Politik | 21.08.2019

Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung Remagen

Umstritten, aber wohl unverzichtbar

Lebhafte Diskussion über Palmöl am Donnerstag der vergangenen Woche im evangelischen Gemeindehaus

Die Referenten Benita Heinze und Oliver Ramme und das Organisationsteam.Foto: privat

Remagen. Einerseits: Ölpalmen sind bezogen auf die Fläche die produktivsten Ölpflanzen, die es weltweit gibt. Anstelle eines Hektars Ölpalmen werden rund sieben Hektar Raps benötigt, um die gleiche Menge Öl zu erhalten. Daher wird es in naher Zukunft kaum möglich sein, auf Ölpalmen zu verzichten. So müsste allein Deutschland seine bereits heute riesigen Äcker mit Raps versiebenfachen, ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem ist Palmöl im Gegensatz zu anderen Pflanzenölen geschmacklos und dafür gut für Lebensmittel geeignet. Es lässt sich zudem leicht herstellen, transportieren und lagern – und es ist billig.

Andererseits: Wegen ihrer Bedeutung für den weltweiten pflanzlichen Ölverbrauch werden auf immer mehr Flächen gerade in den Tropen Südostasiens Ölpalmen angepflanzt. Das Geschäft mit Palmöl bringt viel Geld ein. Für viele der neuen Pflanzungen, vor allem in Indonesien und Malaysia als den beiden größten Produktionsländern, wird dafür Tropenwald gerodet. Dieser ist wiederum fürs Weltklima extrem wichtig. Was also tun? Ganz auf Palmöl verzichten?

Dieser Frage ging eine Veranstaltung am Donnerstag der vergangenen Woche im evangelischen Gemeindehaus in Remagen nach. Eingeladen hatten der Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung (AeB), der Eine-Welt-Laden Remagen-Sinzig und der ebenfalls in Remagen ansässige Fairein, drei Vereine, die sich fairem Handel verpflichtet fühlen. Durch den Abend führte Bettina Fellmer vom AeB.

Dass das Thema höchst aktuell ist, zumal gerade in diesen Tagen Palmöl in die Kritik der Medizin geraten ist, zeigten die mehr als 80 Besucher, die in den Gemeindesaal drängten. Dieser Umstand ist auch der Tatsache geschuldet, dass mit Benita Heinze und Oliver Ramme von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Sitz in Bonn und Eschborn zwei Fachleute ersten Ranges zur Verfügung standen. Allerdings wurden am Ende die Befürworter eines Verbots von Palmöl in Deutschland enttäuscht.

Gerade deshalb, weil alle Alternativen zu den 70 Millionen Tonnen Palmöl, die im Jahr in den Handel kommen, noch schlechter für die Umwelt sein würden, kann es, so die Referenten, nicht um ein Verbot gehen. Dies sei völlig unrealistisch. Auch würden die Produktionsländer ohne Ölpalmen schwere wirtschaftliche Verluste erleiden und folglich nicht mitmachen. Zudem würde China als größter Abnehmer nicht mitmachen.

Die einzige Alternative, um zum Schutz des Tropenwalds beizutragen sei, so Heinze und Ramme, Palmöl nur aus zertifiziertem Anbau zu kaufen. Und da habe Deutschland schon einen guten Schritt nach vorn gemacht. So seien von den rund eine Million Tonnen Palmöl, die pro Jahr nach Deutschland kämen, heute 78 Prozent aus zertifiziertem Anbau. Weltweit seien dies nur 20 Prozent. Allerdings müssten endlich auch die Branchen aufwachen, die heute weiterhin mehrheitlich Palmöl aus unkontrollierten Quellen bezögen. Hierzu gehöre die Futtermittel- und die Chemieindustrie.

Nach dem Sachvortrag entspann sich eine heftige Diskussion, bei der auch weiterhin ein Verbot von Palmölimporten nach Deutschland verlangt wurde. Zudem gäbe es gute Gründe, weniger Palmöl zu nutzen, das mit Blick auf Gesundheitswirkungen im Vergleich mit Rapsöl oder Olivenöl deutlich schlechter abschneiden würde.

Die Veranstaltung, die im Rahmen des Lokalen Aktionsplans Remagen stattfand und durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert wurde, endete mit der traditionellen Übergabe eines Bioweinpräsents von der Ahr durch den Vorsitzenden des Arbeitskreises für entwicklungspolitische Bildung, Frank Bliss, an die beiden Referenten.

Zugleich verwies Bliss auf die nächste Veranstaltung zum fairen Handel, die bereits am Donnerstag, 29. August, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus von Remagen stattfindet, nämlich die Auftaktveranstaltung zur Initiative, Remagen in den Kreis der deutschen Fairtrade-Städte aufzunehmen.Pressemitteilung

Arbeitskreis für

entwicklungspolitische

Bildung Remagen

Die Referenten Benita Heinze und Oliver Ramme und das Organisationsteam.Foto: privat

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