Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Unkel
Karsten Fehr ist der alte und neue Bürgermeister der Verbandsgemeinde Unkel
Der 57-jährige Jurist aus Rheinbreitbach erhielt bei einer 38,16 prozentigen Wahlbeteiligung 2.694 Stimmen
Unkel. Pünktlich um 18 Uhr verschloss Georg Walenciak am Sonntagnachmittag die Tür zum Wahllokal im Unkeler Verwaltungsgebäude und kurz danach leerten die Wahlhelfer um Reinhard Reuter dort die große Wahlurne. Das gleiche Bild in den übrigen 15 Wahllokalen in der Verbandsgemeinde, in der nur sechs Monate nach den Europa- und Kommunalwahlen die 10.182 Wahlberechtigten erneut aufgerufen waren, ihr Kreuzchen zu machen. Dieses Mal für den parteilosen Karsten Fehr oder für Holger Zeise von Bündnis 90/Die Grünen, der den amtierenden Verbandsbürgermeister ablösen wollte. Der 57-jährige Rheinbreitbacher hatte die Nachfolge von Werner Zimmermann (CDU) im April 2012 angetreten, nachdem er sich am 30. November 2011 mit 58,15 Prozent der Stimmen gegen Volker Thomalla (FWG) durchgesetzt hatte. Knapp acht Jahre später fiel das Ergebnis erheblich deutlicher aus. Genau 2.694 Wähler hatten für Karsten Fehr gestimmt, der damit 70,2 Prozent eingefahren hatte. Einziger Wermutstropfen: Nur 3.840 VG-Bürger und damit nur 38,16 Prozent der Wahlberechtigten waren dem Aufruf der drei Ortsbürgermeister und des Stadtbürgermeisters der in der VG Unkel zusammengeschlossen Kommunen gefolgt, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, um so mitzubestimmen, wer ab dem 1. April 2020 die Aufgabe übernimmt, als Leiter der Verwaltung und als Vertreter der VG eine kommunalpolitisch überaus wichtige Funktion zu übernehmen.
Im Erdgeschossflur hatte Büroleiter Jörg Harperath das Wahlstudio eingerichtet, in dem die Ergebnisse aus den je fünf Wahllokalen in Erpel, Rheinbreitbach und Unkel sowie aus dem einen im Dorfgemeinschaftshaus Bruchhausener auf einer Videowand angezeigt werden sollten. Lange bevor es soweit war, erschien der Amtsinhaber mit Ehefrau Monika in Begleitung von Tochter Eva-Maria samt Schwiegersohn und Enkel Finn sowie von Sohn Benedikt. „Nervös bin ich nicht, obwohl ich eine gewisse Grundspannung durchaus vorhanden ist“, so Karsten Fehr, bevor um 18.18 Uhr mit 65,79 Prozent das erste Ergebnis aus Heister für ihn angezeigt wurde. Dann aber ging es zunächst mit den erste Resultaten aus Erpeler – Wahllokal Mehrzweckhalle, 57,14 Prozent, Kindergarten 57,03 Prozent und Orsberg 58,96 Prozent – bergab. Grund zur Aufregung war jedoch nicht gegeben, ließ das erste Ergebnis aus Rheinbreitbach mit 83,67 Prozent das Ergebnis wieder auf insgesamt 69,3 Prozent ansteigen.
„Überaus zufriedenstellend“, so der Kommentar des 1. Kreisbeigeordneten Michael Mahlert, der mit dem Beauftragten der VG Bad Hönningen, Reiner W. Schmitz nach Unkel gereist war, ebenso wie die SPD-Ehrenkreisvorsitzende Peter Zoller. Begrüßen konnte Karsten Fehr zudem auch seinen Vorgänger Werner Zimmermann, der den Ausgang der Wahl „live“ miterleben wollte. „Das sieht ja schon ziemlich eindeutig aus. Richtig spannend kann es bei diesem Zwischenergebnisse nicht mehr werden. Aber immerhin spannender, als wenn es keinen Gegenkandidat geben würde“, erklärte Holger Zeise, als er gegen 18.25 Uhr im Verwaltungsgebäude eintraf. Er habe seine Stimme per Briefwahl abgegeben, um sich am Sonntag ganz der Familie widmen zu können.
Holger Zeise mit Ergebnis zufrieden
„Sagen wir schon mal herzlichen Glückwunsch“, gratulierte er Karsten Fehr, dessen Miene sich sichtlich entspannt hatte, als für ihn gegen 18.30 Uhr satte 72 Prozent zu Buche schlugen, nachdem 13 von 16 Urnen ausgezählt worden waren und sein Sieg des 47-jährigen Juristen aus Scheuren endgültig ins Reich der Utopie gerückt war. Mit einem „Heimspiel“ hatte der zehn Jahre ältere Jurist aus Rheinbreitbach den Wahlsieg erheblich deutlicher ausfallen lassen als 2011. Nur 276 seiner wahlberechtigte Mitbewohner hatten für den Herausforderer gestimmt, so dass Karsten Fehr in Rheinbreitbach 79,66 Prozent eingefahren hatte. Andererseits hatten in Scheuren, dem Wohnort von Holger Zeise, nur 25,95 Prozent für den Grünen gestimmt. Auch wenn dessen Partei in Erpel kommunalpolitisch keine Rolle spielt, hat er dort 38,57 Prozent sein bestes Ergebnis erzielt, das in der Alten und Freien Herrlichkeit an der Ley noch positiver ausgefallen wäre, wenn Karsten Fehr im Ortskern nicht 67,21 Prozent der Stimmen erhalten hätte.
„So richtig als Verlierer fühle ich mich gar nicht. Immerhin wurde Karsten Fehr als Parteiloser ja von CDU, SPD und UWG unterstützt, während für mich nur meine Parteifreunde geworben haben. Da sind fast 30 Prozent ja schon ein gutes Ergebnis“, erklärte Holger Zeise, nachdem das vorläufige Endergebnis mit 70,156 Prozent für den alten und neuen Verbandsbürgermeister gegen 18.45 Uhr feststand. Geändert haben wird sich daran höchstens marginal noch etwas, wenn der Wahlausschuss um Wahlleiter Jörg Scheinpflug am Dienstagnachmittag um 18 Uhr in öffentlicher Sitzung im kleinen Sitzungsraum des Verwaltungsgebäudes das offizielle Wahlergebnis bekannt geben wird. „Bei der Wahl vor acht Jahren habe ich er mit der Schnapszahl von 2.222 Stimmen gewonnen, dieses Mal sind es immerhin 2.694 Wähler gewesen, die dafür votiert haben, dass ich im Amt bleibe“, erklärte der Wahlsieger nach der Gratulation der zahlreichen Anwesenden. Er sei richtig stolz angesichts dieses Ergebnisses, das er nicht zuletzt seinen Mitarbeitern in der Verwaltung verdanke, die durch ihre engagierte Arbeit seine besten Wahlhelfer gewesen seien.
Sein Dank gelte seiner Frau und der ganzen Familie, seinem Herausforderer für einen sehr fairen Wahlkampf, vor allem aber den Bürgern der VG, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten. „Ich freue mich auf weitere acht Jahre, in denen ich alles daran setzen werde, die VG Unkel weiter voranzubringen“, versprach er. DL
Unterschiedliche Gemütslagen spiegelten die Gesichter der Kandidaten zur Halbzeit der Auszählung wider.
Georg Walenciak und Reinhard Reuter leerten unmittelbar nach 18 Uhr die Wahlurne im Foyer des Verwaltungsgebäudes.
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