Die Bauarbeiten für die Linzer Kita an der Friedrich-Ebert-Straße sind voll im Gange
Mainz und der Kreis unterstützen das 3,7 Mio.-Projekt mit insgesamt 1,225 Mio. Euro
Linz. Einen Termin für den symbolischen Spatenstich auf dem Gelände der neuen Linzer Kita an der Friedrich Ebert-Straße hatte man witterungsbedingt verschoben. „Als dann die Bodenplatte bereits lag, wäre ein solcher Termin etwa lächerlich gewesen“, erklärte Karl-Heinz Wölbert, der verantwortliche Beigeordnete für den Geschäftsbereich „Kindertagesstätten“ an der Baustelle unterhalb des Gebäudes der Niedax GmbH. Eingeladen dorthin zu einem Pressetermin hatte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust zusammen mit seinem Ersten Beigeordneten, Helmut Muthers. Der Grund: Die endgültigen Förderbescheide für den laut der Berechnungen des Architektenbüros Berghaus & Michalowicz nach der Aufstockung von drei auf fünf Gruppen knapp 3,7 Millionen teuren Neubau sind in der Bunten Stadt am Rhein eingetroffen. Danach beteiligt sich das Land mit 750.000 Euro, 475.000 Euro steuert der Landkreis bei. „Außerdem übernimmt die Firma Niedax anteilig die Baukosten sowie später auch die Betriebskosten für zehn Plätze, die für Kinder der Angestellten reserviert sind“, so der Stadtchef.
Fleißig gebaut worden war schon auf dem abschüssigen Gelände, lange bevor die Förderzusagen der Verwaltung schriftlich vorlagen. Mit gemischten Gefühlen hatte man den Fortschritt der Arbeiten beobachtet angesichts der, wenn auch schon lange zurückliegenden Erfahrungen beim Altenheim der VG, fest zugesagten dann aber letztendlich nicht bewilligten Fördermittel. In diesem Fall aber muss Linz, die finanzielle Beteiligung des Unternehmens eingerechnet, rund 2,2 Millionen Euro für den fünfgruppigen Kindergarten aufbringen.
„Die Verwaltung hat die frühstmöglichen Termine für die Anträge von Fördergeldern eingehalten, so dass unsere Stadt eine der erste im Land ist, einen positiven Bescheid erhalten haben“, freute sich Karl-Heinz Wölbert. Allerdings hält sich die Freude des Stadtchefs in Grenzen, fließen doch nicht alle Fördermittel zeitnah. Die Stadt habe die Hälfte der Kosten für den Kindergarten in den Haushalt 2020 eingestellt. „Wir können zwar auch die Hälfte der Landesförderung bei Fertigstellung des Rohbaus abrufen, schön wäre es allerdings auch, wenn das Geld vom Kreis zum Teil im kommenden Jahr fließen würde, womit angesichts seiner Finanzlage wohl kaum zu rechnen sein dürfte“, so Hans Georg Faust. Allein dies sei der Grund, weshalb die Stadt ihren Etat im neuen Jahr nicht ausgeglichen gestalten könne. Generell seien die Fördermittel völlig unzureichend gemessen an dem, was Berlin an Hilfen zugesagt habe, ergänzte er.
„Mit dem Kindergarten hier an der Friedrich-Ebert Straße erreichen wir unser Ziel: Für jedes Kind einen Kindergartenplatz mit Essensversorgung“, so der Stadtchef. Mit dem neuen fünfgruppigen, attraktiven Kindergarten mit insgesamt 90 Plätzen sei die Stadt modern und gut aufgestellt, hob er hervor. Ein endgültiger Zeitplan sei zwar noch nicht aufgestellt, jedoch rechne die Verwaltung, so das Wetter mitspielt, mit der Fertigstellung des Rohbaus im Mai, bezugsfertig könnte die Kita dann Anfang 2021 sein. „Mit diesem Kindergarten ist die Stadt gut aufgestellt und das auch für die nächsten 30 Jahre. Wir sind zumindest bestens gewappnet hinsichtlich der Anforderungen, die das neue Kita-Gesetz den Kommunen stellt“, betonte Karl-Heinz Wölbert auf den Rechtsanspruch auf eine siebenstündige Übermittag-Betreuung hinweisend.
