Quartiersmanager hat Arbeit im Raiffeisenring aufgenommen
Unterschiedliche Milieus sollen zusammengebracht werden
Neuwied. An kaum einer anderen Stelle in Neuwied leben so viele Menschen unterschiedlicher Milieus und Nationalitäten zusammen wie im Raiffeisenring. Das verläuft nicht immer ohne Reibung. Das Diakonische Werk stellte kürzlich den neuen Quartiersmanager Mario Seitz vor. Er soll Konflikte lösen und die Menschen näher zusammenbringen. Bürgermeister Michael Mang mochte zwar nicht von einem Brennpunkt reden. Es gebe aber gute Indikatoren, dass gewissen Entwicklungen im Raiffeisenring entgegengesteuert werden müsse. Wolfgang Hartmann, der Leiter des Sozialamts, erinnerte daran, dass die Überlegungen für ein Quartiersmanagement bis ins Jahr 2007 zurückreichen. Ein zweites Programmgebiet, neben der „Sozialen Stadt“ im Südosten der Innenstadt, sei aber aus finanziellen Gründen nicht zustande gekommen.
Von einem langen Weg sprach Sven Lefkowitz. Der SPD- Landtagsabgeordnete, der selbst im Ring wohnt, ist zuversichtlich, dass die Identifikation der Menschen mit ihrem Quartier steigen wird. „Überwiegend leben die Menschen gern hier. Die Schattenseiten müssen nun abgemildert werden“, so Sven Lefkowitz.
Dass der Raiffeisenring nun doch ein Quartiersmanagement bekommt, ist der Diakonie und der Glückspirale zu verdanken. Mit 127.000 Euro für drei Jahre ermöglicht die Deutsche Fernsehlotterie das Projekt.
Bei der Vorstellung des Maßnahmenplans gab es viele strahlenden Gesichter. Grund zur Freude hatten allen vor allem Mario Seitz und Diakonie Geschäftsführerin Renate Schäning. „Wir sind froh, das Handlungskonzept nun auch umsetzen und den Prozess weiter begleiten zu können“, sagten die beiden.
Mario Seitz hat den Maßnahmenkatalog erstellt. Im Raiffeisenring kennt sich der Heddesdorfer aus, weiß um die Bedürfnisse und Befürchtungen der Menschen. Mario Seitz ist nicht nur Master der Erziehungswissenschaften, sondern hat als Schulsozialarbeiter an der Geschwister-Scholl-Schule bereits mehrere Jahre praktische Erfahrungen sammeln können.
Auch das Diakonische Werk ist bereits seit längerem ein Akteur im Raiffeisenring. Der Wohlfahrtsverband organisiert unter anderem die Kleiderkammer, ein wöchentliches Frühstück und die besonders wichtige Hausaufgabenbetreuung. Mario Seitz hat darüber hinaus viel vor.
Er möchte das Interesse der Menschen am Quartier wecken und sie ermuntern, sich persönlich einbringen. Die Menschen sollen auch die Möglichkeit der Partizipation erhalten. Der Quartiersmanager kann sich vierteljährliche Stadtteilkonferenzen vorstellen. In einer Ideenwerkstatt sollen die Bewohner Vorschläge machen, was sie sich wünschen und wie sie sich einbringen könnten.
Den öffentlichen Raum möchte Mario Seitz mit Kulturveranstaltungen, Autorenlesungen, Bücherschrank, einem Senioren Tanzcafé und anderen Projekte aufwerten. Eine seiner wesentlichen Aufgaben liegt im Lösen von Konflikten. Zu festen Sprechzeiten am Tage und für die Berufstätigen in den Abendstunden, wird er im Bürgerbüro anzutreffen sein. Bislang ist das noch im „Treff am Ring“.
Derzeit sind die Stadtverwaltung und die Gemeindliche Siedlungsgesellschaft (GSG) noch auf der Suche nach einem neuen Standort, der mehr Platz für Begegnung und Veranstaltungen bietet. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ist als größter Vermieter ebenfalls als Akteur für ein lebenswertes Umfeld im Boot. Von einem „wunderbaren Programm“ sprach Bürgermeister Michael Mang. Anders als die „Soziale Stadt“ handele es sich aber nicht um ein Städtebauförderprogramm, sprich es geht nicht um bauliche Veränderungen. Neben der Diakonie und der Fernsehlotterie bringt auch die Stadt Neuwied Geld in das Projekt ein.
Der Bürgermeister sprach der Politik seinen Dank für die Unterstützung aus. Zunächst beginnt Mario Seitz mit einer dreiviertel Stelle. Im Haushalt 2020 der Stadt Neuwied sind Mittel für die Aufstockung zur Vollzeitstelle vorgesehen. Wolfgang Hartmann ist sich sicher, dass Präsenz allein nicht reicht. „Die Menschen müssen persönlich angesprochen werden“. Eine Erfahrung, die Hildegard Luttenberger unterstreicht.
Die Vorsitzende von Gemeinschaftlich Wohnen e.V. hatte als neue Bewohnerin schon mehrfach vergeblich versucht, die Nachbarn einzubinden. Positive Erfahrungen sammelte sie dagegen mit konkreten Projekten. Als der Verein kürzlich ein Vogelhäuschen installierte, waren schnell Unterstützer mit Vogelfutter vor Ort. So ist man ins Gespräch gekommen.
FF
