Politik | 01.08.2025

Landrat Hallerbach wertet Information als irreführend

Landes-Finanzpaket hält der Wirklichkeit nicht stand

Kreis Neuwied. „Auf den ersten Blick liest sich die Nachricht von einem 600-Millionen-Sofortprogramm gut, doch beim näheren Hinsehen entpuppt sich das Finanz-Paket dann immer mehr als Scheinpackung“. Was Landrat Achim Hallerbach anspricht, bezieht sich auf jüngste Verlautbarungen zu einer vermeintlich äußerst großzügigen Unterstützung der Landesregierung zugunsten der Kommunen.

Hält die vermeintlich „sehr gute Nachricht für den Kreis Neuwied, von der die SPD-Landtagsabgeordnete Lana Horstmann spricht, denn einer Prüfung durch die Wirklichkeit stand? Zweifel an dem Programm, das dabei hilft, „unsere Kommune zukunftsfest aufzustellen“ und dass der Umsetzung wichtiger Projekte vor Ort „ganz unbürokratisch und nah dran an den Bedürfnissen der Menschen" dienen soll, wie es heißt, sind angebracht.

In der Tat hat die Pressemitteilung der SPD-Landtagsabgeordneten Lana Horstmann Irritationen in der Bevölkerung verursacht, die auch bei Landrat Achim Hallerbach angekommen sind: „Der Landtags-Wahlkampf scheint begonnen zu haben. Im Grunde genommen wird hier zumindest auf den ersten Blick der Eindruck erweckt, dass der Landkreis Neuwied seitens des Landes Rheinland-Pfalz eine finanzielle Unterstützung von 600 Millionen Euro erhält. Hier bedarf es wegen zahlreicher Rückfragen einer Klarstellung“, stellt der Landrat fest.

Gemäß Faktenlage beabsichtigt die Landesregierung, eine Summe von 600 Millionen Euro nämlich allen Kommunen in Rheinland-Pfalz zur Verfügung zu stellen. Diese 600 Millionen verteilen sich allerdings auf zwei Jahre, also auf 2025 und 2026.

Da zwischen dem Land und den Kommunalen Spitzenverbänden noch keine Verteilungsregelungen vereinbart sind, kann momentan nur spekuliert werden, wieviel der 300 Millionen Euro auch im Kreis Neuwied ankommen werden.

Geht man von 50 Prozent der 300 Millionen für die 24 Landkreise in Rheinland-Pfalz aus, könnten im Landkreis Neuwied vielleicht Mittel zwischen 7 oder 9 Millionen ankommen. Wahrscheinlich wird sich die Verteilung an einem Verteilungsschlüssel aus dem Kommunalen Finanzausgleich orientieren. Da dieser Schlüssel aber noch nicht bekannt ist, kann man auch zum jetzigen Zeitpunkt keine genauen Zahlen berechnen.

Der Haushaltsplan 2025 des Landkreises konnte in der Planung zwar noch knapp ausgeglichen gestaltet werden. Allerdings zeigen erste Ist-Zahlen des Jahres 2024 und auch der aktuelle Vollzug des Plans, dass der Haushalt vorrausichtlich ins Negative kippt. Stark gestiegenen Kosten in den Bereichen Bundesteilhabegesetz, Sozialhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Flüchtlingsunterbringung sowie ÖPNV, können schnell ein Haushaltsloch von 8 bis 11 Millionen entstehen lassen. Erst im letzten Jahr musste der Landkreis Neuwied anders als noch ursprünglich geplant über 4,7 Millionen Euro zusätzlich alleine für die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes bereitstellen und aus der Rücklage entnehmen - und dafür gab es auch keinen Ausgleich.

Fakt ist also, dass mit dem Sofortprogramm der Landesregierung keine neuen Projekte auf den Weg gebracht werden können, sondern diese für den Haushaltsausgleich eingesetzt werden müssen. Ansonsten müsste die Kreisumlage, also die finanzielle Beteiligung der Gemeinden und Verbandsgemeinden, erhöht werden.

