Güterverkehr im Rheintal: Grünen-MdL Daniel Köbler für parallele Untersuchung von Tunnellösung und Neubautrasse
Klare Ziele sind völlige Barrierefreiheit und eine Elektrifizierung
Grünen-MdL Daniel Köbler informierte sich am DB-Haltepunkt Ahrweiler-Markt
Ahrweiler. Erneut kümmern sich die Kreis-Grünen um aktuelle Bahnthemen: Vor Ort erläuterten jetzt bei einem Pressetermin Kreis-Sprecher Christoph Scheuer, Kreistagsmitglied Wolfgang Schlagwein sowie Grünen-MdL Daniel Köbler zunächst die Problematik der nicht gegebenen Barrierefreiheit am Haltepunkt Ahrweiler-Markt. Christoph Scheuer führte aus, dass man auf eine vollkommene Barrierefreiheit hier nicht verzichten könne. Ebenfalls einsetzen wollen sich Bündnis 90/Die Grünen für eine zeitnahe Elektrifizierung der Ahrtalbahn. Sonst drohe ihr als einzig verbleibende Dieselstrecke innerhalb des „Großen Kölner Dieselnetzes“ Ungemach, weil die dann vollständig elektrifizierten Züge aus dem Großraum Köln/Bonn nicht mehr die Ahrtalbahn befahren könnten.
Auch der Ahrweiler Ortsvorsteher und künftige hauptamtliche erste Beigeordnete der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Peter Diewald, war der Grünen-Einladung gefolgt. Er teilt deren Forderung nach einem vollständig barrierefreien Haltepunkt. Der DB-Haltpunkt Ahrweiler-Markt habe schließlich eine hohe Frequenz und Bedeutung für alle Nutzergruppen: Pendler, Schüler, Touristen sowie alle übrigen Bahnbenutzer gleichermaßen. Daher sollen auch Gespräche mit den Eigentümern der anliegenden Grundstücke für eine neue Zuwegung – über Ankauf oder ein Wegerecht – geführt werden. Die derzeitige Topografie lässt eine solche Lösung eher nicht zu. Nach einem Ortstermin vor einem halben Jahr, an dem auch der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Matthias Rösch, teilnahm, hatten die Kreisgrünen den Rheinland-Pfälzischen Verkehrsminister Dr. Volker Wissing wegen dieser Problematik angeschrieben. Der teilte nun mit, dass die Bahnsteige bis zur Landesgartenschau im Jahr 2022 erhöht werden sollen und damit ein barrierefreies Ein- und Aussteigen möglich sei. Wegen einer vollständigen Barrierefreiheit hingegen suche man weiterhin nach Lösungsansätzen. Daher hakten die Grünen dann auch mit diesem Ortstermin nach und fordern eine vollständige Barrierefreiheit am DB-Haltepunkt Ahrweiler-Markt.
Problematik bekannt
Vor allem aus diesem Grunde war auch Grünen-MdL Daniel Köbler nach Ahrweiler gekommen. Ihm war diese Problematik bekannt, insbesondere in Anbetracht der nahenden Landesgartenschau. „Hierzu muss jetzt wirklich dringend etwas passieren,“ erwartet er unmissverständlich eine „generell barrierefreie Dauerlösung.“ Auch die Elektrifizierung der Ahrtalbahn hat für Köbler eine hohe Priorität. Er möchte dafür sorgen, „dass auch die Ahrtalbahn bei künftigen Presseveröffentlichungen zu diesem Thema aufgeführt ist.“ Wegen der zunehmenden Lärmproblematik auf der hoch belasteten Rheinschiene, vor allem durch den Güterverkehr, unterstützt Daniel Köbler parallele Untersuchungen sowohl für eine Tunnellösung als auch eine Alternativstrecke. Unstrittig ist, dass die Grünen ansonsten grundsätzlich eine Verlagerung von Gütertransporten auf die Bahn unterstützen. Auch für den auch überregional anerkannten Grünen-ÖPNV-Kenner Wolfgang Schlagwein ist eine Elektrifizierung der Ahrtalbahn unerlässlich. Über Hybridlösungen zwischen Dernau und Ahrbrück könne man jedoch nachdenken – wenn die Technik dies hergebe. In jedem Fall ist für ihn die Beibehaltung der bisherigen Takte auf der Ahrtalbahn (RB 30 und RB 39) alternativlos. Schlagwein könnte sich sogar vorstellen, dass die Tans-Regio-Züge, die derzeit im Bahnhof Remagen noch Standzeiten haben, ab Dernau und damit durchgehend bis Köln verkehren könnten. Zudem hätten elektrifizierte Züge eine höhere Leistungsfähigkeit (Beschleunigung und Tempo), was auch auf die Trassenbelegung positive Auswirkungen hätte. Hier herrschte bei allen Beteiligten an dem Ortstermin eine hohe Übereinstimmung. Allerdings ergänzte Schlagwein mit Blick in die Zukunft: Der Vertrag über das sogenannte „Große Kölner Dieselnetz“ endet im Jahr 2033. Und wegen der langen Vorlaufzeiten (Anm. d. Red.: Planung, Abstimmung mit Eisenbahnbundesamt, Ausschreibung sowie bauliche Umsetzung) müssten die Ausschreibungen und so weiter dann bis zum Jahr 2028 stehen. Und dieser Termin ist gar nicht mehr so weit, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Um Fahrplan-Verschiebungen durch Zugverspätungen auf der Ahrtalbahn im Laufe des Tages besser puffern und ausgleichen zu können, wollen sich Schlagwein und Scheuer schließlich auch dafür einsetzen, dass das vor einigen Jahren ohne Not entfernte zweite Gleis am Bahnhof Walporzheim wieder zurückkommt.
Ein- und Ausstieg sind viel zu hoch, sind sich Daniel Köbler und Christoph Scheuer (re.) einig. Fotos: WITE
