Umbau der Rheinbacher Gesamtschule kostet die Stadt Rheinbach 15,8 Millionen Euro
Standort für die Gesamtschule festgelegt
Die jungen Schüler sollen in der Realschule und die älteren in der Hauptschule unterrichtet werden
Rheinbach. Die Entscheidung für eine Gesamtschule kommt der Stadt Rheinbach teuer zu stehen. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Schulausschusses deutlich, bei der es um die räumliche Unterbringung der Rheinbacher Gesamtschule ging.
Selbst bei Verteilung der Schüler auf die bisherige Hauptschule am Dederichsgraben und auf die Tomburg-Realschule in der Villeneuver Straße reichen die vorhandenen Räume bei Weitem nicht aus, um die fünfzügige Schule mit den Jahrgangsstufen fünf bis 13 unterzubringen. Beide Standorte müssen erweitert, umgebaut und saniert werden, dafür sollen stolze 15,8 Millionen Euro investiert werden.
Die dafür notwendigen Planungen brachte der Ausschuss einstimmig auf den Weg.
Um die Entscheidung auf eine sachlich fundierte Basis zu stellen, war Architekt Wolfgang Beyß (Rheinbach) mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden, die er dem Ausschuss vorstellte.
Er habe alle in Betracht kommenden Standorte einschließlich des bald leer stehenden Pallotti-Kollegs in die Überlegungen einbezogen, so Beyß. Grundannahmen seien die dauernde Fünfzügigkeit der Gesamtschule sowie das im Schulentwicklungsplan vorgegebene Raumprogramm gewesen.
Drei Hauptvarianten wurden untersucht
Variante eins berücksichtigte ausschließlich die Gesamtschule mit Standorten an der bisherigen Realschule und der Hauptschule. Variante zwei sieht die beiden Gesamtschul-Standorte an der Realschule und im ehemaligen Pallotti-Kolleg. Bei Variante drei würde das Städtische Gymnasium komplett umziehen und am Standort der Realschule sowie des Pallotti-Kollegs unterkommen, während die Gesamtschule am jetzigen Standort von Hauptschule und Gymnasium angesiedelt würde.
Letztlich käme aber nur eine Variante infrage, so Beyß.
Das Gymnasium bleibt, wo es ist, und die Gesamtschule wird auf zwei Standorte aufgeteilt: die Jahrgangsstufen fünf bis acht werden in der bisherigen Tomburg-Realschule untergebracht und die Jahrgangsstufen neun bis 13 in der Hauptschule an Dederichsgraben.
Hierfür sprächen insbesondere die im Vergleich geringsten Kosten, die allerdings immer noch 15,8 Millionen Euro betragen.
Alle anderen Varianten würden zwischen 19,3 und 34,6 Millionen Euro kosten, rechnete der Architekt vor, und das ohne die Kosten für den notwendigen Erwerb des Pallotti-Geländes, falls man es nutzen wolle.
Europaweites Ausschreibungsverfahren notwendig
Außerdem geht die Umsetzung der Baumaßnahmen am schnellsten. Obwohl man bei dieser Investitionssumme gezwungen sei, ein europaweites Ausschreibungsverfahren durchzuführen, das allein schon neun Monate bis ein Jahr dauert, sei mit Fertigstellung aller Baumaßnahmen bis Ende 2018 zu rechnen. Es stelle den geringstmöglichen Eingriff in die vorhandene Schullandschaft dar und benötigte keine zusätzliche Liegenschaft mit entsprechenden Folgekosten. Die Variante sei logistisch einfach zu realisieren und verursache keine Leerstände in anderen Schulen nach Abschluss der Maßnahme. Pädagogisch allerdings stelle diese Variante für die Gesamtschule eine Herausforderung dar, weil der Betrieb einer Schule an zwei Standorten nicht die gleiche Zusammenarbeit ermögliche wie an einem Standort. Doch eine ähnliche Problematik ergebe sich derzeit an vielen neu gegründeten Schulen im Lande.
