Die Vergangenheit ist auch Auftrag für die Gegenwart und Zukunft - auch in Rheinbach
„Lasst so etwas nie, nie wieder geschehen!“
Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus
Rheinbach. Am zentralen Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, gedachte auch die Stadt Rheinbach mit einer Gedenkveranstaltung im Foyer des Rathauses der unschuldigen Opfer der Nazibarbarei. Vor 70 Jahren wurde das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit, Anlass genug, den 27. Januar als Tag des Erinnerns an die Gräueltaten einer unmenschlichen Diktatur zu begehen. Auf Initiative der Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager wird dieser Tag jährlich in Rheinbach öffentlich begangen. Zur Gedenkveranstaltung waren zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens, der Politik, der Schulen, der Kirchen und Vereine anwesend. Sie machten deutlich, dass die Millionen Opfer des Nationalsozialismus nie vergessen werden. Alexandra Schäfers und Thomas Michels eröffneten die Veranstaltung mit Franz Schuberts „Sonatinen für Geige und Klavier, die Nr. 1 – Allegro molto“. Ilka von Boeselager, MdL, bedankte sich in ihrer Ansprache zunächst für das zahlreiche Erscheinen der Teilnehmer. Sie erinnerte, dass durch den Holocaust – die Schoah – mehr als sechs Millionen Menschen zu Tode gekommen sind. Allein in Auschwitz fanden 1,1 Millionen Menschen den Tod, darunter mindestens 900.000 Juden.
Gedenken den Andersdenkenden
Das Gedenken galt an diesem Tag auch den Sinti und Roma, den Andersdenkenden, denjenigen, die für ihren Glauben in den Tod gingen, Obdachlosen, Behinderten und den Toten des Krieges. „Allen Opfern bezeigen wir Respekt, Demut und Anerkennung“, betonte Ilka von Boeselager. Sie verdeutlichte am Beispiel des schnellen Zuwachses von Anhängern der nationalsozialistischen Bewegung, wie verführbar Menschen grundsätzlich und in großer Zahl sind. „Hier gilt es wachsam zu sein und zu bleiben“, betonte sie. Mit aktuellem Bezug auf die Pegida-Bewegung forderte Ilka von Boeselager auf, nicht wegzuhören, den Anfängen zu wehren und für unsere Überzeugungen ganz entschieden einzutreten. Auch Bürgermeister Stefan Raetz appellierte angesichts jüngster Entwicklungen. „Wir mahnen auch heute, weil wir wissen, wozu Menschen leider immer noch fähig sind. So etwas darf nie, nie wieder geschehen.“ Er wies darauf hin, dass in den letzten Jahren die erneute Zunahme von öffentlicher Befürwortung nationalsozialistischer Denkmuster, Gewalttaten gegen Minderheiten den Blickwinkel öffentlicher Diskussionen weiter geöffnet hat. Aktuell habe die Dominierung der Pegida-Bewegung durch Rechtsextreme deutlich gezeigt: „Nationalsozialistisches Gedankengut und Straftaten, bis hin zu Morden, sind immer noch verbreitet.“ Entscheidend sei, betonte Raetz, dass sich „weiterhin möglichst viele Beteiligte zusammenschließen und ein gemeinsames Ziel zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus definieren.“
Beiträge junger Menschen
Ermutigend für die Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung waren die eigenen Beiträge der Schülerinnen und Schüler der drei weiterführenden städtischen Schulen. In Anlehnung an die Worte von Bundespräsident Gauck „Unter den Holocaust gibt es keinen Schlussstrich“, war die Anstrengung und Bereitschaft zur Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der deutschen Geschichte und aktuellen Erscheinungsformen rechtsextremistischer Gewalt wohltuend. Bürgermeister Stefan Raetz bedankte sich am Ende der Veranstaltung ausdrücklich bei allen Beteiligten und insbesondere bei den Schülerinnen und Schülern für ihre Beiträge. Den Abschluss bildete dann das Niederlegen eines Gebindes an der Gedenkstätte für Rheinbachs ermordete jüdische Mitbürger im Rathausinnenhof
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Die Beiträge der Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule, des Städtischen Gymnasiums und der Tomburg-Realschule waren eine wertvolle Bereicherung der Gedenkveranstaltung. Hier singt der Mädchenchor der Klassen acht bis zehn der Gemeinschaftshauptschule das israelische Lied „Hine matov“. Foto: STEIN
