Politik | 05.07.2016, 17:26 Uhr

UWG Wachtberg fordert ein Gesamtkonzept

Nach der Flut ist vor der Flut

Folgen von Überflutungen aus Starkregenereignissen sollen künftig reduziert werden

Wachtberg. Das schwere Unwetter vom 4. Juni, das in vielen Wachtberger Ortschaften erhebliche Schäden an Privathäusern und der öffentlichen Infrastruktur hinterlassen hat, ist den meisten noch in frischer, den Betroffenen in schmerzvoller Erinnerung. Das Ausmaß übertraf alles, was bisher an Schäden durch Überflutungen nach Starkregenereignissen zu beklagen war.

Damit stellen sich automatisch eine Reihe von Fragen: Wurde bisher eigentlich genug getan, oder gibt es Handlungsbedarf im Hinblick auf die Häufung von Starkregenereignissen und Überflutungen der letzten Jahre und deren Folgen? Was kann man tun, um die Auswirkungen von Überflutungen resultierend aus Starkregenereignissen so gering wie möglich zu halten oder möglicherweise gänzlich zu vermeiden? Gibt es geeignete effektive Maßnahmen und -kombinationen, das Niederschlagswasser schadlos von den Ortslagen fernzuhalten? Könnte Wasser aus den höherliegenden Außenbereichen (Hangabflüsse) nicht schon vor den Ortschaften durch Wiederherstellung und Neuanlegung von Gräben abgefangen und kontrolliert um- und abgeleitet werden? Wäre es sinnvoll, für jedes Dorf bzw. für jede Tal- oder Muldenlage ein eigenes Konzept zur Vermeidung von Überflutungen unter Mitbetrachtung der von der Landwirtschaft versiegelten Flächen (zum Beispiel Folientunnel) als Sofortmaßnahme auszuarbeiten? Wie können Spitzenabflüsse aus versiegelten Außengebietsflächen vermieden werden, da unteranderem die Kanalnetze in den Ortschaften vorschriftskonform für die Aufnahme von größeren Niederschlagsmengen aus Außengebieten nicht dimensioniert sind und deshalb zwangsläufig zu Schäden führen müssen? Welche Lösungen können zeitnah umgesetzt werden, und welche Lösungen brauchen eine bestimmte Realisierungsdauer, zum Beispiel aus verwaltungsinternen und finanziellen Gründen? Wieviel Wiesenflächen, die ja eine gute Wasserrückhaltung bieten, wurden in den letzten Jahren in Ackerflächen umgewandelt, nachdem viele Landwirte ihre Milchviehhaltung einstellten?

Vollständiger Schutz ist Illusion

Fakt ist: Alle Experten sind sich einig, dass man sich auf weitere kurzfristig eintretende Überflutungen werden einstellen muss. Fakt ist aber auch: Eine Beherrschung von derartigen Naturgewalten und eine vollständige Absicherung ist eine Illusion. Alles, was an Maßnahmen ergriffen wird, kann lediglich die Auswirkungen derartiger Ereignisse in Grenzen halten.

Engagierter „Runder Tisch“

Das Bündnis 90/Die Grünen hatten im letzten Jahr einen Antrag unter dem Titel „Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen in Wachtberg“ in den zuständigen Fachausschuss eingebracht, der unter anderem ebenfalls die Auswirkungen von Starkregenereignissen zum Inhalt hatte. Der daraus entstandene sogenannte „Runde Tisch“, mit dem Titel „geschützter Anbau in der Landwirtschaft“ hat sich in den bisherigen beiden Sitzungen schwerpunktmäßig mit den Aspekten des Naturschutzes beschäftigt und wird auch in diesem Bereich wichtige Impulse setzen können. Die Fachleute dieses Gremiums haben gute Ideen, sind sehr engagiert und geben wichtige Anregungen für die Verbesserung des Naturschutzes. Die anstehenden Probleme des Überflutungsschutzes jedoch kann der „runde Tisch“ nach Ansicht der UWG nicht klären.

Offene Diskussion ist nötig

Deshalb fordert die UWG eine sofortige breite und offene politische Diskussion im zuständigen Fachausschuss und ein zukunftsgerichtetes Gesamtkonzept zum Thema „Vermeidung von Überflutungen von Oberflächenabflüssen aus Außengebieten“, das – auf der Basis einer kritischen Bestandsaufnahme unter Aufzeigung der Schwachstellen – alle Aspekte und Möglichkeiten berücksichtigt. Dieses Konzept wäre anschließend auf seine technische und wirtschaftliche Machbarkeit zu überprüfen und unter Berücksichtigung von Prioritäten sukzessive – aber möglichst zeitnah (der nächste Starkregen kommt bestimmt) – umzusetzen.

Für die UWG ist es zwingend erforderlich, dass sich die Politik umgehend mit diesem Thema ausführlich beschäftigt und im zuständigen Fachausschuss die notwendigen Entscheidungen zur Vermeidung von Überflutungen aus Starkregenereignissen zeitnah herbeigeführt werden.

Pressemitteilung der

UWG Wachtberg

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