Politik | 18.12.2017

Amtseinführung und Vereidigung von Ulrich Richter-Hopprich in der Stadthalle Montabaur

VG Montabaur begrüßte ihren neuen Bürgermeister

Der Neue: „Kirchturmspolitik findet bei mir kein Gehör!“

Wechsel auch für die weiblichen Partnerinnen: Edmund Schaafs Ehefrau (rechts) kann sich jetzt über mehr Zeit mit ihrem Mann freuen, bei Frau Richter-Hopprich (links) wird das Gegenteil der Fall sein.

Montabaur. Dem neuen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur wurde als Erstes mal richtig der Marsch geblasen - vom Musikverein Holler bei der feierlichen Amtseinführung vor 220 Gästen in der Stadthalle Montabaur. Bürgermeister Edmund Schaaf hatte die erste Rolle am Rednerpult, er begrüßte die Anwesenden der öffentlichen Verbandsgemeinderatssitzung. Er hatte gut zehn Minuten damit zu tun, die vielen Ehrengäste zu begrüßen, darunter auch ehemalige Wissenschaftskollegen und Lehrprofessoren von Ulrich Richter-Hopprich. In Trier hatte er Jura und Philosophie studiert und später dort auch im wissenschaftlichen Dienst gearbeitet.

Landrat Achim Schwickert sagte: „Ich soll hier ein Grußwort sprechen! Aber im Moment arbeitet der neue Bürgermeister ja noch bei mir im Kreishaus - eigentlich müsste ich ein Abschiedswort sprechen!“ Ulrich Richter-Hopprich übt seit Sommer 2013 in der Montabaurer Kreisverwaltung die Funktion des Vorsitzenden im Kreisrechtsausschuss aus. Landrat Schwickert sagte zu seinem Noch-Mitarbeiter: „Ich möchte dir für das Amt viel Glück wünschen. Deine Themen sind auch die Themen des Kreises, denn wir sind eine kommunale Gemeinschaft. Unsere Aufgabenstellung für die Bürger ist die Gleiche, das geht nur in einer Gemeinschaft. Dabei geht es nicht immer um Zuständigkeiten. Es gibt Zeiten, da muss man einfach mal machen!“ Auf die Notwendigkeit, in kommunalen Spitzenämtern Entscheidungen bei gegensätzlichen Interessenslagen zu treffen, machte der Landrat den neuen Bürgermeister aufmerksam mit den Worten: „Lieber Ulrich, herzlich willkommen zwischen den Stühlen!“ Wer zum Beispiel neue Baugebiete ausweisen wolle, müsse Flächen verbrauchen. Das erzeuge in der Regel Widerstände. Schon stehe der Verwaltungs-Chef zwischen verschiedenen Interessenlagern. An die Ehefrau des neuen Herrn im Montabaurer Rathaus gerichtet, die mit den beiden kleinen Kindern an der Amtseinführung teilnahm, sagte Achim Schwickert: „Frau Hopprich, es wird alles anders kommen, als Sie jetzt denken!“

Der neue Bürgermeister gab den Anwesenden in seiner ausführlichen Rede einen Einblick in die Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit. Er sagte: „Ich habe die Anfragen und Vorschläge, die ich in den fünf Monaten des Wahlkampfs an über 1.000 Türen eingesammelt habe beantwortet. Ich habe erneut jede einzelne Gemeinde in unserer Verbandsgemeinde besucht. Ich habe mich mit vielen Gruppen, Vereinen getroffen und auch viele Einzelpersonen, die sich und ihre Anliegen vorstellen wollten. Ich habe mich mit allen Fachbereichsleitern getroffen und mit der Personalratsvorsitzenden. Regelmäßig habe ich auch mit Andree Stein zusammen gesessen und wir haben ganz offen und produktiv gemeinsam überlegt, wie wir die Verbandsgemeinde in den nächsten acht Jahren voranbringen werden. Eine besondere Rolle hat in den letzten Monaten Bürgermeister Edmund Schaaf eingenommen, der die Einführung begleitet und mich vor wesentlichen Entscheidungen nach meiner Einschätzung gefragt hat. Dafür gilt ihm mein aufrichtiger Dank.“

