Politik | 11.10.2016

Renaturierung des Bächelsbaches macht Fortschritte

Staatssekretär Dr. Thomas Griese überbrachte Förderbescheid

Staatssekretär Dr. Thomas Griese (rechts) begutachtete die getroffenen Maßnahmen zur Renaturierung des Bächelsbaches.WER

Niederzissen. Die Starkregenereignisse im August und September 2014 im Einzugsbereich des Bächelsbaches in Niederzissen sind den Anwohnern im Bereich der Straßen „Im Seifental“ und der „Königsfelder Allee“ noch in schreckhafter Erinnerung. Große Schäden an Grundstücken und Wohnhäusern durch Hangerosionen und Überflutungen entstanden. Um derartige Folgen zukünftig zu verhindern, hat die Verbandsgemeinde Brohltal in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Becker aus Heimersheim und der Ortsgemeinde Niederzissen ein Hochwasserschutzkonzept für diesen betroffenen Bereich aufgestellt, das auch die Renaturierung des Gewässers vorsieht. Das Konzept beinhaltet eine Bedarfsplanung zum Hochwasser- und Überflutungsschutz im Einzugsgebiet des Bächelsbaches. Danach sollen Maßnahmen wie Rückhaltungen im Außengebiet, einer strukturierten Außengebietsentwässerung und Einzelschutz für Gebäude in topographisch ungünstiger Lage, die Gewässerentwicklung des Bächelsbaches mit Schaffung von Entwicklungs- und Rückhalteräumen im Vordergrund stehen. So erhält der Bach ein breiteres und flacheres Bett, wodurch die Talaue reaktiviert und der Retensionsraum vergrößert wird. Daneben wird das Gewässer über eine Länge von rund 800 m renaturiert und auf einem rund 300 m langen bisher verrohrten Abschnitt offen gelegt. Diese Verrohrung ist in vielen Bereichen zu klein dimensioniert und auch an vielen Stellen defekt und teilweise eingebrochen. Hier soll der Bächelsbach freigelegt werden, um somit einen größeren Abfluss zu gewährleisten, aber auch den Bach im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie wieder ökologisch aufzuwerten. Aber auch an anderen Stellen werden unnötige Verrohrungen zurückgebaut und durch Überfahrten oder Furten ersetzt. Die direkt hinter der Bebauung gelegenen landwirtschaftli-chen Flächen wurden angekauft und in Grünland umgewandelt. Hier werden Rückhaltemulden angelegt und Obstbäume gepflanzt. Bereits auf der Anhöhe zum Marienköpfchen werden zwei Regenrückhaltebecken gebaut, die das ankommende Wasser bei Starkregen zurückhalten sollen.Aufgrund der Starkregenereignisse vor zwei Jahren haben auch private Grundstückseigentümer Maßnahmen zum Schutz ihrer Grundstücke getroffen. Mit der Renaturierung des Bächelsbaches oberhalb der Wohnbebauung wurde Mitte August begonnen. Diese Maßnahme wird in den nächsten Tagen fertig gestellt. Die Offenlegung im anschließenden Bereich soll ebenfalls noch im Herbst dieses Jahres beginnen. Mit den Arbeiten zur Rückhaltung der Außengebieteswässer soll Anfang 2017 begonnen werden, so dass die Gesamtmaßnahme im Sommer 2017 abgeschlossen werden kann. So durften sich Vertreter von Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde und den Anliegern freuen, dass Staatssekretär Dr. Thomas Griese vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz nach Niederzissen kam, um persönlich die Maßnahme zu begutachten und gleichzeitig den Förderbescheid über 652.000 Euro für die Renaturierung des Bächelsbaches zu überbringen. Damit übernahm das Land Rheinland-Pfalz 90 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 725.000 Euro. „Mit der vorgesehenen Renaturierung und der Schaffung von Rückhalteräumen wird hier vor Ort aber nicht allein der Hochwasserschutz vorbildlich verbessert. Die Maßnahme bringt auch ganz im Sinne der Aktion Blau Plus deutliche ökologische Mehrwerte, in dem wert-volle Gewässerstrukturen gefördert und die Durchgängigkeit hergestellt werden“, erklärte Staatssekretär Griese. Er wies dabei auch auf die Bedeutung des 2013 ein-geführten Wassercents hin, durch dessen 100-prozentige Zweckbindung die Finanzierung solcher wichtiger Maßnahmen erfolgen könne, die von den Kommunen allein nicht zu tragen wären. „Neben den Hochwassergefahren, die von unseren großen Flüssen ausgehen, be-schäftigen uns zunehmend auch abseits der Flüsse Überschwemmungen durch Starkregenereignisse“, erklärte der Staatssekretär. „Extreme Wetterphänomene treten weltweit immer häufiger und auch bei uns in Deutschland auf und werden angesichts des Klimawandels weiter an Brisanz gewinnen. Bereits jetzt geht die Hälfte aller Hochwasserschäden auf Starkregenfälle zurück, und Klimaforscher erwarten, dass extreme Wetterereignisse zunehmen.“ Er zeigte sich überrascht von dem Ausmaß der Starkregenereignisse angesichts des derzeit eher als kleines Rinnsal dahinfließenden Bächelsbaches. Bürgermeister Johannes Bell dankte Staatssekretär Griese für die hohe finanzielle Unterstützung des Landes bei dem Vorhaben. Er nahm die Gelegenheit wahr, um auf die anstehenden geplanten Maßnahmen innerhalb der VG Brohltal im Rahmen der Aktion Blau Plus in Spessart und Burgbrohl hinzuweisen, für die ebenfalls Förderanträge gestellt sind bzw. in Kürze gestellt werden und wies auf das beschlossene Gesamthochwasserkonzept der Verbandsgemeinde Brohltal hin, für das in Kürze nach Abstimmung mit dem IBH ein Zuschussantrag im Rahmen der Aktion Blau Plus eingereicht wird. Bell sprach im Hinblick auf die Renaturierung des Bächelsbaches von einem gelungenen Gemeinschaftsprojekt von Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde, dem Zuschussgeber, den Anliegern und der Verwaltung. Ebenso dankte er dem Planungsbüro sowie der den Bau ausführenden Firma wie auch den Anliegern für die Mitarbeit. WK

Staatssekretär Dr. Thomas Griese überbrachte Förderbescheid

Staatssekretär Dr. Thomas Griese (rechts) begutachtete die getroffenen Maßnahmen zur Renaturierung des Bächelsbaches.Foto: WER

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