Politik | 20.12.2016

Gemeinderat Wachtberg ist einer Meinung

Nächtlicher Lärm an der Pecher Behelfsbrücke muss aufhören

Durchfahrtverbot von 22 bis 6 Uhr für motorisierte Fahrzeuge soll beantragt werden – Ampel auf Dauerrot schalten?

Pech. Beim verheerenden Unwetter vom 4. Juni wurde in der Pecher Hauptstraße die Brücke über den Godesberger Bach weggerissen, kurz darauf baute das Technische Hilfswerk (THW) dort eine Behelfsbrücke auf. Die sorgt mittlerweile allerdings für Verstimmung bei den Anwohnern. „Die Situation ist für die Anwohner extrem belastend - seit der Fertigstellung der Behelfsbrücke leiden sie unter dem Lärm, der entsteht, wenn Fahrzeuge die Brücke passieren“, so Grünen-Fraktionsvorsitzender Oliver Henkel in der Sitzung des Wachtberger Gemeinderates.

Zwar gelte dort eine Geschwindigkeitsbeschränkung von zehn Stundenkilometern, doch werde diese längst nicht immer eingehalten. Und das Provisorium bleibe den Pechern aller Voraussicht nach noch Monate erhalten. Umfangreiche Neuplanungen, die die neue Gefahrensituation bei Starkregenereignissen besser berücksichtigten, seien im Gange, verzögerten aber dadurch die endgültige Fertigstellung. Eine schnelle Lösung in den nächsten Wochen sei wohl nicht umsetzbar.

Nachts ist eine Umfahrung eher zumutbar

Daher beantragte er namens der Grünen, in der Zeit von 22 bis 6 Uhr die Durchfahrt für motorisierte Fahrzeuge zu sperren. Ausnahmen sollten für öffentliche Verkehrsmittel und selbstverständlich für Rettungsdienste gelten. „Damit könnte die Belastung vor allem in den Nachtstunden deutlich reduziert werden“, war Henkel überzeugt. Wer mit dem Auto in dieser Zeit unterwegs sei, dem sei eine Umfahrung sicher eher zuzumuten als die dauerhafte Störung der Nachtruhe.

Außerdem wollten die Grünen wissen, wie teuer ein Zusatzbelag auf der Brücke oder eine zusätzliche Dämpfung sei, der die Lärmwerte dauerhaft absenken könne. Die Gemeinde hatte bereits Gummimatten verlegen lassen, was den Lärm schon deutlich gedämpft habe, doch gerade nachts sei das nur in eingeschränktem Maße eine Hilfe. Zumal, wie auch andere Ratsmitglieder bestätigten, sich viele Autofahrer an dieser Stelle nicht an das vorgeschriebene Tempolimit hielten.

Auf eine zeitnahe Umsetzung drängen

So wurde die Gemeindeverwaltung einstimmig vom Gemeinderat beauftragt, zusammen mit dem Rhein-Sieg-Kreis zu prüfen, ob der Schutz der Nachtruhe durch eine Sperrung der Behelfsbrücke für motorisierte Fahrzeuge möglich sei, und wenn ja, auf eine zeitnahe Umsetzung drängen.

Laut dem Ersten Beigeordneten Jörg Ostermann habe auch die Gemeinde hinsichtlich der Lärmbelästigung durch die mit Holzdielen als Fahrbahnoberfläche versehene Behelfsbrücke erst Erfahrung sammeln müssen. Die darunter verlegten Gummiplatten hätten zwar durchaus etwas gebracht, hätten die Nachtruhe aber nicht wiederherstellen können. Daher habe man zunächst überlegt, Schweller einzubauen, was sich aber als schlecht umsetzbar erwiesen habe und außerdem am eigentlichen Problem vermutlich auch nichts geändert hätte. Ob ein weiterer lärmmindernder Belag auf Dauer überhaupt auf dem provisorischen Bauwerk halten werde, sei ebenfalls ungewiss. Daher könne er dem Vorschlag der Grünen durchaus etwas abgewinnen.

„Leider nicht selbst darauf gekommen“

CDU-Ratsherr Jürgen Kleikamp hatte an dem Grünen-Vorschlag nur eines auszusetzen, wie er augenzwinkernd anmerkte: „Schade, dass ich da selber nicht drauf gekommen bin.“ Bei der Frage, wie man die Brücke nachts effektiv sperren könne, schlug er eine Ampel mit Zeitschaltuhr vor, die in der fraglichen Zeit von 22 bis 6 Uhr auf Dauerrot geschaltet werde. Kleikamp wollte zudem wissen, warum der Brückenneubau in Pech im Vergleich zu Arzdorf so lange dauere und erfuhr, dass man zunächst verlässliche Zahlen von der Unteren Wasserbehörde benötige, wie viel Wasser die neue Brücke im Notfall überhaupt abführen müsse. „Hier gilt Sorgfalt vor Schnelligkeit“, erklärte Ostermann.

Immerhin konnte Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) mitteilen, dass der Gemeinde im Zusammenhang mit der Behelfsbrücke keinerlei Kosten entstanden seien: „Uns wurden sämtliche Kosten erlassen.“

JOST

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