Politik | 16.03.2021

FDP fordert Klarheit über Planungen Konzentrationszone Windräder

Wachtberger Kulturlandschaft darf keine Produktionsfläche für Windkraft werden

Gemeinde Wachtberg. Im Januar hat der Bürgermeister eine Dringlichkeitsentscheidung getroffen, mit der die Planung einer sogenannten Konzentrationszone für Windräder in der Gemeinde wieder aufgenommen wird. Der Anlass ist die Absicht der Bundesregierung, den Abstand von Windrädern zu Wohnbauten bundeseinheitlich auf 1000 Meter festzulegen. In NRW gelten bisher im Prinzip 1500 Meter. Im Bereich zwischen Arzdorf, Adendorf und Fritzdorf sind in Erwartung dieser Änderungen Landwirte von potentiellen Errichtern von Windrädern auf die Verpachtung von Flächen angesprochen worden. Die Gemeinde hielt die sofortige Aufnahme der gemeindlichen Planung für notwendig, um Bedingungen für Windräder festlegen zu können.

Der Soforteinstieg in die gemeindliche Planung erscheint der FDP Wachtberg in der gegebenen unklaren rechtlichen Lage weit weniger zwingend als dargestellt. Es sollte vermieden werden, dass sich der Weg für Windkrafterrichter dadurch verkürzt, dass die Gemeinde alle vorgeschriebenen Prüfschritte vorab erledigt. Im schlechtesten Fall könnte die Planung als Werbung in Richtung Windkraftinvestoren wirken.

Es muss auch vermieden werden, dass die Gemeinde Kosten für vorgeschriebene Fachplanungen trägt, die sonst potentielle Investoren selbst bezahlen würden. Die FDP wird also im Gemeinderat klären, warum die Verwaltung die Dringlichkeitsentscheidung für nötig hielt. Die FDP muss in Ruhe bewerten, ob die Konzentrationszone Vorteile hat. Windräder sind sowieso planungsrechtlich privilegiert. Regierungswille ist die Abwehr von Widerstand dagegen. Jedwede ‚Verhinderungsplanung‘ durch Festlegung enger technischer Grenzen z.B. bei der Höhe dürfte juristisch unwirksam sein, auch in der Konzentrationszone. Vor allem gilt es, die Beeinträchtigungen zu bewerten, die potentiellen direkten Nachbarn von Windrädern und den Wachtbergern insgesamt zugemutet würden. Der drohende Eingriff in die Kulturlandschaft wird von vielen Menschen als Minderung von Lebensqualität empfunden. Das Bundesnaturschutzgesetz nennt zwar selber als eines der Gesetzesziele die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie den Erholungswert von Landschaft – das zählt aber im konkreten Interessenkonflikt nur begrenzt, wie sich andernorts zeigt.

Der Gemeinderat muss sich entscheiden, für welche Interessen er sich einsetzen will. Die Abwägung hängt auch davon ab, für wie zwingend man Ziele und Erfolgsaussichten der Energiewende der Bundesregierung hält. Windkraft hat heute einen Anteil von ca. 27 Prozent an der deutschen Stromerzeugung und von ca. fünf Prozent am Endenergieverbrauch. Da kann nun jeder weitere Ausbau – auch in einer Schwachwindzone wie Wachtberg – als umso wichtiger erscheinen oder umgekehrt als wenig zielführend – je nach Sichtweise.

Für die FDP ist jedenfalls eine ‚Energielandschaft Wachtberg‘ kein sinnvolles Ziel. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Friedrich Oettler ist sich mit Dieter Klocke vom Bürgerverein Arzdorf einig: „In einer Schwachwindregion wie Wachtberg sollte vermieden werden, mit einer fertigen Konzentrationsfläche Windparkinvestoren einzuladen. Die Gemeinde sollte besser eigene Gebäude mit Photovoltaikanlagen, Geothermie oder Kraft-Wärme-Kopplung ausrüsten, statt Windgutachten zu bezahlen. Dafür setzen wir uns entschieden ein.“

Pressemitteilung der

FDP Wachtberg

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Kommentare
20.03.202108:30 Uhr
S. Schmidt

Auch etwa 30000 WKA's sind zu keiner Sekunde in der Lage die erforderliche Grundlast bedarfsgerecht zu liefern. Genauso die Photovoltaik, es sind halt volatile Energieerzeuger. Einzig die Kraftwerke (Kernkraft, Kohle, Gas und Wasser) liefern beständig und nach Bedarf den erforderlichen Strom. Leider wird dies nicht erkannt oder bewusst ausgelassen und gerne mit viel Ideologie ausgeblendet. Die Energieerzeugung aus Wind und Sonne reicht leider nicht für eine hochentwickelte Zivilisation wie die unsere, auch wenn sie noch so hoch Subventioniert werden!

20.03.202100:08 Uhr
j

Wo kein Wind ist, wird Wind gemacht - wie in Rübenach.
Ansonsten wird Windkrafttechnik da solange passend gemacht, bis es passt und sei es nur ein Furz, der Wind verursacht. Politik u. Wirtschaft finden immer einen Weg.

19.03.202115:35 Uhr
Alexander Schmidt

Leider hat die FDP immer noch nicht verstanden das Klimaschutz nichts optionales ist. Die Windkraft ist nunmal das Zugpferd der Energiewende, eine Windenergieanlagen leistet mehr als ein ganzes Dorf voller Photovoltaik Dächer und Geothermie.
Wenigstens nimmt die FDP keine fundamental Opposition ein und kritisiert einige Fehlentwicklungen.

Falls Wachtberg eine Schwachwindzone sein sollte ist zumindest alle Hektik vergebens, denn WEA werden nur dort errichtet wo genügend Windhöfigkeit besteht. Es werden schließlich keine Subventionen an die Betreiber gezahlt sondern ein fester Abnahmepreis je gelieferter kWh. Wenn zu wenig Wind da ist bedeutet dies zwangsläufig ein Verlustgeschäft. Dies wird kein Projektierer wollen.

Das der Anteil an der Endenergie so gering ist, ist der Tatsache geschuldet das die unglaublich ineffektiven fossil-atomaren Energieträger die Gesamtmenge des Endenergieverbrauch grundlos hochschrauben. Der Wirkungsgrad der Windenergie ist bei 100% ohne Müll und Gift.

19.03.202111:13 Uhr
Yvonne Liczner

Es sollte hier nicht um 'entweder, oder' gehen, sondern um 'und'. Wir müssen dringend 'raus aus dem Teufelskreis Squeeze the earth (durch Nutzung fossiler Brennstoffe).
Um der ernormen Beschleunigung des Klimawandel entgegenzutreten, gibt es keine Alternative zu erneuerbaren Energien. Also Nutzung von Wind, Sonne, Wasser und Erdwärme. Das ist auch wirtschaftlich eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung.

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