Verwaltung und Stadtrat Bendorf hoffen auf 90 Prozent Förderung für Sanierung und Renovierung
Turnhalle Sayn soll weiterhin „sein“
Diskussion über Behindertentoilette – 1,75 Millionen Fehlbetrag bei Jahresrechnung 2019
Bendorf. „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“, heißt es in William Shakespeares „Hamlet“. Diese Frage beantwortete jetzt der Bendorfer Stadtrat für die Turnhalle Sayn: Die soll weiterhin „sein“, obwohl sie wegen Baufälligkeit eigentlich abgerissen werden müsste.
Da es für einen Neubau an dieser Stelle keine Genehmigung mehr geben würde, soll die etwa 50 Jahre alte Halle saniert und renoviert werden. Im Vordergrund stehen hier die Baugrundertüchtigung und die maroden Fundamente im hinteren Hallenbereich, der an den Saynbach grenzt. Gleichzeitig soll es einen modernen Innenausbau und ein energetisches Facelifting geben.
Vorgesehen sind ein großzügiges Foyer für Garderobe und Thekenbereich, sowie ein Fahrstuhl zur Galerie und in den Keller mit sanitären Anlagen, Umkleidekabinen und Duschen. Die Fassade erhält ein mit Rankpflanzen begrüntes Blechspalier, hinter dem Mineralwolle für die Wärmedämmung sorgt, das Dach wird auch begrünt.
Eine Vergrößerung des Baukörpers ist wegen mangelnder Genehmigung jedoch nicht möglich, obwohl die Halle den Bedingungen für Ballsportarten nicht entspricht. Dennoch sei die Turn- und Mehrzweckhalle für die Stadtteil Sayn sehr wichtig, da sie intensiv genutzt würde, u.a. von 200 Kindern, erklärten Ratsmitglieder.
Jedoch ist das „Sein“ der Turnhalle Sayn kostenaufwendig: 2,6 Millionen Euro sind notwendig, wenn die Pläne, laut Stadtbürgermeister Michael Kessler ein „erster Aufschlag“, so realisiert würden.
Aber wer soll das bezahlen? Der Bund über sein Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Hier gibt es, falls Bendorf in den begehrten Fördertopf fällt, 90 Prozent Zuschuss. Blieben für die Stadt also nur noch rund 260 000 Euro. Dem stimmten alle Ratsmitglieder zu.
„Ein wunderbarer Entwurf und ein tolles Projekt“, schwärmte Bürgermeister Michael Kessler in der Stadthalle, wo er zum letzten Mal Vorsitzender einer Ratssitzung war, denn er scheidet einige Tage später aus seinem Amt.
Werkleiter Klaus Kux verabschiedet
Apropos Ruhestand: Zu Beginn der Sitzung verabschiedete der Bürgermeister ein „Urgestein“ der Bendorfer Stadtverwaltung: Klaus Kux, der mit 15 Jahren Verwaltungslehrling wurde, sich zum Werkleiter hoch qualifizierte und 2021 ein halbes Jahrhundert bei der Stadtverwaltung Bendorf wäre.
Insgesamt beschäftigte sich der Stadtrat in seiner öffentlichen Sitzung mit einem guten Dutzend Tagesordnungspunkte, bei denen es u.a. um Infos für das Gremium und die Aufstellung von Bebauungsplänen ging. Themen waren hier die Verkehrsuntersuchungen Brauereistraße/Brexbachtalbahn und Remystraße/Vierwindenhöhe, wobei es ebenso wie bei Hauptstraße/Rhein-Dinas-Straße noch um Bebauungspläne ging.
Nachdem die ehrenamtliche Beigeordnete Loni Wellert erklärt hatte, dass die Prüfung der Jahresrechnung 2019 - Fehlbetrag rund 1,75 Millionen Euro – ordnungsgemäß und ohne Beanstandungen ist, erteilte der Rat Bürgermeister Michael Kessler und dem Ersten Beigeordneten Bernhard Wiemer einstimmig Entlastung.
Grünes Licht gab das Gremium auch den Mehrkosten von 117.500 Euro beim Breitbandausbau und für die Ausfallbürgschaft über 1,3 Millionen Euro für das Land Rheinland-Pfalz zugunsten der Rheinhafen Bendorf GmbH. Die baut nächstes Jahr für 4 Millionen Euro ein weiteres Stück Kaimauer, die derzeit schräg in den Rhein ragt und das Anlegen der Schiffe stört, aus und um.
Große Diskussionen, sogar mit Beratungspause, gab es bei einem Antrag der Freien Wählergruppe Bendorf der Umweltalternative Mittelrhein (WUM) für den Bau einer barrierefreien Toilette im Bendorfer Stadtpark, die laut Fraktion etwa 80 000 Euro kosten würde.
Dies hatte der Bau- und Vergabeausschuss Anfang November abgelehnt und auch die Verwaltung will den Container nicht. Denn beim Projekt „Neue Mitte Bendorf“ müsse wegen Fördermöglichkeiten alles aus „einem Guss“ sein.
Der Rat fasste einen Grundsatzbeschluss für eine Behindertentoilette in der Innenstadt, die Verwaltung soll ein Finanzierungskonzept vorstellen und vom Beirat für Beeinträchtigte soll jemand zu dem Thema in der nächsten Ratssitzung sprechen. HEP
Bürgermeister Michael Kessler (r.) verabschiedete Werkleiter Klaus Kux, der 2021 ein halbes Jahrhundert bei der Stadtverwaltung wäre. Foto: HEP