität für alle ermöglicht, erstrebenswert.
Tarifdschungel lichten
Als Mitglied der Enquete-Kommission des Landtages zur Zukunft des Nahverkehrs konnte der SPD-Landtagsabgeordnete Dirk Schlömer aus erster Hand von den Diskussionen auf Landesebene berichten. Auch er wünschte sich ein Ticket, das alle anderen Tickets und Rabatte überflüssig mache und den Tarifdschungel lichte. Jedoch stünde zunächst ein Ausbau der Kapazitäten im Schienenverkehr und der Angebote auch im ländlichen Raum an.
Professor Monheim sah darin vor allem einen sich selbst verstärkenden Prozess, in dem Bürgerinnen und Bürger mehr an der Nahverkehrsplanung beteiligt werden. „Heute gilt der Fahrgast als Störfall“, stellte er provokativ fest.
Die beiden Juso-Vorsitzenden aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, Jessica Rosenthal und Mario Dahm, versprachen, das Thema weiterzuverfolgen: „Vielleicht können wir unsere Region Bonn/Rhein-Sieg zur Modellregion für einen fahrscheinlosen, solidarischen und attraktiven Nahverkehr machen. Die Bretter sind dick, aber wir bohren schon.“ Presse-
mitteilung Jusos Rhein-Sieg
Die Jusos aus dem Rhein-Sieg-Kreis und Bonn hatten gemeinsam mit den SPD-Fraktionen in Stadtrat und Kreistag sowie der Juso-Hochschulgruppe Bonn zu der Veranstaltung geladen.
