Bürgerinformationsveranstaltung zur Ortskernentwicklung Buschhoven
Nahversorgungszentrum ist möglich, braucht aber die Unterstützung der Bürger
Umzug der Feuerwehr gibt der Gemeinde Zugriff auf kommunale Räumlichkeiten am Toniusplatz – Eigentümer der umliegenden Immobilien wollen mitziehen
Buschhoven. Gute Nachrichten für die Zukunft von Buschhoven hatte Christian Klems bei der Präsentation der Ergebnisse der Haushaltsbefragung, die von Juli bis September 2018 in der drittgrößten Swisttaler Ortschaft durchgeführt worden war: „Ein multifunktionales Nahversorgungszentrum im Ortskern ist möglich, unter Betonung von regionalen und biologisch angebauten Produkten.“ Wichtige und notwendige Ergänzungen für ein solches multifunktionales Nahversorgungszentrum seien allerdings Dienstleistungen, soziale Dienste, Kommunikations- und Kulturangebote, denn nur so sei der Umsatz deutlich zu steigern. Der Projektverantwortliche der Dorv-Zentrum GmbH machte vor gut 50 Zuhörern im Pfarrsaal der katholischen Kirchengemeinde aber auch deutlich: „Das Ganze kann funktionieren – es kommt aber darauf an, dass die Bürger bereit sind, mitzugehen und das Projekt tatkräftig zu unterstützen.“
Jüngere Generation hat sich nur in geringem Umfang beteiligt
An der Haushaltsbefragung hätten nicht weniger als 594 Haushalte teilgenommen, was bei insgesamt 1315 Haushalten in Buschhoven einer Rücklaufquote von 45,17 Prozent entspreche, freute sich Klems. Dadurch könne man die Befragung als verlässlich und aussagekräftig ansehen – wenn sich auch die jüngere Generation nur in geringem Maße beteiligt habe. 77,6 Prozent der Befragten hielten das Projekt „Nahversorgungszentrum“ für eine gute Idee, 44 Prozent würden es sogar aktiv unterstützen und 51 Prozent erklärten sich bereit, ihr Einkaufsverhalten zu ändern. Allerdings sei auch Skepsis erkennbar, denn 17 Prozent fanden die Idee zwar toll, aber nicht umsetzbar, und vier Prozent sprachen dem Projekt überhaupt die Sinnhaftigkeit ab.
Bei der Befragung gaben zudem 64,8 Prozent an, ihnen sei die Qualität der angebotenen Produkte besonders wichtig, während nur 45,5 Prozent auf einen niedrigen Preis Wert legen. „Qualität vor Preis“ gelte ebenso wie „Regional schlägt Bio“, so Klems, denn regionale Produkte wünschen sich drei Viertel der Befragten, während der biologische Anbau nur von 41 Prozent bevorzugt wurde. Darüber hinaus wünschen sich 55 Prozent weitergehende Angebote, und 43 Prozent waren dafür, dass Nahversorgungszentrum auch zu einem Treffpunkt und zu einem Veranstaltungsort für Kulturereignisse zu machen. 81 Prozent der Befragten wären sogar bereit, die Produkte des täglichen Bedarfs künftig im Nahversorgungszentrum zu kaufen, wobei viele dafür allerdings eine gute Qualität, eine große Auswahl und einen günstigen Preis voraussetzten.
Produkte des täglichen Bedarfs sind gefragt
Besonderen Wert legen die Buschhovener darauf, dort Backwaren, Fleisch und Wurst, Molkereiprodukte sowie Obst und Gemüse vorzufinden. Tiefkühlkost, Fertiggerichte und Haushaltswaren werden eher als überflüssig angesehen. Eine gute Ergänzung wäre nach Ansicht der Buschhovener Angebote von Fisch, Getränken, Drogerieartikeln sowie Zeitschriften und Schreibwaren.
