Arbeitsgruppe stellt Dokumentation zum KZ Außenlager Kochem-Bruttig-Treis vor
„Weg der Erinnerungen“ soll Wirklichkeit werden
Cochem. „Ein dunkles Kapitel unserer Geschichte“, nannte es Landrat Manfred Schnur, als er vergangenen Freitag Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung, die Mitarbeiter eines Arbeitskreises, Vertreter aus Kommunalpolitik, Behördenvertreter und anderen Institutionen im Sitzungssaal des Kreishauses begrüßte. „Heute ist ein wichtiger Tag für die Bürgerinnen und Bürger des Kreises, denn wir schließen etwas ab und geben gleichzeitig den Startschuss für etwas Neues“, erklärte der Kreischef.
Das Konzept für Gedenkarbeit zum KZ-Außenlager Kochem-Bruttig-Treis wurde von Bernhard Kubatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung überreicht. Unter Mitwirkung eine Arbeitsgruppe aus Kreisverwaltung, Ortsgemeinden, den Autoren Ernst Heimes und Guido Pringnitz, Wissenschaftlern der Universität Trier sowie Mitarbeiter der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätte war das Werk seit August 2016 zusammen erarbeitet worden. Wichtigste Fakt: Ein so genannter „Weg der Erinnerungen“ soll künftig zwischen Treis-Cochem-Bruttig entstehen und an die Leiden, die unmenschlichen Zustände und Ereignisse während der NS-Zeit erinnern.
„Hier geht es um Erinnerungsarbeit, die wichtig ist für die Zukunft, weil sie Teil der demokratischen Grundwerte ist“, so Dieter Burgard, Beauftragter für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen in Rheinland-Pfalz bei der Übergabe der Dokumentationen an die betroffenen Kommunen, vertreten durch Landrat Manfred Schnur, Bürgermeister Wolfgang Lambertz, Stadtbürgermeister Walter Schmitz, die Ortsbürgermeister Rainer Welches aus Bruttig-Fankel und Philipp Thönnes aus Treis-Karden.
Geschichte des KZ-Außenlagers und Aufarbeitung
Kerstin Hetzel von der Landeszentrale für politische Bildung erinnerte in einem informativen Vortrag die Entstehung und Intention der Arbeitsgruppe mit Fakten, Fotos und einer Karte, die den „Weg der Erinnerungen“ aufzeigt.
In den Orten Cochem (früher: Kochem), Bruttig und Treis existierte im Jahr 1944 das „KL Kochem“ oder „KZ-Außenlager Kochem-Bruttig-Treis“, ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof im besetzten französischen Elsass. Das Außenlager Kochem-Bruttig-Treis war Teil dieses ausbeuterischen nationalsozialistischen Lagersystems und bestand mit bis zu 1622 Häftlingen von März bis ca. Oktober 1944. Im Reichsbahntunnel zwischen Bruttig und Treis mussten die KZ-Häftlinge eine unterirdische Rüstungsfabrik für Bosch errichten, in der anschließend Zündkerzen für Flugzeugmotoren hergestellt wurden. Unendliches Leid war mit diesem Nazi-Vorhaben, Deckname „Zeizig“, verbunden, denn insgesamt 73 Tote sind dokumentiert, 37 Fluchtversuche erfasst und 13 Hinrichtungen zum Beispiel am 20. Juni 1944 aktenkundig. Gegen das Vergessen dieser Gräueltaten will man angehen.
Erste aktive Auseinandersetzungen mit dem Lager Kochem-Bruttig-Treis gab es ab den späten 1980er bzw. frühen 1990er Jahren, als durch die Veröffentlichung des Buches „Ich habe immer nur den Zaun gesehen. Suche nach dem KZ Außenlager Cochem“ von Ernst Heimes (1992) eine erste öffentliche Diskussion entstand. Nach vorausgegangenen Gesprächen zwischen der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) und der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz (LAG) über die Notwendigkeit einer künftigen Gedenkarbeit zum KZ-Außenlager trafen Uwe Bader (LpB) und Dieter Burgard (LAG) am 11. August 2016 erstmals mit Landrat Schnur zusammen. Gemeinsam wurde beschlossen, zuerst einen Runden Tisch und später eine Arbeitsgruppe einzuberufen, die für die Kreisverwaltung ein Konzept für die Erinnerungsarbeit entwickelt. Ebenfalls 2016 erschien die Publikation „Deckname: ‚Zeisig‘. Dokumentation zum Treis-Bruttiger Tunnel“ von Guido Pringnitz (BLICK aktuell berichtete).
In verschiedenen Sitzungen entwickelten die Mitglieder der Arbeitsgruppe dann das vorgelegte Konzept, wobei Kerstin Hetzel die kooperative Zusammenarbeit der Teilnehmer lobte, obwohl es zwischenzeitlich zu Irritationen bei der Auswertung und Verwendung einiger historischer Quellen gekommen ist. „Wir sollten alle an einem Strang ziehen… – möglichst in eine Richtung“, gab deshalb Landrat Schnur als Empfehlung mit auf den Weg, ehe die Historikerin detailliert auf den „Weg der Erinnerungen“ und seine Umsetzung einging.
Geplanter „Weg der Erinnerungen“
„Die wichtigsten Orte sollten in Bezug auf das KZ-Außenlager stehen“, so die engagierte Mitarbeiterin. Dabei empfiehlt die Arbeitsgruppe, diese Gedenkpfad in die Trägerschaft des Kreises und/oder der Verbandsgemeinde zu stellen. Bei solch einem „Weg der Erinnerung“ an das Außenlager sind insgesamt 16 Orte von besonderer historischer Bedeutung:
1. + 2. Cochem: Bahnhofskomplex (Zentrale Information, Stolperschwelle, Güterbahnhof)
3. Cochem: Innenstadt (Verwaltung und Bauleitung des Lagers,Verbindung in die Region)
4. Cochem: Kloster Ebernach
5. Bruttig: Gasthaus „Schneiders“
6. Bruttig: Ortsmitte
7. Bruttig: Lagergelände
8. Bruttig: Friedhof
9. Bruttig: Tunnelportal,Baustelle am Tunnel
10. Valwigerberg: Entlüftungsschacht,Fluchten
11. Treis: Hotel zur Wildburg
12. Treis: Beginn des Lager-und Baustellengeländes
13. Treis: Häftlingslager
14. Treis: Tunnelportal
15. Treis: Friedhof
16. Karden: Bahnhof
Nach der Präsentation las Buchautor Ernst Heimes einige bemerkenswert einfühlsame Passagen aus seinem Buch „Ich habe immer nur den Zaun gesehen“. Kreischef Manfred Schnur beendete die Veranstaltung mit dem Versprechen, dass er in der nächsten Kreistagssitzung die Mitglieder über den Stand der Dinge informieren will und das Projekt rasch nach der Kommunalwahl mit verschiedenen Varianten (Flyer, Broschüren, Karten, Internet etc.) vollendet werden soll. Bruttig-Fankel hat bereits einstimmig Fakten geschaffen, denn am Tunnelmund soll eine Gedenkstätte errichtet werden. MT
