Rheinbacher Projekt „Thermographiebefliegung - Klimaschutz aus der Luft“
Instrument im Bereich der energetischen Gebäudesanierung
Rheinbacher Thermographieprojekt mit Konrad-Adenauer-Preis für hervorragende kommunale Leistungen ausgezeichnet
Rheinbach. Die Konrad Adenauer Stiftung würdigte mit dem Preis ein Pilotprojekt, das „das Potenzial hat, sich als wichtiges Instrument im Bereich der energetischen Gebäudesanierung zu etablieren“. Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz hatte die Urkunde Ende November in Chemnitz beim Kongress der kommunalpolitischen Vereinigung der CDU entgegen genommen. Eine Zwischenbilanz zogen jetzt der Bürgermeister, Rheinbachs Wirtschaftsförderer Robin Denstorff der Initiator, Martina Meyer die Vertreterin des Sponsors RWE Deutschland und Rolf Wilting Geschäftsführer der Eurosense GmbH.
Die Idee
Alle reden vom Energiesparen, jeder weiß auch in etwa, was und wo er an seinem Haus, seiner Wohnung ansetzen könnte oder müsste, allein es fehlt oft am Anlass und an Information. Das hat die Stadt Rheinbach, insbesondere die Wirtschaftsförderung der Stadt Rheinbach (WFEG), gründlich geändert.
2012 wurde die Idee einer Thermographiebefliegung in der WFEG geboren, sicherlich nicht zuletzt auch, da sich hier im Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) die Eurosense GmbH angesiedelt hatte. Die Firma beschäftigt sich mit Geoinformationssystemen, z.B. Luftbildaufnahmen. Eine lückenlose Befliegung des Stadtgebietes durchzuführen, bei der Thermographiebilder hergestellt werden, um sie dann den betroffenen Bürgern für ihr Grundstück, ihr Haus zur Verfügung zu stellen, war der Grundgedanke. Natürlich sollte das Projekt für den Bürger kostenneutral sein und den Etat nicht belasten. Ziel: Der Klimaschutz sollte zum einen für die Stadt verbessert werden, zum anderen sollten die Eigentümer Denkanstöße bekommen zur Verbesserung der Energiebilanz ihrer Immobilie und für vernünftige Maßnahmen das zu erreichen.
Die Finanzierung
Für die Finanzierung der Befliegung (Gegenwert etwa 80.000 Euro) wurde RWE als Sponsor gewonnen und für eine anschließende neutrale Beratung die Verbraucherzentrale NRW. Es gab die Möglichkeit sich allgemein bei WFEG kostenlos beraten zu lassen und / oder individuell vor Ort mit weiterführenden Messungen und Analysen, Kosten dann 30 Euro.
Das Projekt
In der Nacht vom 6. auf den 7. März 2012 wurde die Befliegung durchgeführt: Fünf Stunden lang überflog ein Spezialflugzeug in gut 1.000 Metern Höhe insgesamt eine Strecke von 320 Kilometern über das nächtliche Rheinbach und schoss dabei über 5.000 Thermographie-Bilder (Wärmebilder) des gesamten Stadtgebietes, wobei circa 65 qkm erfasst wurden.
So war es möglich, rund 8500 Eigentümern ein individuelles Anschreiben mit der thermografischen Darstellung ausschließlich seines Gebäudes zur Verfügung zu stellen. Die Gebäude waren farblich dargestellt in einem Farbspektrum von Dunkelblau über Rot bis hin zu Violett. Dabei standen die unterschiedlichen Farbdarstellungen für die jeweilige thermale Abstrahlintensität. Durch einen sogenannten Interpretationsschlüssel, der den Eigentümern zur Verfügung gestellt wurde, konnten diese ihre gebäudespezifischen Informationen erlangen.
„Als Stadt wurde uns durch das Projekt die Möglichkeit geboten, unsere Bürger aktiv mit wesentlichen und trotzdem kostenlosen Informationen über die Energie-Effizienz ihrer Gebäude zu informieren und gleichzeitig für das Thema Energieeinsparungen zu sensibilisieren“, so Robin Denstorff, Fachbereichsleiter „Stadtentwicklung, Infrastruktur, Bauen, Wirtschaftsförderung“ und Geschäftsführer der WFEG Rheinbach mbH. Bürgermeister Stefan Raetz ergänzt: „Es ging uns nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger Druck auszuüben, sondern aufzuklären und Nachdenken zu initiieren. Es muss ja nicht immer die vollständige energetische Sanierung für rund 20.000 Euro sein, es reicht oft auch schon die Kellerdecke zu isolieren oder ein undichtes Fenster abzudichten.“
Fazit
73 Hausbesitzer haben als Reaktion auf ihr Thermographiebild unmittelbar ein Beratungsgespräch mit dem Mitarbeiter der Verbraucherzentrale NRW im Büro im GTZ wahrgenommen, 105 Eigentümer ließen sich im eigenen Haus durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale Tipps geben, wie Energiekosten spürbar und dauerhaft gesenkt werden können. Insgesamt nutzten rund 200 Rheinbacher Bürger bis zum Sommer 2013 die Möglichkeit der Energieberatung. Resultat: Rund 130 Tonnen CO2 werden jährlich in Rheinbach durch bereits erfolgte oder geplante Energiespar- oder Wärmedämm-Maßnahmen an Immobilien, die durch das Projekt Thermographiebefliegung angeregt worden sind, eingespart. Und bundesweit haben Kommunen Interesse für das Rheinbacher Projekt gezeigt. Allein in NRW fanden bereits sieben Folgeprojekte statt, in Alpen, Arnsberg, Dorsten, Essen, Soest, Sonsbeck und Wesel.
