Politik | 26.02.2018

Landesumweltministerin Ulrike Höfken zu Gast auf der Generalversammlung des Kreisbauernverbandes Mayen-Koblenz

Landwirtschaft und Umweltschutz: Verständnis für gegenseitige Interesse wächst

Welling. Als Schwerpunktthema der diesjährigen Generalversammlung des Kreisverbandes Mayen-Koblenz im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., die jetzt in Welling stattfand, war das Zusammenspiel zwischen der (konventionellen) Landwirtschaft und dem Natur- und Umweltschutz gewählt worden. Hauptgastrednerin vor rund 140 Teilnehmern war hierzu die Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken. Neben den Verbandsmitgliedern verfolgten zahlreiche geladene Politikvertreter und Partner der Landwirtschaft aus der Region den Ausführungen der Ministerin und beteiligten sich anschließend an der lebhaften Diskussion. Deutlich wurde dabei, dass zwar alle Beteiligte den Preisdruck als größte Herausforderung für die Landwirtschaft sehen, die Maßnahmenansätze, sich diesem zu stellen, jedoch unterschiedlich ausfallen.

Der Kreisverbandsvorsitzende Tobias Fuchs rekapitulierte zum Auftakt der Veranstaltung als Gastgeber, wie sich das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Umweltschutzinteressen in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hätte. Der Wettlauf um die höchste Flächenproduktivität sei Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ins Stocken geraten, als die Agrarpreise fielen und sich der Einsatz des letzten Kilogramms Dünger oder die letzte Pflanzenschutzmaßnahme mit einem Mal nicht mehr gelohnt hätten. Ebenso seien erste Umweltprobleme aufgetreten, wie beispielsweise hohe Nährstoffeinträge in Gewässer. Die heimische konventionelle Landwirtschaft justiere sich seitdem ständig neu in einem Spagat einerseits möglichst hohe Erträge zu erzielen und dabei gleichzeitig Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. „Heute sehe ich unsere konventionelle Landwirtschaft, die hier bei uns im Land immer noch von bäuerlichen Familienbetrieben geführt wird, gut aufgestellt, um Umweltschutz und hohe Flächenproduktivität zu vereinen“, machte Tobias Fuchs deutlich. „Bodenschonende Technik, präzises Ausbringen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, eine gesunde Fruchtfolge sowie das ständige Überdenken des eigenen Handels, auch in puncto welche Auswirkungen hat mein „Tun“ auf die Umwelt, ist so ausgeprägt wie nie zuvor“, skizzierte der Vorsitzende die Haltung der aus seiner Sicht überwiegenden Mehrzahl der heutigen Betriebsleiter.

Verärgerung über Pauschalkritiken

Auch die bereits erfolgten hohen Investitionen für Tierwohlmaßnahmen in konventionellen Ställen unterstrichen die Bemühungen der Nutztierhalter, gesellschaftlichen Forderungen nachzukommen und ihren Tieren gute Haltungsbedingungen zu bieten, hob Fuchs hervor. Umso mehr sei er über Pauschalkritiken verärgert, gerade auch von politischer Seite, die sich permanent wiederholten und eine Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft forderten:

„Ich finde es gut, wenn Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt und damit für sich einen Markt erschlossen haben, in dem eine höhere Wertschöpfung möglich ist. Ich bin aber zugleich der Meinung, dass die konventionelle Landwirtschaft nach wie vor den größten Teil der Nachfrage durch den Verbraucher bedienen wird. Und deshalb macht es keinen Sinn, diese ständig in Misskredit zu versetzen.“ Landesumweltministerin Ulrike Höfken konnte die Positionen des Kreisvorsitzenden in Teilen nachvollziehen. Sie selbst sei in der Vergangenheit praktizierende Landwirtin gewesen und habe den Familienbetrieb in der Eifel in dieser Zeit von der konventionellen auf die ökologische Bewirtschaftungsweise umgestellt. Als Hauptproblem, insbesondere für die konventionelle Produktionsrichtung, machte die Ministerin die momentane Erzeugerpreispolitik und deren Druck auf die Landwirtschaft aus. Allgemein würden Preisdruckentwicklungen aber die ökologische genauso wie die konventionelle Landwirtschaft bedrohen. Mit Blick auf die sich anbahnende Neuauflage der großen Koalition auf Bundesebene verwies sie auf das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel, im Ökologischen Landbau einen Flächenanteil von 20 Prozent an der Gesamtfläche bis zum Jahr 2030 zu erreichen und konstatierte: „Das finde ich gut. Was im Koalitionsvertrag steht, muss nun zum Leben erweckt werden.“ Dabei bezog sich die Grünen- Politikerin auch auf den ebenfalls geplanten mehrstufigen Aufbau einer Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung in Form eines staatlichen Tierwohllabels. Bereits jetzt habe aber schon in Teilen der Lebensmitteleinzelhandel auf die Forderungen der Gesellschaft an eine tiergerechtere Produktion reagiert und plane zeitnah für Fleisch ein mehrstufiges Labelsystem einzurichten, bei dem unterschiedliche Haltungsmethoden für Nutztiere dem Verbraucher auf den Verkaufsverpackungen angezeigt würden. Die Umweltministerin bewertete auch dies positiv und stellte in diesem Zusammenhang fest: „Die Wirtschaft überholt die Politik und damit auch die Landwirtschaft“.

