Politik | 25.10.2019

Leserbrief zu „Gewalt im öffentlichen Raum hat deutlich zugenommen“ in BLICK aktuell Neuwied 2019/41, S. 22

„Vor allzu einfachen Schlussfolgerungen ist zu warnen“

Junge Männer sind unabhängig von ihrer Nationalität die größte Risikogruppe bei Gewalttaten

Neuwied. Der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Bollinger folgert aus von ihm präsentierten Zahlen, die Zuwanderung der letzten Jahre habe überproportional zum Anstieg der Kriminalität in Kreis und Stadt Neuwied beigetragen, und er fordert einen starken und sichtbaren Rechtsstaat in Form einer entsprechenden Polizeipräsenz. Tatsächlich zeichnet sich ein Rechtsstaat aber dadurch aus, dass er das von seiner Volksvertretung gesetzte Recht verwirklicht und sich der Kontrolle unabhängiger Richter unterwirft. Bollinger bezieht sich indes auf die polizeiliche Kriminalstatistik, die Tatverdächtige erfasst. Artikel 6, Absatz 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention enthält die Gewährleistung der strafrechtlichen Unschuldsvermutung als eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens: Jedermann hat solange als unschuldig zu gelten, bis in einem allgemeinen gesetzlich bestimmten Verfahren rechtskräftig seine Schuld festgestellt wurde. Es müsste auch Jan Bollinger einleuchten, dass man eher einen anders aussehenden Fremden verdächtigt und anzeigt als einen altbekannten Einheimischen, von dem man vielleicht sogar weiß, dass dessen Großvater damals zusammen mit dem eigenen Opa als Kinder zum Vergnügen beider Familien Äpfel vom Baum klaute. Der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Christian Pfeiffer weist des Weiteren darauf hin, dass junge Männer unabhängig von ihrer Nationalität grundsätzlich die größte Risikogruppe bei Gewalttaten darstellen, und knapp 60 Prozent der Asylantragssteller 2016 in Deutschland waren männlich und unter 25 Jahre alt. Vor allzu einfachen Schlussfolgerungen ist somit zu warnen. Besonders pfiffig wollte im Übrigen die AfD-Landtagsfraktion in unserem Nachbarbundesland sein. Ein Abgeordneter der AfD im Saarland wollte wissen, welche Vornamen Täter bei Delikten haben, bei denen ein Messer zum Einsatz gekommen war. Der häufigste Name unter den 842 Tätern mit deutscher Staatsangehörigkeit, also auch Eingebürgerten, war Michael, gefolgt von Daniel und Andreas. Und unter den elf häufigsten Vornamen fand sich kein einziger, der sofort einen Migrationshintergrund nahelegt. Solche Eigentore hängt die AfD selbstverständlich nicht an die große Glocke. Die saarländische CDU-Abgeordnete Ruth Meyer warf in diesem Zusammenhang der AfD vor, durch diese Anfrage „Halbwahrheiten und Hirngespinste“ und „durchsichtigen Hokuspokus“ produziert zu haben.

Siegfried Kowallek,

Neuwied

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Kommentare
30.10.201914:03 Uhr
Uwe Klasen

Wenn binnen dreier Jahre anderthalb Millionen Menschen, meist männlich, überwiegend analphabetisch, wirtschaftlich und sozial schwer integrierbare Kulturfremde, deren Alimentierung jährlich Milliarden € kostet, nach Deutschland zuziehen / geschleust werden und jede Kritik an dieser Handlung oder der Fremden-, Frauen-, Homosexuellen-, Juden- und Christenfeindlichkeit dieser „Zuwanderer“ als extremistisches Gedankengut gebrandmarkt wird, wie soll denn noch ein vernünftiger gesellschaftlicher Dialog darüber geführt werden? Keine Pauschalisierung oder Vereinfachung aber Dialog auf Augenhöhe!

30.10.201910:13 Uhr
Karsten Kocher

Jan Bollinger von der AfD haut eben gern auf die populistische Pauke. Die Facebook-Quote muß stimmen, die Pressemitteilung ist Herrn Bollinger sehr wichtig. Bollinger denkt von Pressemitteilung zu Pressemitteilung. Und das Foto mit ihm drauf nicht zu vergessen.

25.10.201915:08 Uhr
Helmut Gelhardt

Siegfried Kowallek klärt uns sachlich, ohne Schaum vor dem Mund, auf! Man darf durchaus sagen, in gewohnt seriöser Weise.
Danke Siegfried Kowallek!

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