An den Themengebieten Jugend, Familien, ältere Generationen, Nahversorgung, Mobilität, Infrastruktur, Brand- und Katastrophenschutz, Ehrenamt, Wirtschaftsförderung sowie Umwelt erläuterte Richter-Hopprich seine Vorstellungen neuer Wege in eine gute Zukunft. Das Engagement der Vereine, interessante Angebote für die Jugend vorzuhalten, will er weiter unterstützen. Die Verbandsgemeinde müsse ihre Anstrengungen erhöhen, die Situation im Schulsport zu verbessern. Die Ortsgemeinden sollen unterstützt werden, Bauplätze für Familien auszuweisen. Für Senioren müssten neue Angebote geschaffen werden wie Generationenhäuser oder offene Wohngemeinschaften. Neue technische Möglichkeiten der Mobilität sollen genutzt werden, die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs zu verbessern. Hierzu werde der Beigeordnete Andree Stein in seinem Dezernat Vorschläge erarbeiten. Die Straßen sollen in einem guten Zustand bleiben, die Häuser mit Glasfasertechnik verbunden werden und die Wasserversorgung soll modernisiert werden. Von der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren habe er sich bei der Teilnahme an einer großen Übung in einem ICE-Tunnel überzeugen können. Durch die Förderung der Jugendfeuerwehren soll die Nachwuchsgewinnung weiter verstärkt werden. Die Wirtschaftsförderung soll weiter Hand in Hand gehen mit der Förderung sozialer Aufgaben. Im nächsten Jahr werde die Verbandsgemeinde Montabaur soziale Projekte mit 1,5 Millionen Euro fördern. Das sei nur möglich dank einer gesunden Wirtschaftskraft. Interessen der Umwelt dürften dabei nicht unberücksichtigt bleiben. Noch bestehe die Hälfte des Verbandsgemeindegebietes aus (unbebauten) Waldflächen. Es werde sich aber nicht vermeiden lassen, immer stärker in die noch freien Flächen vorzudringen. Richter-Hopprich wünscht sich Gemeinsamkeit zwischen Stadt und Ortsgemeinden. Gleichzeitig lehnt er aber Kirchturmsdenken entschieden ab: „Das wird bei mir kein Gehör finden!“ Wichtig ist ihm weiterhin der enge Kontakt zu den Bürgern, dem Mann und der Frau auf der Straße. Dafür sucht er noch nach neuen Möglichkeiten des direkten Kontakts. Für die Einbeziehung der Jugend in die Kommunalpolitik plant er, einen Praktikumsplatz für Schüler in der Verbandsgemeindeverwaltung einzurichten und Schulklassen in die Ratssitzungen einzuladen. Grundsätzlich, meinte er in seiner Rede, täte den Räten „ein bisschen mehr Öffentlichkeit“ gut.

Kompass soll den richtigen Weg zeigen

Im Namen aller Fraktionen im Verbandsgemeinderat gratulierte ihm CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Neutz zum neuen Amt und bot die konstruktive Zusammenarbeit an. Er schenkte ihm einen Kompass, der ihm bei allen wichtigen und komplexen Entscheidungen immer den richtigen Weg zeigen und helfen soll, sich nicht „im Gestrüpp der Aufgaben und Meinungen zu verirren“. Ihre Freude auf die bevorstehende gemeinsame Zusammenarbeit drückte die Personalratsvorsitzende Constanze Wunderlich in ihrer Ansprache aus. Für die Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinde sprach Hans Ulrich Weidenfeller und schenkte Richter-Hopprich - damit er sich auch mal von der Arbeit erholen kann - eine Familienjahreskarte für den Wild- und Freizeitpark Gackenbach. Für den Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz sprach dessen Westerwälder Regionalvertreter Michael Merz, Bürgermeister von Ransbach-Baumbach. Er sagte: „Uns verbindet das eine und andere. Ich bin im Wahlkampf auch von Haus zu Haus gegangen. Da kommt man in Situationen, die sind unvergesslich.“

Beigeordneter Andree Stein skizzierte in seiner Ansprache, wie er sich die Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister in den nächsten acht Jahren - der Amtsdauer des gewählten Verwaltungs-Chefs - vorstellt: „Du bist neu in diesem Amt, der Newcomer, the new generation wird man wohl heute formulieren. Ich wandle mich mit meiner dritten Amtszeit zum Methusalem in der Verwaltungsspitze. Aber genau das hat seinen Reiz für mich und ist die Herausforderung für uns beide, das gut Bewährte zu wahren und neue Ideen für die Zukunft zu entwerfen. Eigentlich, und das ist meine Hoffnung, ist die Zusammensetzung der Verwaltungsspitze mit uns beiden eine gelungene Konstellation. Lass uns unsere Chancen zum Wohle der Verbandsgemeinde nutzen. Ich bringe dir die Erfahrung aus 16 Jahren Tätigkeit als hauptamtlicher erster Beigeordneter dieser Verbandsgemeinde mit und biete dir an, sie gemeinsam und mit gegenseitigem Vertrauen für unsere gemeinsame Aufgabe erfolgreich zu nutzen.“ Andree Stein schenkte seinem neuen Partner in der Verwaltungsspitze eine Glasfeder und rote Tinte, mit der nur der Bürgermeister im Rathaus signieren darf.

Wechsel auch für die weiblichen Partnerinnen: Edmund Schaafs Ehefrau (rechts) kann sich jetzt über mehr Zeit mit ihrem Mann freuen, bei Frau Richter-Hopprich (links) wird das Gegenteil der Fall sein.
Führungswechsel: Bürgermeister Edmund Schaaf (rechts) überreicht seinem Nachfolger Ulrich Richter-Hopprich (links) die Ernennungsurkunde. Ab dem 1. Januar ist der dann Chef im Rathaus der Verbandsgemeinde Montabaur.

Führungswechsel: Bürgermeister Edmund Schaaf (rechts) überreicht seinem Nachfolger Ulrich Richter-Hopprich (links) die Ernennungsurkunde. Ab dem 1. Januar ist der dann Chef im Rathaus der Verbandsgemeinde Montabaur.

CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Neutz schenkte dem neuen Vorsitzenden des VG-Rats einen Kompass. KER

CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Neutz schenkte dem neuen Vorsitzenden des VG-Rats einen Kompass. Fotos: KER

Wechsel auch für die weiblichen Partnerinnen: Edmund Schaafs Ehefrau (rechts) kann sich jetzt über mehr Zeit mit ihrem Mann freuen, bei Frau Richter-Hopprich (links) wird das Gegenteil der Fall sein.

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