Dass diese zusätzlichen Finanzmittel in neue Projekte fließen sollen, ist nach Ansicht des Landrats Wunschdenken: „In der Regel sind bei solchen Maßnahmen auch kommunale Eigenanteile einzubringen und genau diese freien Finanzmittel haben die Kommunen nicht mehr. Die Kommunalaufsicht müsste dann bei der nächsten Haushaltsgenehmigung darauf drängen, diese fehlenden Eigenmittel über Anhebung der Steuern vor Ort zu decken oder die Projekte gänzlich zu streichen“, weist Landrat Achim Hallerbach auf das berühmte „Kleingedruckte“ hin. Weitere Steuerhöhungen seien aber nicht mehr vertretbar, denn da entstehe der steuerliche „Erdrosselungseffekt“ bei den Kommunen: „Das Drehen der Schuldenspirale muss dringend unterbrochen werden, nicht das weitere Befeuern.“

An eben diesem Punkt hakt es: Ein solches Sofortprogramm mag auf den ersten Blick lobenswert und auch werbewirksam sein, es ist aber keine nachhaltige Lösung für die permanente, strukturelle Unterfinanzierung der kommunalen Haushalte. „Damit wird nicht die Finanznot der Kommunen gelöst. Es ist mal wieder der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Was wir jetzt dringend brauchen, - und das fordern wir schon seit Jahren und war auch immer die Basis für Finanzklagen gegen das Land -, ist eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen.

Die Basis braucht das notwendige Geld um ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen, wir müssen dringend über Standardanpassungen auf Bundes, Landes und kommunaler Ebene in allen Bereichen reden. Hier brauchen wir eine ehrliche Aufgabenkritik und eine ehrliche Diskussion über das, was wir uns noch leisten können“, betont Landrat Achim Hallerbach.

Selbst die bisherigen, durchaus gut gemeinten, Entschuldungsprogramme des Landes Rheinland-Pfalz, wie KEF und PEK, hätten gezeigt, dass deren Effekte nach kurzer Zeit verpuffen. De Facto haben sie in keiner Weise die strukturellen Finanzprobleme und Ausgabensituationen verändert.

Wenn man sich die Steuerentwicklung, die wirtschaftliche Entwicklung und dann die Ausgaben anschaue, dann erkenne man relativ schnell, dass es ein Ausgabenproblem gebe, dies müsse gelöst werden, bringt der Kreis-Chef das traurige Finanz-Szenario auf den Punkt. „Alles auf Pump und Kredite aufzubauen, gerade im Leistungs- und Konsumbereich, hat fatale Folgen für die nächste Generation. Irgendwann sind auch die letzten Kühe ausgemolken und brechen im Stall zusammen,“ beschreibt der Landrat das Szenario und setzt abschließend die Zahlen ins Verhältnis: In diesem Jahr werde eine Verschuldung der Landkreise, Städte und kreisangehörigen Städte von 1 Milliarde Euro erwartet – ohne die Gemeinden und Verbandsgemeinden! Und dem gegenüber stehen 300 Millionen Euro in 2025.

„Ich glaube, alleine diese Gegenüberstellung nüchterner Zahlen hat viel Aussagekraft, was die zu erwartende Wirkung dieses Sofortprogramms betrifft“, schließt Landrat Achim Hallerbach seine Einordnung. Die Kommunen haben keine Almosen verdient und müssen aus dem Bettler-Status raus. Das Geld werde in der Kommunalen Familie erarbeitet und müsse auch wieder dorthin zurück.

