Bürgerinitiative Stadtgrün-Lützel, „ja nur mit uns“
Kleingärten in Lützel erhalten
Pläne der Stadt für die Umgestaltung der Gärten am Schartwiesenweg sorgen für Unmut
Lützel. Koblenz ist mit Ausnahme des Stadtwaldes, der Moselhänge, der Rheinanlagen und des Hauptfriedhofes und Moselweißer Hangs nicht gerade reich an urbanem Grün. Insofern spielen gerade die privaten Gärten und Kleingartenanlagen eine unverzichtbare Rolle für das städtische Klima, für die Vernetzung der Biodiversität und für die Gesundheit der Bevölkerung. Insbesondere das Grün in den Stadtteilen, wo zumeist nicht die reichen Bürger*innen leben, müssen besonders geschützt werden. Kleingärten sind für sie ein wichtiger Freizeit- und Erholungsraum. In Lützel sollen nun Grün- und Freizeitanlagen neugestaltet werden, aber dort ist jetzt ein Konflikt mit betroffenen Gärtnern und Anwohnern entstanden.
Das Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ und Ziel der Verbesserung des Stadtklimas in Lützel
Gemäß der Unterrichtungsvorlage UV/0125/2020 des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung liegen die Schwerpunkte des Förderprogrammes bei „Herstellung, Weiterentwicklung oder Qualifizierung von Grünflächen und begrünten Freiflächen sowie Grünvernetzung und Umweltgerechtigkeit“. Fördervoraussetzungen sind notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz bzw. zur Anpassung an den Klimawandel. Ein Teilziel sieht vor, das Stadtklima in Lützel zu verbessern – was die Bürgerinitiative Stadtgrün-Lützel, „ja nur mit uns“ stadtklimatologisch interpretiert. Beidem werden die in den Projektwerkstätten - im April 2022 den Bürgern vorgestellten Planungsvorschläge im Bereich Schartwiesenweg nicht gerecht.
Projektvorschläge zum Bereich Schartwiesenweg werden kritisch gesehen
Die Verwirklichung der Projektvorhaben („Park“, Sporteinrichtungen wie Beachvolleyballplätze) bedeuten die Zerstörung eines sehr lange bestehenden Kleingartengeländes im Hochwassergebiet am Campingplatz mit altem Baumbestand, z.T. alten Sorten regionaler Obstbäume, Nutz- und Zierpflanzen, Naherholungs- und Bildungsfunktionen für nachhaltige Stadt- und Umweltentwicklung. Biodiversität (mit zahlreichen, in einer künstlich gestalteten Park- und Sportanlage nicht wieder anzutreffenden Tier- und Pflanzenarten) ginge unwiederbringlich verloren. Die Böden würden versiegelt und/oder verdichtet. Das schon vorhandene, stadtklimatisch bedeutsame Grün und die so wichtige Frischluftschneise würden geopfert, dabei sind sie gerade im immer spürbareren Klimawandel unverzichtbar – wie alle es zuletzt im Dürresommer 2022 erleben konnten.
Umweltbildung und Selbstversorgung von Familien nicht mehr möglich
Eine Parzelle z.B., seit mehr als 60 Jahren in Familienbesitz und derzeit in dritter Generation ökologisch mit regionalen Nutzpflanzensorten bewirtschaftet, leistete seit 2016 auch einen Beitrag zur nachhaltigen Bildung Koblenzer Schüler: Angehende GärtnerInnen der Julius-Wegeler-Schule erprobten hier mit ihren Fachlehrern den Obstbaumschnitt, SchülerInnen des Max-von-Laue-Gymnasiums, die auf ihrem Schulgelände leider keinen Raum für einen Schulgarten finden, führten hier ihre praktischen Arbeiten der Garten-AG durch oder ließen – vor den coronabedingten Absagen – Projekte stattfinden, z.B. im Sommer 2017 zu invasiven Pflanzen. Während bundesweit seit einigen Jahren Kleingärten vor allem für junge Familien stark nachgefragt werden und zudem die Selbstversorgung mit eigenem Gemüse und Obst spätestens durch Covid-19 immer bedeutender wird, soll in Lützel ein über Jahrzehnte gewachsenes Kleingartengebiet einem stadtklimatisch bedenklichen und nicht nachhaltigen Park- und Sportgelände geopfert werden. Der Corona-Lockdown war für die Gartennutzer vielfach nur durch den Aufenthalt im Garten erträglich, eine solche Qualität für Umwelt und Nutzer kann eine Park- und Sportanlage nicht bieten.
Gefahr der Vermüllung
Ob die Identifizierung der Lützeler Bürger mit ihrem Quartier durch die bisher vorgeschlagenen Vorhaben besser gelingen kann, wenn statt Kleingärten Alkohol- und Drogenkonsum in der Parkanlage, Hundekot und Glasscherben die Nutzungsmöglichkeiten trüben? Vandalismus, Einbrüche, Müll jeglicher Art, Scherben von Bier- und Schnapsflaschen hinter der Hochwassermauer, Hundekot werden vor und in den Gärten bisher von den Pächtern und Eigentümern erduldet bzw. entsorgt. Dazu findet man im vorgestellten Projektvorhaben jedoch nichts. Stattdessen sind weitere Gebäude und vor allem Parkplätze vorgesehen, die den wertvollen Auenboden versiegeln.
Vorschläge der Bürgerinitiative
Die Bürgerinitiative Stadtgrün Lützel „ja nur mit uns“ wurde am 3. August 2020 gegründet und setzt sich für den Erhalt der Kleingärten und der Biodiversität der dort gewachsenen Flora und Fauna ein. Sie befürwortet auch infrastrukturelle Verbesserungen für die Lützeler: breitere, beleuchtete Fußwege zum Rhein und einen Biergarten an der Ecke Schartwiesenweg/Neuendorferstraße. Da dort die Wasser- und Stromversorgung schon vorliegt, könnte hier relativ kurzfristig ein attraktiver Freizeitort für die Stadtteilbewohner und eine Rastmöglichkeit für die Radfahrer auf der hier vorbeiführenden EuroVeloRoute 15 (Rheinradweg) geschaffen werden.
Pressemitteilung der
Bürgerinitiative Stadtgrün-Lützel, „ja nur mit uns“