Interims-Kindergarten „Am Schwimmbad“
Notwendig geworden war der Neubau kurz nach Eröffnung des „Hummelnestes“ im Neubaugebiet Roniger Hof, weil in der Stadt 56 Kindergartenplätze fehlen. Zumindest teilweise beheben kann sie ab dem Frühjahr dieses Defizit durch den Interims-Kindergarten „Am Schwimmbad“ im ehemaligen Caritas-Gebäude. „Der ist alles andere alles andere als ein Provisorium angesichts der tollen Ausstattung und des nahen Freigeländes. Lediglich ein Mehrzweckraum fehlt dort“ so der Beigeordnete. Platz haben dort zwei altersgemischte Gruppen zu je 15 Kindern mit maximal sieben Krippenkindern. Mit den fünf Ausbauplätzen stehen im Kindergarten „Am Schwimmbach“ 35 Plätze von 7 bis 14 Uhr zur Verfügung. Vorerst sind eine Bringphase von 7 bis 8.30 Uhr und eine Abholphase von 11.45 bis 12 Uhr sowie von 13.30 bis 14 Uhr geplant, wie die Leiterin Elke Grunwald auf der ersten Sitzung des Kita-Ausschuss der Stadt bei der Vorstellung des von ihr erarbeiteten Kita-Konzepts berichtet hatte. Neben einer Vollzeitkraft stehen ihr noch zwei Erzieherinnen in Teilzeit zur Verfügung sowie eine Begleitkraft zu zehn Stunden und ein Springer je nach Bedarf. Komplettiert wird das Team durch eine Hauswirtschafts- eine Reinigungskraft zu je zehn Stunden und nach Bedarf einen Hausmeister.
Als Notkindergarten soll die Kita für die Verbandsgemeinde erhalten bleiben, auch wenn der neue Kindergarten an der Friedrich-Ebert-Straße bezogen werden kann. Dann würden der Stadt neben den 90 Plätzen mit dem „Hummelnest“, dem Montessori Kinderhaus und der Katholischen Sankt Marien-Kita 66 Plätze für Kinder unter drei Jahren, 161 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren und 133 Ganztagsplätze zur Verfügung stehen. „Ob wir in späteren Jahrzehnten so viele Plätze vorhalten müssen, bleibt abzuwarten“, erklärte Karl-Heinz Wölbert. Die Warteliste für die neue Kita ist allerdings schon voll und allein mit den Kindern von der Schwimmbad-Kita sowie den von der Firma Niedax beanspruchten Plätzen ist die Kita ja auch schon zur Hälfte belegt. Nicht eingerechnet die 15 bis 20 Linzer Kinder, die zur Zeit in Dattenberg und Sankt Katharinen untergebracht sind. „Wir werden diese zwar 2021 nicht generell umsiedeln, aber sie, wenn von den Eltern gewünscht, schon berücksichtigen müssen“, erklärte Hans Georg Faust abschließend.
Spätestens beim Richtfest voraussichtlich im Mai werden man sich an der Friedrich-Ebert-Straße wiedersehen, so Karl-Heinz Wölbert. Die Kita liege, wenn auch nicht am Ende der Welt, so doch schon relativ weit entfernt vom Stadtzentrum, hatte der Stadtchef eingestanden. „Aber wir wollten unbedingt auf einem städtischen Grundstück bauen, um die Kosten nicht noch höher schnellen zu lassen. Und dieses hier war das letzte, das uns zur Verfügung stand. Für weitere soziale Verpflichtungen haben wir jetzt keine eigenen Flächen mehr, erklärte er. Jetzt freue er sich zunächst auf das Richtfest. Dann, so der Beschlussvorschlag des Ausschusses, soll auch ein Wettbewerb zur Namensfindung starten. Entsprechende Hinweise auf erwünschte Bezüge zur Stadt soll die City-Managerin in der Ausschreibung festlegen. „Nur die Bezeichnung ‚Stern-Kinder‘ nach dem benachbarten Sterner Berg würden wir nicht akzeptieren“, hatte der Beigeordnete in der Ausschusssitzung betont.
DL