Doch das künftige Nahversorgungszentrum, wenn es denn Wirklichkeit werde, soll auch noch eine Reihe von Dienstleistungen unter einem Dach vereinen. So wünschen sich 64 Prozent ein Café/Bistro als Treffpunkt und Versammlungsort. Ebenso viele wollen hier einen Informationspunkt, und sogar knapp 80 Prozent eine Anlaufstelle des Bürgerbüros mit einem Formularservice. Hier könne auch Nachbarschaftshilfe organisiert und ein Reparaturdienst etabliert werden. Und natürlich, das wünschen sich 89 Prozent der Befragten, soll das Nahversorgungszentrum täglich geöffnet sein. Für die meisten würde ein Beginn um 8 Uhr ausreichen, lediglich 14 Prozent plädieren für eine frühere Öffnung ab 6 Uhr. Auch eine Sonntags-Öffnung kommt nur für sieben Prozent infrage.
Viele wollen ehrenamtlich mitarbeiten
Bei der Frage nach dem Interesse, rund um das Nahversorgungszentrum auch ehrenamtlich mitzuarbeiten, gab es 103 Mal ein „Ja“, was 17,3 Prozent entspricht, und 423 Mal ein „Nein“ (71,2 Prozent). 44 Prozent seien darüber hinaus bereit, die Sache aktiv zu unterstützen. Auf dieser Basis müsse man das Fundament für ein Dorfzentrum, in welcher Art auch immer, setzen. Klems wies darauf hin, dass bislang weder der Standort noch die Größe festgelegt sei. Und wenn man eine Umsetzung in Erwägung ziehe, sei auch noch die entscheidende Frage zu klären, wie das Nahversorgungszentrum organisiert werden soll. Entweder finde sich ein Kaufmann vor Ort, der das Projekt auf eigene Faust betreibe, oder man könne über die Gründung einer Genossenschaft oder eines Vereins nachdenken.
Nicole Eichmanns von der Swisttaler Gemeindeverwaltung stellte im Anschluss die Ergebnisse des Beiblattes vor, mit dem die Gemeinde einige weitergehende Auskünfte erbeten hatte. Als Stärken des Ortes seien dabei seine gute regionale Verkehrsanbindung, ebenso wie die Naherholungsmöglichkeiten und das gern genutzte Rad- und Wanderwegenetz genannt. Auch der historische Ortskern sowie das ländliche und naturnahe Wohnen fand den Zuspruch der Befragten. Allerdings wurde auch der Wunsch geäußert, dass mit der Ortsmitte etwas passieren und die historischen Gebäude hervorgehoben werden müssten. Nicht so gut weg, kam das kulturelle sowie das ÖPNV-Angebot, das besser getaktet werden müsse. Aus all dem leitete Eichmanns ab, dass die Etablierung einer Nahversorgung im Ortskern sowie die Ortskerngestaltung untrennbar zusammengehörten. „Der Toniusplatz muss wiederaufleben, und mit einem Versorgungszentrum kann man den Dorfkern wieder zum Leben erwecken.“
Wie geht es nun weiter in Buschhoven?
Wie geht es nun weiter in Buschhoven? „Das können wir nicht für Sie übernehmen“, machte Eichmanns den Buschhovenern klar. Doch hier könne das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept Swisttal (ISEK) weiterhelfen, das jetzt gerade gestartet sei. Aus diesem Programm könne man wahrscheinlich Fördergelder für Anstoßprojekte lockermachen, wozu auch ein multifunktionales Nahversorgungszentrum in der Ortsmitte von Buschhoven zähle. Nach der Sommerpause soll es Bürgerforen in Buschhoven, Heimerzheim und Odendorf geben, in denen die Wünsche und Bedürfnisse der jeweiligen Ortschaften ermittelt werden sollen.
„Es ist ein wahrer Glücksfall für Buschhoven, dass jetzt gerade das ISEK startet“, fand auch Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU), denn Fördermittel gebe es mittlerweile nur noch dann, wenn zuvor eine Bürgerbeteiligung stattgefunden haben. Und dies sei ja nun bereits mit dem DORV-Projekt erfolgt. „Wir stehen an der Schwelle zur praktischen Umsetzung.“ Durch den absehbaren Umzug der Feuerwehr Richtung Fienacker habe die Gemeinde auch Zugriff auf kommunale Räumlichkeiten am Toniusplatz, und auch die Eigentümer der umliegenden Immobilien hätten mittlerweile ihre Bereitschaft signalisiert, bei dem Projekt mitzuziehen. „Das ist ein Prozess, der seine Zeit brauchen wird, aber die Stimmung ist jetzt greifbar, dass alle bereit sind mitzumachen, und das müssen wir ausnutzen.“ JOST