„Aktion Blau Plus“

Bei dem Thema Gewässerschutz verwies Ulrike Höfken unter anderem auf die „Aktion Blau Plus“, ein Aktionsprogramm des Landesumweltministeriums, welches seit 1995 erfolgreich die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen fördere. Die Ministerin betonte, dass die Landesregierung allgemein versuche, den Gewässerschutz gezielt in Einklang mit der Landwirtschaft zu bringen und sieht eine positive Entwicklung sowie Akzeptanz bei den angebotenen Programmmaßnahmen nebst einer angepassten Beratung: „Wir sind an gemeinsamen Lösungen interessiert. Das Verständnis für gegenseitige Interessen wächst“. Um die biologische Vielfalt in Rheinland-Pfalz zu fördern und verschiedene Elemente des Naturschutzes zu bündeln, sei im vergangenen Jahr die Dachmarke „Aktion Grün“ vom Landesministerium ins Leben gerufen worden. Die Ministerin sieht hierin auch die Chance für Landwirte sich mit anderen Akteuren zu diesem Thema zu vernetzen.

Viele Betriebe in Rheinland-Pfalz betrieben bereits Vertragsnaturschutz. Mittlerweile beteiligten sich darüber hinaus rund 180 Betriebe in dem Landesprogramm „Partner im Naturschutz“, bei dem der Naturschutz in die Betriebsentwicklung integriert werde, stellte Höfken fest. Mit Blick auf die wachsende Zahl an Betrieben, die in Rheinland-Pfalz auf ökologische Landwirtschaft umstellten, betonte die Ministerin, dass dies keinesfalls sogenannte „Mitnahmebetriebe“ seien, sondern Bäuerinnen und Bauern, die feststellbar für die alternative Produktionsweise ihr Interesse zeigten. In seinem Grußwort hatte zuvor der Präsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., Michael Horper die Befürchtung geäußert, dass mitunter Betriebsumstellungen auf eine ökologische Bewirtschaftung unter der Motivation stattfänden, vor der Betriebsaufgabe hinsichtlich lukrativer Fördergelder noch einen Mitnahmeeffekt zu erzielen: „Der ,goldene Mulcher‘ darf nicht zum Einsatz kommen!“ Gleichwohl stellte der vorderste Verbandsvertreter klar: „Wir haben nichts gegen den ökologischen Landbau. Es muss ein kollegiales Miteinander sein.“ Laut Horper sei zudem wichtig, dass die Verhandlungen auf EU-Ebene zur Ausgestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum von 2020 bis 2027 im Zeichen einer Stärkung der Tierhalter stehen sollten.

Seine Forderung lautet, dass die auf den Einzelbetrieb bezogenen ersten Hektare gut gestärkt werden müssten. Innerhalb des Verbandes werde deshalb auch intensiv über die Themen Degression und Kappung in der Agrarförderung diskutiert. Ein Ziel der künftigen Agrarpolitik solle sein, der Landwirtschaft insgesamt den Rücken zu stärken, damit die jungen Leute dieser nicht davon liefen. Der Kreisvorsitzende Tobias Fuchs schloss die Veranstaltung mit einem Appell: „Ich werbe hiermit für ein faires Miteinander und eine Anerkennung der konventionellen Landwirtschaft als wichtigste Säule unserer Ernährung.“

Pressemitteilung Bauern- und

Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., Kreisverband Mayen-Koblenz

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