Politik | 14.07.2022

Schüler des Sozialkunde-Leistungskurses der IGS Horhausen luden Landrat Achim Hallerbach ein

Lebendiger Unterricht mit ehrlichen Einsichten

Schulleiter Norbert Schmalen (hinten links), Lehrer Tobias Buddendiek (rechts) und die Schüler des Sozialkunde-Leistungskurses freuten sich über die Unterrichtsstunde mit Landrat Achim Hallerbach.  Foto: Kreisverwaltung Neuwied

Kreis Neuwied/Horhausen. Wie funktionieren Politik und Gewaltenteilung? Was macht ein Landrat? Wie arbeitet eine Kreisverwaltung? Wo kommen ihre Einnahmen her? Welche Spielräume hat sie? Fragen, auf die man in Büchern Antworten finden kann. Doch das ist häufig ziemlich trockener Stoff! So beschlossen die Elftklässler des Sozialkunde-Leistungskurses an der IGS Horhausen, lieber „echte“ Menschen zu sich in den Unterricht einzuladen. „Sie haben Nachholbedarf nach realen Kontakten“, weiß Direktor Norbert Schmalen.

Eine Hauptstadt-Journalistin der „Zeit“ war als erster Gast dann trotzdem noch mal per Videokonferenz zugeschaltet. Aus Berlin anzureisen, wäre schwierig geworden. Dann aber „tütete“ Lehrer Tobias Buddendiek die nächste praktische Unterrichtsstunde ein, als er in Asbach auf dem Fußballplatz Landrat Achim Hallerbach sah und ihn einfach ansprach. Als der wenig später in der Klasse stand, war die erste Erkenntnis für die Schüler auch schon gewonnen: Privatleben gibt es nur noch selten, wenn man Landrat ist - auch nicht, wenn gerade der eigene Sohn kickt.

Dass ein Verwaltungschef die Einladung einer Schule annimmt, die zwar viele Schüler aus seinem Kreis besuchen, die aber faktisch im Nachbarkreis steht, unterstrich gleich eine zentrale Botschaft, die Hallerbach mitgebracht hatte: „Wir sind eine große Region und müssen zusammenarbeiten. Wir müssen offen über Grenzen hinweg denken“, betonte er. Mit seinem Altenkirchener Amtskollegen Dr. Peter Enders habe er trotzdem vorher über den Besuch gesprochen und keinen Einspruch erhalten, versicherte Hallerbach.

In seinem Vortrag und bei den Antworten auf die Fragen der gut vorbereiteten Schüler zeigte sich der Landrat fast schonungslos ehrlich. Um Versäumnisse der Vergangenheit, die die jüngsten Krisen aufgezeigt haben, redete er nicht drumherum, politische Fehler nannte er beim Namen. Auch vieles von dem, was er zu Beginn seiner Amtszeit 2018/19 angestoßen habe, sei nicht so vorangekommen, wie es sich das anfangs vorgestellt habe. „Dass ich mich zwei Jahre hauptsächlich um eine Pandemie kümmern muss, stand leider nicht in der Stellenausschreibung“, bemerkte er achselzuckend.

Auf sich persönlich bezogen gestand er ein, einen Wandlungsprozess durchgemacht zu haben, „Früher war ich als junges Kreistagsmitglied schon ein Hardliner. Aber das war völliger Quatsch. Das wirkliche Leben funktioniert oft anders als das Parteiprogramm. Es lebt von Kompromissen“, rief er den jungen Erwachsenen zu und appellierte, dass sie sich selbst kommunalpolitisch einmischen. „Sie werden keine Partei finden, die zu 100 Prozent ihren Vorstellungen entspricht. Aber in den Parteien werden Sie wirklich etwas bewegen können. Und Sie können auch Ihre Partei verändern“, machte er deutlich.

Achim Hallerbach riet den Schülern gleichzeitig, keinen rein politischen Weg einzuschlagen, sondern sich beruflich breit aufzustellen. Er skizzierte seinen eigenen Lebenslauf über Stationen in Wiesbaden, Mainz und Berlin, bei der Abfallwirtschaft sowie als Inhaber einer Marketingagentur und zeigte sich sehr froh, „auch jederzeit wieder etwas anderes machen zu können“. Das wiederum galt dann nach der schnell vergangenen Doppelstunde für die Schüler genauso. Auch wenn mancher wohl gern noch weitergefragt hätte, rief etwas, das ohne lebendigen Original-Gesprächspartner auskommen musste: eine wichtige Prüfung in Latein.

An der 1996 gegründeten Integrierten Gesamtschule (IGS) in Horhausen unterrichten rund 80 Lehrer circa 800 Schüler. Mindestens ein Drittel von ihnen kommt laut Direktor Norbert Schmalen aus dem Kreis Neuwied. Das Einzugsgebiet erstreckt sich insgesamt über 97 Orte und Ortsteile Pressemitteilung Kreisverwaltung Neuwied

Schulleiter Norbert Schmalen (hinten links), Lehrer Tobias Buddendiek (rechts) und die Schüler des Sozialkunde-Leistungskurses freuten sich über die Unterrichtsstunde mit Landrat Achim Hallerbach. Foto: Kreisverwaltung Neuwied

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Imageanzeige
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Ostergruß
Tag der offenen Tür
Rund ums Haus
Wohnträume
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
310

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

15

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

26

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige - Dauerauftrag
Fahrer gesucht (m/w/d)
Koblenz blüht 2026
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Stellenanzeige mehrere Stellen
PR-Anzeige
Dauerauftrag 2026
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Mitarbeiter IT-Administrator
Werksverkauf Anhausen
Wohnträume
Aushilfskraft (w/m/d)