Politik | 16.09.2013

Podiumsdiskussion im Sinziger Pfarrheim

Lokaler Sozialbericht: „Menschen ohne Arbeit“

Die Arbeitslosigkeit spielt in der aktuellen politischen Diskussion keine Rolle

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Albert Ottenbreit, Petra Klein, Tim Obermeier und Rudi Hammers. BL

Sinzig. Die Arbeitslosigkeit spielt in der aktuellen politischen Debatte keine entscheidende Rolle. Die Situation von Langzeitarbeitslosen ist ganz aus dem Fokus der Medien und der Politik verschwunden. So zwei der zentralen Erkenntnisse einer hochinteressanten Podiumsdiskussion, die am vergangenen Donnerstag im großen Saal des Sinziger Pfarrheims stattfand.

Das Dekanat Remagen-Brohltal hatte anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Aktion Arbeit im Bistum Trier zu diesem Diskussionsabend eingeladen. Das Motto hieß dabei „Lokaler Sozialbericht Menschen ohne Arbeit“.

Referent des Abends war Tim Obermeier vom Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (ibus) der Fachhochschule Koblenz am Rhein-Ahr-Campus Remagen. Tim Obermeier arbeitete sehr nüchtern eine Diskrepanz in der Wahrnehmung am Arbeitsmarkt heraus. Denn das deutsche „Job-Wunder“ und eine niedrige Zahl von rund 2,9 Millionen Arbeitslosen aktuell lasse die vielen Langzeitarbeitslosen sozusagen im dunklen der Zahlen verschwinden. Obermeier stellte klar, dass der Kreis Ahrweiler mit einer Arbeitslosenquote von rund 4,5 Prozent in einer privilegierten Situation sei. Trotzdem sind auch im Kreis fast 3000 Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen und fast 6500 Menschen leben von staatlichen Sozialleistungen. Dies heißt auch, dass rund 715 Kinder im Kreis Ahrweiler von Hartz IV leben. Der Referent, der in seiner Einführung auch auf die „schöngerechneten statistischen Werte der Arbeitslosenstatistik“ eingegangen war, stellte die Ergebnisse der Studie „Endstation Arbeitsgelegenheit Teilhabeperspektiven in Ein-Euro-Jobs“ vor. Tim Obermeier stellte klar, dass bei aller Kritik an diesen Jobs, aus Sicht der Betroffenen ein positiver Effekt eintrete, endlich wieder zum sozialen und zum Arbeitsleben dazuzugehören. „Wenn die Maßnahme dann nach sechs Monaten endet, fallen diese Menschen oft noch viel tiefer als zuvor in ein persönliches Loch“ arbeitete er heraus.

Der Preis des Job-Wunders

Pastoralreferent Christoph Hof im Dekanat zuständig für Sozialfragen hatte aber auch weitere Teilnehmer eingeladen. So Rudi Hammes, von der Aktion Arbeit im Bistum Trier, Petra Klein vom HoT in Sinzig und Albert Ottenbreit von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Diözesanverband Trier. Petra Klein und ihre Mitarbeiterinnen aus der Kompetenzagentur wussten von kleinen Erfolgen in ihrer Arbeit mit zurzeit 100 Jugendlichen im gesamten Kreisgebiet zu berichten. Petra Klein machte aber auch klar, dass in jedem Jahr 50 junge Menschen ohne jeden Abschluss das Schulsystem im Kreis Ahrweiler verlassen. Rudi Hammes von der Aktion Arbeit unterstrich, dass das Job-Wunder in Deutschland mit einem rapiden Wachstum im Niedriglohnsektor erkauft worden sei, in dem heute fast ein Viertel aller Menschen erwerbstätig ist.

Von der Utopie eines Wandels der Erwerbsgesellschaft hin zu einer Tätigkeitsgesellschaft im christlichen Glauben sprach Albert Ottenbreit. Er kritisierte zudem, dass das Problem Arbeitslosigkeit bisher von allen Bundesregierungen mit einer gewissen Hast und Kurzatmigkeit ohne Langzeitkonzepte angegangen worden sei.

Im Pfarrheim entwickelte sich im Anschluss eine lebhafte Diskussion mit vielen Einzelbeispielen. Die Position der Parteien in Berlin im Vorfeld der Wahl wurde auf den Prüfstand gestellt und zumindest einige Vorgehensweisen zur Lösung der Probleme skizziert. Die Arbeitslosigkeit etwas aus dem Dunkeln geholt zu haben, hatte die öffentliche Podiumsdiskussion als Ziel ja schon erreicht. Weitere Informationen und andere Perspektiven gibt es im Internet auf der Seite www.o-ton-arbeitsmarkt.de.

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Albert Ottenbreit, Petra Klein, Tim Obermeier und Rudi Hammers. Foto: BL

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