Politik | 15.04.2024

Der Bendorfer Stadtrat vertagte die Entscheidung über einen fertigen Bebauungsplan

Neue Häuser im Wenigerbachtal müssen warten

Im Wenigerbachtal sollen laut Bebauungsplan Häuser mit bis zu sieben Stockwerken entstehen.  Foto: HEP

Bendorf. „Pläne sind nichts. Planung ist alles“, sagte einst David Eisenhower, US-Präsident von 1953 bis 1961. So ähnlich verhielt sich auch der Bendorfer Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung, als er die Entscheidung über den fertigen Bebauungsplan „Im Wenigerbachtal“ für weitere Planungen vertagte.

Das Wenigerbachtal am östlichen Stadtrand von Bendorf ist eigentlich ein Idyll, wären da nicht einige Grundstücke und ehemalige Hotelbauten, die im Dornröschenschlaf verfallen.

Und nicht nur deshalb, sondern auch wegen des allgemeinen Wohnungsmangels sollen hier neue bis zu sieben Stockwerke hohe Häuser entstehen. Verdichtetes Bauen heißt das, um den Flächenverbrauch zu reduzieren.

Da der Bebauungsplan „Im Wenigerbachtal“ fertig ist, wurden frühzeitig Anregungen und Bedenken von fast 30 Unternehmen, Verwaltungen und den Trägern öffentlicher Belange angefordert und jetzt dem Stadtrat vorgelegt.

In dem 110-seitigen Werk übten viele frühzeitig Beteiligte Kritik, der die Stadtverwaltung widersprach. Anders jedoch einige Stadtratsfraktionen, die einige Bedenken teilten.

Die CDU-Fraktion beklagte, dass durch die verdichtete Bebauung Erdgeschoss-Bewohner kaum die Sonne sehen, 8200 Quadratmeter Fläche versiegelt und Wasser bei Starkregen nicht abgeleitet werden kann. Laut Forstamt haben die Bäume am Rand der Bebauung eine geringe Standfestigkeit und es gebe eine Hanginstabilität.

Darauf ging auch die Fraktion der Grünen ein und verwies auf die Gefahr umstürzender Bäume und ein Übergreifen von Waldbränden. Ferner könnten laut Berechnungen Wenigerbach und Großbach bei Starkregen in einer Stunde bis zu einem Meter hoch ansteigen.

Die Freie Wählergruppe forderte: „Es muss etwas passieren: Häuser verfallen und Grundstücke liegen brach.“ Jetzt sei eine überdimensionierte Bebauung geplant, die diesem Gebiet nicht gerecht werde.

Die SPD wies diese Kritiken zurück: „Wir sind in der Planung und jetzt kommen die Bedenken.“ Zur Verhinderung von Hochwasser müsse man im oberen Teil der Bäche rangehen. Man sei kein Freund dieser Bebauung, jedoch sei eine Verdichtung ökologisch, klimafreundlich und wenig Fläche werde versiegelt: „Wir werden uns lösen müssen von ein- und zwei Familienhäusern.“

Überrascht von dieser Diskussion war die FDP-Fraktion: „Vor Jahren haben wir über den Bebauungsplan mit Planern und Architekten gesprochen. Was führte zu dem Stimmungsumschwung?“ Wenn der Stadtrat den Bebauungsplan ablehnt, hat der alte Rechtskraft. „Das Gebiet verfällt, wenn nichts passiert und das ist Verschwendung von Bauland.“

Einstimmig wurde dann vom Rat der Antrag auf Vertagung der weiteren Verfahrensschritte angenommen.

Bürgermeister Christoph Mohr bedauerte, dass die Brücke „Rheinstraße“ über die Bahngleise für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt ist: „Aufgrund der gravierenden Schäden im Bereich der Stützen ist dies notwendig, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.“ Die betroffenen Fahrzeuge werden über die alternative Route über die Hafenstraße geleitet.

Das Ingenieurbüro Fischer Teamplan begutachtet in Kürze die Schäden, um genaue Angaben über Zustand und Kosten geben zu können.

Der geplante Highwalk von der Bendorfer Innenstadt über B42 und Bahngleise zu MobiHUB und Bahnhaltepunkt soll im Zickzackformat aus Holz gebaut werden. Dies erklärte der städtische Planer Stefan Groß und favorisierte ein Geländer aus Glas, um auf die B42 schauen zu können. Der MobiHUB soll ein Parkhaus mit Aufzug für 200 Fahrräder werden.

Einstimmig genehmigte der Stadtrat Verleih und Vermietung von Material aus dem Kinder- und Jugendkompetenzzentrum der Stadt Bendorf, in dem sich Jugendpflege, Kita Fachberatung und Kita Sozialarbeit befinden.

Das sind u.a. Themenkoffer zu Prävention, Kinderrechten und Partizipation, Handpuppen, Methodenkarten, Fußbälle, Fußballtore, Shuffle-Board und Musikbox, die Kindertagesstätten, Vereine und Organisationen für zehn Prozent des Wertes acht Wochen lang ausleihen können. HEP

Im Wenigerbachtal sollen laut Bebauungsplan Häuser mit bis zu sieben Stockwerken entstehen. Foto: HEP

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