Politik | 01.03.2016

Die sympathische Stimme der Landwirtschaft wird künftig schweigen

Trauer um Hans Boes

Der langjährige Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes war auch ein angesehener Kommunalpolitiker mit Herz und gesundem Menschenverstand

Hans Boes †Fix

Gimmigen. Hans Boes, einer der bekanntesten und sympathischen Bürger des Kreises Ahrweiler, ist tot. Der Vollblut-Landwirt, der als „Wetterbauer“ weit über die Grenzen des Kreises hinaus bekannt war, verstarb am 28. Februar im Alter von 73 Jahren nach langer, schwerer Krankheit. Der Tod des bürgernahen Originals, der es verstand, ebenso humorvoll wie beharrlich für „seine Sache“ zu kämpfen, fand bundesweit in zahlreichen Medien seinen Niederschlag und war sogar der Zeitschrift „Focus“ eine Meldung wert. „Seine Sache“ hatte stets und über viele Jahrzehnte hinweg immer mit der Natur und der Landwirtschaft zu tun. So bezeichnete ihn Landrat Dr. Jürgen Pföhler jüngst als „Urgestein der Ahrweiler Land- und Weinwirtschaft“, der in seinen 33 Jahren als Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes und als ehemaliger Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau vieles für die hiesige Region und den Berufsstand bewirkt habe. „Er hat den Bauern Stimme und Gesicht gegeben“, so Pföhler, der die Eigenschaften von Hans Boes so zusammenfasste: „Handelnd, zupackend, nach zukunftsfähigen Lösungen suchend.“

Den Umbruch im Agrarbereich an vorderster Front begleitet

Diese Eigenschaften seien in seiner Position besonders wichtig gewesen, denn Deutschland befand sich in einem starken Umbruch von der Agrar- und Industriegesellschaften zur Dienstleistungsgesellschaft. Boes habe über drei Jahrzehnte hinweg die vielfältigsten Veränderungen und Entwicklungen unmittelbar vor Ort und damit quasi an vorderster Front begleitet. Er habe den Strukturwandel erlebt und erfahren und dabei unzähligen Berufskollegen mit Rat und Tat vorbildlich zur Seite gestanden. Ein äußeres Zeichen der Anerkennung sei die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewesen, seine Stimme habe immer Gewicht besessen. „Wenn es um die Interessen unserer Landwirte ging, hat Hans Boes gerne auch einmal unkonventionelle Wege eingeschlagen“, erinnerte Pföhler unter anderem an die Proteste gegen den Verfall des Milchpreises in Ahrweiler, das vehemente Engagement für den Erhalt der alten Weinbergs-Terrassen und gegen das Kirr- und Fütterungsverbot beim Wild. „Nicht nur was er gemacht hat, sondern auch wie er es gemacht hat, wird in Erinnerung bleiben“, sagte der Landrat voraus. Nicht zu vergessen seine Radiobeiträge als „Wetterbauer“, hier habe er mit Lebenserfahrung, Sachverstand und Naturkenntnis seiner Vorhersagen immer auf eine humorvolle Weise vorgetragen. „Auch damit habe er seinem Berufsstand alle Ehre gemacht und zugleich Werbung für den Kreis und die ganze Region.

Keine Scheu, sich mit höheren Ebenen anzulegen

Boes war ein Landwirt und auch Kommunalpolitiker mit Herz, der sich auch nicht davor scheute, sich mit Behörden, Politikern oder mit Verbänden auf höherer Ebene anzulegen, wenn es darum ging, Schaden von seiner Heimat oder seinem Berufsstand abzuwenden. Große Reden waren nicht seine Sache, seine ebenso knappen wie treffenden Anmerkung im Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo er bis zu seinem Tod Fraktionschef der Freien Wähler war, oder im Kreistag von Ahrweiler, dem er von 1989 bis 2014 angehörte, sind legendär. Geradlinig vertrat er stets seine Meinung, die von gesundem Menschenverstand gekennzeichnet war. Bei zahlreichen weitreichenden Entscheidungen trug mit seinen Anregungen wesentlich zur Entwicklung von Kreis und Stadt bei. Als Vertreter seines Berufsstandes stand er stets in der ersten Reihe, wenn es darum ging, Proteste zu orga nisieren. Zuletzt warnte er vor der Gentechnik und vor der zunehmenden Flächenversiegelung, indem wertvolle Ackerflächen für Bau- oder Gewerbegebiete geopfert werden.

Hans Boes hinterlässt neben seiner Ehefrau, mit der er 52 Jahre verheiratet war, auch vier Kinder und neun Enkel. Er selbst war das jüngste von elf Geschwistern und erfreute sich zeitlebens am engen Zusammenhalt im großen Familienclan. Noch auf dem Sterbebett gab er das Buch in Druck, das er in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben hatte und das demnächst erscheinen soll.

Seine Beisetzung ist am Donnerstag, 3. März, um 14:15 Uhr auf dem Friedhof im Kirchdaun.

Hans Boes †Foto: Fix

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