Politik | 04.06.2015

Themenwoche „Jugend heute“ der CDU Rhein-Sieg

„Viele von uns sind überbehütet“

Die CDU-Kreisvorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker sprach die einleitenden Worte. privat

Swisttal-Odendorf. Hat sich der Generationenkonflikt im 21. Jahrhundert überlebt? Wenn heute nahezu alles erlaubt ist, wie können Jugendliche dann noch Grenzen überschreiten, sich von Eltern und Älteren emanzipieren? Über dieses Phänomen und die Folgen für die Gesamtgesellschaft diskutierten im Rahmen der CDU-Themenwoche „Jugend heute“ am 27. Mai im Dietrich Bonhoeffer-Gemeindezentrum in Swisttal-Odendorf die Landtagsabgeordnete Andrea Milz, die Poetryslammerin und Schülerin Anne Linscheid, die beiden Vertreterinnen im Rheinbacher Jugendparlament, die Schülerinnen Lea Baur und Nicola Rösler, die Koordinatorin für Familie und Kinder der Konrad-Adenauer-Stiftung, Elisabeth Hoffmann, und die Beigeordnete der Gemeinde Swisttal, Petra Kalkbrenner.

„Früher wollten Eltern, dass es ihre Kinder einmal besser haben. Heute wollen die meisten, dass ihre Kinder glücklich sind“, skizzierte Elisabeth Hoffmann den Paradigmenwechsel bei der Erziehung. „In einer Studie der KAS kam heraus, dass zwar 70 Prozent der Eltern ihre Kinder fördern, aber nicht fordern. Es fehlt an der Kontrolle - und das war früher anders, auch, weil sich das Familienbild verändert hat und oftmals beide Elternteile im Job stehen“, lieferte Hoffmann die Begründung nach. „Und das Glück ist erst vollkommen, wenn der Nachwuchs das Abi in der Tasche hat. Das Abitur ist der neue Hauptschulabschluss“, zitierte die Wissenschaftlerin aus der Studie. Zustimmung dazu gab es vonseiten der Schülervertreterin Nicola Rösler: „Es gibt bei mir an der Schule zwei Sorten Schüler. Die eine Gruppe, das sind ungefähr zwei Drittel, wird von den Eltern umhegt und gepflegt. Die andere Gruppe ist völlig auf sich alleine gestellt und erfährt von zu Hause kaum Unterstützung.“ Noch differenzierter betrachtete Poetryslammerin Anne Linscheid die Verfassung ihrer Generation: „Nur wenn du das in der Tasche hast, kannst du später im Leben was werden. Viele Schüler haben deshalb große Angst, zu scheitern. Und die Eltern fangen schon im fünften Schuljahr an, die Karriere ihrer Kinder konsequent mitzuplanen. Das erzeugt Druck. Und viele Kinder und Jugendliche beugen sich diesem Druck, machen sich klein, passen sich an. Wer nicht funktioniert, fliegt schnell durchs Raster.“ Das bestätigte die 16-jährige Lea Baur: „Auf dem Gymnasium sind wir von morgens bis nachmittags in der Schule. Die knappe Freizeit ist bei vielen stramm durchorganisiert. Da bleibt kaum Platz, um authentische Lebenserfahrungen zu sammeln. Viele von uns sind so behütet, dass sie mit 16 noch nicht einmal eine Waschmaschine bedienen können, weil sie es nicht müssen!“ „Dafür seid Ihr in Sachen Computer- und Smartphonehandling ganz weit vorne“, warf die Swisttaler Beigeordnete Petra Kalkbrenner ein. „Seit ein paar Monaten bin ich wegen des Bürgermeisterwahlkampfs auch im Web 2.0 unterwegs, aber die Feinheiten und Kniffe hat mir erst meine Tochter beigebracht.“ Wehmütig erinnerte sich die Verwaltungsjuristin an ihre Studienzeit, als es noch keine Handys und E-Mails gab. „Man war einfach selbstbestimmter, hatte mehr Zeit, sich mit anderen zu treffen und ins Gespräch zu kommen. Ich erinnere mich an eine japanische Studentin, mit der ich ein Jahr lang in Bonn im Studentenwohnheim zusammenlebte. Sie kam aus einem Kulturkreis, in dem es verpönt ist, nein zu sagen. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich die verschiedensten Nuancen ihres „ja“ verstanden habe! So etwas geht nicht am Handy.“Für Andrea Milz, Jahrgang 1963, und seit 2000 Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag, gehören Smartphone und Laptop zum Berufsalltag: „Aber wenn ich im Urlaub bin, mache ich die Dinger aus. Dann bin ich halt mal drei oder vier Wochen nicht erreichbar, basta. Ich habe lange gebraucht, um mir meine Medienkompetenz zu erwerben. Diese Zeit haben Jugendliche heute leider nicht mehr, weil im Netz sämtliche digitalen Spuren für immer und ewig sichtbar sind. Umso wichtiger, dass der Bildungsauftrag unserer Schulen auch auf dieses Gebiet erweitert wird.“ Offline? Ein Zustand, der für viele Jugendliche undenkbar wäre. „Wir sind die Generation online. Wenn man wie ich auf dem Land wohnt, dann kommt über Facebook und Twitter die große Welt zu mir aufs Smartphone. Auf eine unverbindliche Art und Weise kann ich so am großen Leben teilhaben, ohne mich zu irgendetwas verpflichten zu müssen“, versuchte sich Lea Baur an einer Erklärung. „Aber wir kennen trotzdem den Unterschied zwischen einer Facebook-Freundin und einer echten Freundin.“

Die CDU-Kreisvorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker warb bei den älteren Gästen um Verständnis für die Jugend: „Sie haben es schwer mit uns, vor allem weil wir so viele sind!“ Und den jüngeren Gästen versprach die Siegburger Bundestagsabgeordnete: „Wir Älteren wollen euch Jüngeren keinen Schuldenberg hinterlassen - darum haben wir auch so für die berühmte „Schwarze Null“ gekämpft. Angesichts der Demografie in Deutschland und mit Blick auf die Entwicklung in der restlichen Welt sind wir alle aufeinander angewiesen und brauchen einander. In einer immer älter werdenden Gesellschaft sind wir alle auf eine gut ausgebildete Jugend angewiesen. Ergo wird die CDU sie natürlich fördern, aber auch fordern!“ Ein Appell, der gemessen am Applaus, durchaus beim Publikum angekommen war.

Pressemitteilung der

CDU Swisttal

Die CDU-Kreisvorsitzende Elisabeth Winkelmeier-Becker sprach die einleitenden Worte. Foto: privat

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