Gemeinde Swisttal hofft auf die Landesregierung
Offener Jugendtreff soll Ort interkultureller Begegnung werden
Altes Kloster und Sportplatz in Heimerzheim sollen im Rahmen der Flüchtlings-Integration gefördert werden
Swisttal. Für den Umbau des Alten Klosters in Heimerzheim erhofft sich die Gemeinde Swisttal Landeszuschüsse aus dem Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau zur Integration von Flüchtlingen“ im Rahmen der Städtebauförderung. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) soll einen entsprechenden Antrag stellen, das beschloss der Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss einstimmig in seiner jüngsten Sitzung. Wenn der Zuschuss bewilligt würde, betrage die Förderung 80 Prozent der geschätzten Umbaukosten von 200.000 Euro, sodass die Gemeinde lediglich einen Eigenanteil von 40.000 Euro zahlen müsste. Zugleich soll auch versucht werden, den Sozialarbeiter, der aufgrund des Flüchtlingszustroms in der Gemeinde eingestellt werden soll, ebenfalls aus diesem Förderprogramm bezuschussen zu lassen. Das hatte die SPD beantragt. Im Alten Kloster soll nämlich ein Offener Jugendtreff (OT) als Ort der interkulturellen Begegnung zwischen einheimischen Jugendlichen und solchen mit Fluchthintergrund entstehen. Der derzeitige Raum des OT sei für eine differenzierte Arbeit schlichtweg zu klein, so Kalkbrenner. Ein ruhiges Gespräch bei gleichzeitiger Wahrung der Aufsicht werde im Hinblick auf die zwangsläufig entstehende Geräuschkulisse und die bestehenden sprachlichen Hemmnisse wohl nicht möglich sein. Weil die ebenfalls dort untergebrachte Kindertagesstätte „Kinderkurse“ aber demnächst in ihren Neubau umziehen werde, seien deren bisherigen Räume im Alten Kloster in absehbarer Zeit frei und für eine neue Nutzung bereit. Dort könne dann eine differenzierte Arbeit stattfinden, hofft Kalkbrenner. Den Platzbedarf habe die Katholische Jugendagentur Bonn als Träger der Offenen Jugendarbeit in der Gemeinde bereits ermittelt. Zwei Etagen seien dabei auf jeden Fall ausreichend, sie müssen aber barrierefrei gestaltet werden.
Begegnungscafé zweimal wöchentlich
Nach Aussage der Katholischen Jugendagentur Bonn werde der OT in Heimerzheim derzeit von etwa 50 Kindern und Jugendlichen aus einem Umkreis von zehn Kilometern täglich besucht. Seit Sommer 2015 finde darüber hinaus im Rahmen des Projektes „Neue Nachbarn“ zweimal wöchentlich ein Begegnungscafé statt, das von Swisttaler Bürgern und Flüchtlingen rege besucht werde. Im pädagogischen Alltag fänden zudem immer mehr Flüchtlinge den Weg in die Einrichtung, eine Erweiterung des Angebotes sei aber aufgrund der räumlichen Gegebenheiten derzeit nicht möglich. Es stehe lediglich ein Raum von etwa 60 Quadratmetern zur Verfügung. Um auf die verändernden Bedingungen durch die Zuwanderung von Flüchtlingen besser reagieren zu können, werde eine Vergrößerung des OT angestrebt. Mithilfe von weiteren Räumlichkeiten könnten vermehrt Jugendkultur-Angebote verwirklicht und Jugendlichen ein Raum zur Partizipation geboten werden. Derzeit besuchen zehn bis 15 Jugendliche mit Fluchthintergrund täglich den OT, denn hier fänden sie schnell Anschluss bei der Jugend des Ortes, und die Fachkräfte unterstützten sie bei Kommunikationsproblemen und in anderen Situationen.
SSV Heimerzheim hat langjährige Erfahrung
Einstimmig war auch der Beschluss, die Sanierung des Sportplatzes Heimerzheim ebenfalls aus dem Förderprogramm „Hilfen im Städtebau zur Integration von Flüchtlingen“ bezuschussen zu lassen. Auch dafür soll ein Antrag gestellt werden, um ein adäquates Angebot im Bereich des Breitensports für die Flüchtlinge anbieten zu können. Der SSV Heimerzheim hat bereits langjährige Erfahrung mit der Integration von Flüchtlingen. In den 1990er Jahren haben sich in Heimerzheim überproportional viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion angesiedelt. Von diesen Personen sind viele seit Jahren Mitglied im Verein; einzelne inzwischen selbst als Trainer oder Übungsleiter tätig. In Heimerzheim befinden sich zurzeit 137 Flüchtlinge. Wie in anderen Ortsteilen hat sich auch in Heimerzheim ein „Arbeitskreis Flüchtlinge“ gebildet. Ein eindeutiger Schwerpunkt bei der Integration liegt hier auf sportlichen Aktivitäten. Aber auch über das Vereinsleben selbst soll Integration erfolgen. Bereits jetzt werden die ersten Flüchtlinge in die Erste Mannschaft, B-Jugend (Alter 14 bis 16 Jahre) sowie in der D-Jugend (Alter 12 bis 13 Jahre) integriert. Die ersten Spielerpässe wurden beantragt. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die in früheren Jahren gesammelten, überwiegend positiven Erfahrungen. Gerade bei den Kindern und Jugendlichen werden über den Trainings- und Spielbetrieb auch die Eltern einbezogen, die so zusätzliche Kontaktmöglichkeiten gewinnen.
Chance für eine Komplettsanierung
Würde der Zuschuss bewilligt, könnte der sanierungsbedürftige Sportplatz in Heimerzheim zu einem Kunstrasenplatz mit umlaufender Kunststofflaufbahn und entsprechenden leichtathletischen Nebenanlagen umgestaltet werden. Das sei eine einmalige Chance, eine Komplettsanierung dieser Sportanlage hinzubekommen, erläuterte Kalkbrenner. Die koste nämlich rund 1,3 Millionen Euro, was die Finanzen der Gemeinde und des SSV Heimerzheim überfordere. Deshalb habe der Gemeinderat beschlossen, nur den bestehenden Tennenplatz in einen Hybridrasenplatz umzuwandeln, was lediglich eine halbe Million Euro koste. Die Gemeinde selbst wolle dazu 325.000 Euro beisteuern, den Rest soll der SSV Heimerzheim über ein zinsverbilligtes Darlehen und über Eigenarbeit finanzieren. Diese kostengünstige Variante komme allerdings nur dann zum Zuge, wenn man mit dem Zuschussantrag nicht erfolgreich sei, weil dann ja 80 Prozent der Kosten vom Land übernommen würden. Damit bliebe an der Gemeinde lediglich ein Eigenanteil von 260.000 Euro hängen, somit 65.000 Euro weniger, als bei der Hybridrasen-Variante, und der SSV müsste gar keinen Kredit mehr aufnehmen. „Das wäre für alle Beteiligten die optimale Lösung“, so Kalkbrenner. Das sahen auch die Ausschussmitglieder so und beauftragten die Bürgermeisterin, für die Sanierung der gesamten Sportanlage in Heimerzheim einen Förderantrag zum Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau zur Integration von Flüchtlingen“ zu stellen. Als „Plan B“ soll allerdings die Hybridrasen-Variante weiterverfolgt werden, um im Falle eines negativen Förderbescheides wenigstens die kleine Variante verwirklichen zu können.