Pressemitteilung Kreisverwaltung Neuwied

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Bahnhof Engers wird barrierefrei

  • Gitta Meyer: Und wenn nur 2 ode 3 Menschen leicht an dem Zug ran und reinkommt ist es das wert. Ich habe einen Mann ,der behindert ist,und im Rollstuhl sitzt. Da sind mir die Mäuse egal. Es kann sich keiner vorstellen ,wenn.man nicht selbst betroffen ist.
  • Hildegard DÖTSCH : Wurde im Vorfeld geprüft, wieviel beeinträchtige Menschen täglich den Bahnhof/ die Züge nutzen würden/wollen? Die Rodung bringt eine Vielzahl an Vögel, die in den Birken lebten in Bedrängnis. Auch Kleintiere, Eidechsen, Mäuse etc.

Neuwied: Gesunde Bäume sollen gefällt werden

  • Inge: Unmöglich das so was in der heutigen Zeit in der das Thema Umweltschutz, Kimaschutz, Artenschutz ect. angeblich so groß geschrieben wird .Die Begründungen die Bäume zu fällen sind so was von daneben und anders zu klären.
  • Sandra Schneider: Das sehe ich auch so, das macht den Ychulhof auch nicht größer. Es wäre sehr schade um die alten Bäume.
  • Sven : Typisch Neuwied alte Bäume fällen un kleine neu pflanzen. Lastt die alten großen stehen.

Initiative "Rettet die Alte Post" in Rheinbach

  • Lukas Wegberg: Drin war ich noch nie, aber der Außenbereich dieses Etablissements ist nebst Bahnhof der einzige unästhetische Fleck in der gesamten Stadt, der mir spontan einfällt. Dass die Kneipe nun einer anderen...
DA bis auf Widerruf
Lernfux
Schnitzelbuffet MK
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Imageanzeige - Dauerauftrag
Stellenanzeige Klimaschutzmanager
Empfohlene Artikel

Kreis Ahrweiler. Der Kreisverband Die Linke Ahrweiler lädt am 7. März 2026 zu einem besonderen Format ein: Unter dem Titel „Feministisches Frauen*frühstück“ laden Marion Morassi, Direktkandidatin für den Wahlkreis 14, und Ersatzkandidatin Jana Ockenfels zum gemeinsamen Austausch ein. Von 10:30 bis 13:00 Uhr bietet das Café Kleine Auszeit (Am Markt 15, Adenau) den Rahmen für politische Diskussionen in entspannter Atmosphäre.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Medizin trifft Musik“ – Veranstaltung bietet Aufklärung, Austausch und Unterstützung zu einer der häufigsten Krebsformen in Deutschland

Gesundheitsamt Mayen-Koblenz lädt zu Info-Veranstaltung zum Thema Darmkrebs

Kreis MYK. Darmkrebs zählt zu den drei häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. In rund 30 Prozent der Fälle liegt eine familiäre oder erbliche Vorbelastung vor – häufig, ohne dass Betroffene davon wissen. Gleichzeitig gehört Darmkrebs zu den am besten erforschten Krebsarten, sodass Prävention, Früherkennung und moderne Therapien heute besonders wirkungsvoll sind. Passend zum Darmkrebsmonat März...

Weiterlesen

Rheinbach. Ausgelassene Stimmung, kreative Beiträge und ein großartiges Gemeinschaftsgefühl prägten die diesjährige Karnevalsfeier an der Gesamtschule Rheinbach. An Weiberfastnacht verwandelte sich die Schule in eine farbenfrohe Bühne voller Musik, Tanz und guter Laune. Die Veranstaltung erwies sich erneut als voller Erfolg und bestätigte ihren besonderen Stellenwert im Schulleben.

Weiterlesen

Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Imageanzeige
Image Anzeige
Dienstleistungen
Wir helfen im Trauerfall
Dauerauftrag Imageanzeige
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Umwelttechnologe
Veilchendienstag & Aschermittwoch - Heringsessen
Wir helfen im Trauerfall
Titelanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Stellenanzeige Produktionsmitarbeiter
Stellenanzeige Disponent
Stellenanzeige SHK-Anlagenmechaniker u. Kundendienstmonteur
Audi
Stellenanzeige - diverse Bereiche