Mensa im Untergeschoss der Realschule
Die Klassen- und Fachräume inklusive aller Nebenräume ließen sich für die Jahrgangsstufen fünf bis acht gut in bestehenden Schulgebäuden der Tomburg-Realschule unterbringen, hatte der Fachmann errechnet. Allerdings halte er die ursprünglich angedachte Lösung, die Mensa in der Stadthalle unterzubringen und die dortige Küche mit zu nutzen, für nicht praktikabel. Zum einen gebe es Überschneidungen in der Nutzungszeit, zum anderen sei die Küche der Stadthalle selber sanierungsbedürftig. Deshalb schlage er vor, das Untergeschoss des naturwissenschaftlichen Traktes, der zurzeit überwiegend als Abstellbereich genutzt werde, umfassend um- und auszubauen, und dabei die Bodenplatte tiefer zu legen. Zudem sollen neue Fenster eingebaut, das Außengelände abgesenkt und neu gestaltet werden, um so die Mensa in das bestehende Schulgebäude zu integrieren.
Auch in der jetzigen Hauptschule am Dederichsgraben könnten sämtliche notwendigen Klassenräume und Nebenräume für die Jahrgangsstufen neun bis 13 gut untergebracht werden. Allerdings werde für die Fachräume ein zweigeschossiger Neubau erforderlich, der im vorderen Grundstücksteil parallel zur Straße stehen könnte. Da die älteren Schüler die Mensa erfahrungsgemäß weniger nutzten als die unteren Klassen, könne hier die Mensa des Gymnasiums mitgenutzt und auf einen Neubau verzichtet werden.
Manche Überlegung erscheint aberwitzig
„Manche Überlegung erscheint unter Kostenaspekten ziemlich aberwitzig“, gab der Erste Beigeordnete Dr. Raffael Knauber zu, doch es sei wichtig, vor einer solch schwerwiegenden Entscheidung alle Optionen geprüft zu haben. „Jetzt sind wir in der Lage, eine qualifizierte Entscheidung zu treffen“, bestätigte Joachim Schneider (CDU). Seine Fraktion könne guten Gewissens die Variante 1 unterstützen. Die Kosten seien halbwegs akzeptabel, aber zu rechtfertigen, und alle anderen Varianten kosteten mehr Geld, ohne mehr Nutzen zu bringen. Martina Koch (SPD) sah das genauso. „Wir hätten alle gewollt, dass die Gesamtschule an einem Standort untergebracht werden könnte - das ist aber völlig illusorisch“, wusste sie. Es sei klar gewesen, dass die Sache nicht billig wird, „aber für unsere Kinder und für die Zukunft von Rheinbach als Schulstandort müssen wir das investieren“, war sie überzeugt.
„Was gemacht werden muss, muss gemacht werden“, bestätigte Joachim Schollmeyer (Grüne). Allerdings war er nicht ganz überzeugt, dass eine 200 Quadratmeter große Mensa für 600 Schüler ausreiche, wie sie derzeit für Standort an der ehemaligen Tomburg-Realschule vorgesehen sei. Jörg Meyer (UWG) merkte an, dass mit den enormen Baukosten auch eine Reihe von dringend notwendigen Sanierungen und Modernisierungen abgehakt werde, beispielsweise würden Aufzüge eingebaut, um die Inklusion zu erleichtern. Er sah auch den Ausbau des Untergeschosses der Realschule als sinnvoll an, war aber nicht überzeugt davon, dass man am bisherigen Hauptschul-Standort ohne eigene Mensa auskommen könne. Er stellte aber auch klar: „Mit dieser Standortentscheidung ist eine Sechszügigkeit für alle Zukunft ausgeschlossen, damit grenzen wir uns ganz schön ein.“
Mangelnde Wert- schätzung der Sachkompetenz
Stefan Schwarzer, Leiter des Städtischen Gymnasiums, machte deutlich, dass alle Rheinbacher Schulleiter sich gemeinsam ebenfalls für die Variante eins entschieden hätten. Man lege aber Wert auf die Feststellung, dass bei der Umsetzung die jetzt schon vorhandenen technischen Voraussetzungen zumindest beibehalten werden müssten. Zugleich bedauerte er, dass von den Fraktionen die Fachkompetenz der Schulleiter bislang nicht genutzt worden sei, um über die künftige Gestaltung der Gesamtschule zu beraten. „Wir sehen das nicht als Zeichen guter Zusammenarbeit, sondern als Zeichen mangelnder Wertschätzung unserer Sachkompetenz“, kritisierte er.
