Integrationsministerin Irene Alt zu Gast bei den Remagener Grünen
Solidarität zwischen Generationen
Remagen. Netzwerke schaffen, Solidarität zwischen den Generationen leben, Betreuung der Kinder von 1 bis 16, das sind Themen, der sich die „grüne“ Integrationsministerin Irene Alt verschrieben hat. Die gelernte Erzieherin war auf Einladung der Remagener Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Grüne zur offenen Sitzung in die „Casa Antonio“ gekommen, um sich vor Ort berichten zu lassen, wie die Umsetzung der Thesen in der Praxis funktioniert. Sowohl Mitglieder des Migrationsbeirates, wie des Seniorenbeirates der Stadt, sowie politisch interessierte Bürger tauschten ihre Meinung mit der Mainzer Politikerin aus.
Gut aufgestellt in der Kinderbetreuung
Recht gut aufgestellt sei die Stadt Remagen in Fragen der Kinderbetreuung und der Umsetzung der U2-Beschlüsse, die von Bund und Land mitfinanziert werden, so der Tenor der Versammlung. In Sachen demoskopischer Wandel und Barrierefreiheit sei allerdings noch Handlungsbedarf, wurde angemerkt. Auch fehle es an männlichen Erziehern in den Kindergärten, nahm Erzieher Christoph Schmitz schmunzelnd zur Kenntnis. Die Ministerin legte überzeugend dar, dass es ihr eine Herzensangelegenheit sei, Familien zu stärken und Kinder von der Geburt bis zum 16. Lebensjahr in die Welt der Erwachsenen zu begleiten. Allerdings vergaß sie auch nicht, die Erfolge der Rot-Grünen Landesregierung aufzulisten.
Deutliche Reformen umgesetzt
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz habe in den letzten beiden Jahren in zwei Bereichen deutliche Reformen umgesetzt, erläuterte Alt: Zum einen böten die rund 2.500 Kinderbetreuungseinrichtungen im Lande bereits 35 Prozent Plätze für die unter Dreijährigen an, zum anderen besuchten 97 Prozent aller drei- bis sechsjährigen Kinder einen Kindergarten. Im Bundesdurchschnitt seien es weniger als 93 Prozent. Das Besondere sei hierbei, dass auch Familien mit Migrationshintergrund zu rund 92 Prozent ihre Kinder in den Kindergarten schickten. Dies sei über acht Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Stolz ist die Landesregierung auch auf ihre Initiative, für ausländische Mitbürger eine „Willkommenskultur“ schaffen zu wollen. So würden in Seminaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Verwaltungen darin geschult, Einwanderern freundlich zu begegnen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, in Deutschland willkommen zu sein. Auch sei angestrebt, die Quote der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst auf den Prozentsatz der Menschen mit Migrationshintergrund im Bundesland allgemein zu bringen, also von derzeit weniger als 10 Prozent auf angestrebte 17 oder 18 Prozent. Dies hätte zum Beispiel bei Polizei, Lehrern oder im Kindergarten erhebliche Vorteile. Kürzlich gestartet, führte Alt aus, sei in Rheinland-Pfalz eine Einbürgerungsinitiative. Zusammen mit den Landräten sollten Familien, die sich seit langem in Deutschland aufhalten und sich sprachlich und gesellschaftlich integriert hätten, die deutsche Staatsbürgerschaft angetragen werden. Dabei seien auch die Bürgermeister aufgerufen, sich direkt an entsprechende Mitbürger mit Migrationshintergrund in ihren Kommunen zu wenden. Mit Blick auf die islamischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz habe man mit dem landesbezogenen „runden Tisch“ einen vertrauensvollen Dialog einleiten können, an dem gegenwärtig 21 verschiedene Verbände beteiligt seien.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie interessierte auch die Diskussionsrunde. Alleine 460 von insgesamt 600 Millionen Euro Jahresetat des Ministeriums würden in Rheinland-Pfalz für die Kinderbetreuung verausgabt. Dabei sei aber Weiteres zu leisten. Ganztagsschulen reichten nicht aus, um ältere Kinder zu betreuen. So müssten Kinderhorte auch weiter gefördert werden, kam die Ministerin auf ihre Anfangsthese zurück. Mit einem Appell an das politische Engagement von Frauen verabschiedete sich die Frau aus Mainz. Derzeit seien nur 16,8 Prozent aller Mitglieder von Kommunalparlamenten in Rheinland-Pfalz Frauen. Die Bürgerinnen und Bürger auch in Remagen seien deshalb aufgefordert, diesen Anteil bei den Wahlen 2014 deutlich zu steigern. Einen besonderen Dank für den gelungenen politischen „Frühschoppen“ nahm die Ministerin in Form eines „Ruuden von der Ahr“, gerne von Fraktionsvorsitzendem Frank Bliss entgegen.
