Politik | 01.07.2015

Gesamtschule Rheinbach

Rheinbach will Zweckverband mit Swisttal

Swisttaler Kinder sollen nicht mehr den Vorzug vor Rheinbacher Kindern erhalten

Rheinbach. Wenn die Gesamtschule Rheinbach nach den Ferien in ihr zweites Schuljahr startet, wird eine Handvoll Schüler aus Rheinbach in die Röhre schauen. Sie wurden im Aufnahmeverfahren abgewiesen und müssen sich eine Schule außerhalb der Glasstadt suchen. Stattdessen werden Kinder aus Nachbargemeinden bevorzugt, die aufgrund der bestehenden Gesetzeslage nicht abgewiesen werden können, weil die gewünschte Schulform der Gesamtschule in ihrer Heimatgemeinde nicht besteht. Dies trifft insbesondere auf die Gemeinde Swisttal zu, die praktisch eine ganze Schulklasse in der neuen Gesamtschule stellt, weil es auf deren Gebiet eine solche nicht gibt. Das ärgert alle Fraktionen im Rheinbacher Stadtrat und besonders die SPD, die deshalb im Schulausschuss den Antrag stellte, die Bildung eines Zweckverbandes mit der Gemeinde Swisttal zu prüfen. Ziel sei es, die Georg von Boeselager-Sekundarschule Heimerzheim zu einer Dependance der Gesamtschule Rheinbach zu machen. Dem stimmte der Ausschuss einstimmig zu.

Rheinbacher Schüler nicht mehr abweisen

Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) soll demnach mit der Swisttaler Verwaltungsspitze erörtern, ob die Sekundarschule Heimerzheim im Rahmen eines Zweckverbandes in eine Dependance der Gesamtschule Rheinbach überführt werden könne. Zu prüfen sei insbesondere, inwieweit eine solche Lösung die Wahrscheinlichkeit verringern würde, dass Rheinbacher Kinder an der eigenen Gesamtschule abgewiesen werden müssten. Raetz soll außerdem herausfinden, wie eine interessengerechte Aufteilung der Rechte und Pflichten beider Gemeinden im Rahmen eines Zweckverbandes aussehen könnte. Die Einrichtung einer Zweigstelle würde vermutlich dazu führen, so die SPD-Fraktionsvorsitzende Martina Koch, dass Kinder aus Swisttal keine Plätze in Rheinbach mehr in Anspruch nehmen könnten. Gleichzeitig könne damit die Zukunft der Sekundarschule Heimerzheim gesichert werden, weil die dadurch unweigerlich mehr Zulauf erhalten würde. „Die Gefahr für Swisttal ist real, dass sich die Sekundarschule im direkten Wettbewerb mit den umliegenden Gesamtschulen bei abnehmenden Jahrgangsgrößen nicht mehr wird behaupten können“, sagte Koch voraus.

Rheinbach und Swisttal sind bereits in Gesprächen

Der Erste Beigeordnete Dr. Raffael Knauber machte deutlich, dass man sich bereits in Gesprächen mit der Gemeinde Swisttal befinde, um die derzeitige Schulsituation zu erörtern und Lösungen zu diskutieren. Es sei bereits verschiedene Ansätze und deren Umsetzungsmöglichkeiten besprochen worden, ohne aber zu einem konkreten Ergebnis gekommen zu sein. Nach den Sommerferien werde man über den Fortgang der Besprechungen berichten, versprach Knauber. Er wies aber auch darauf hin, dass es bekanntlich bereits eine Vereinbarung mit der Gemeinde Alfter gebe, wonach dort ein zweiter Standort entstehen solle, wenn sich die Gesamtschule über sechs Züge hinaus entwickele und Kinder aus Alfter in größerer Anzahl an der Gesamtschule angemeldet würden. CDU-Fraktionschef Bernd Beißel befürchtete allerdings, dass dieses Vorgehen in Swisttal als anmaßend empfunden werden könnte. Er plädierte stattdessen dafür, die Landesregierung zu einem Umdenken zu veranlassen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Schüler aus Swisttal den Anspruch hätten, eine Gesamtschule in Rheinbach zu besuchen, obwohl es doch eine Sekundarschule in Heimerzheim gebe, in der ebenfalls nach Gesamtschul-Konzept unterrichtet werde. Das sah auch Knauber so und wünschte sich zumindest eine entsprechende „Interpretationshilfe“ zu diesem Thema seitens der Landesregierung. Jörg Meyer (UWG) wandte ein, das sei wohl auf die Schnelle nicht zu erreichen. Man brauche aber kurzfristige Ansätze, um nicht in einem halben Jahr wieder vor dem gleichen Problem zu stehen, dass man Schüler aus Rheinbach abweisen müsse.

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