Besuch im naturnah und insektenfreundlich gestalteten Garten
Zwischen Wolligem Schneeball und Diptam
FWG Zepp lernt auf dem Maifeld „neue“ Pflanzen kennen
Bell/Keldung. Der von der FWG Zepp aus Bell geplante Info-Abend zum Thema naturnahe Gartengestaltung musste leider, wie so viele Veranstaltungen, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Dennoch haben die Mitglieder der „Insektengruppe“ mit der Referentin Dipl.-Ing. (FH) Regine Eckenroth Kontakt gehalten.
Anfang Juli bei schönem Sonnenwetter reisten vier Mitglieder der Interessengemeinschaft nach Keldung bei Münstermaifeld, um den eigenen, naturnah gestalteten Garten der Referentin zu besichtigen.
Bereits vor dem Betreten des Grundstücks fiel die blühende Bepflanzung in dem schmalen Beet vor der Hofeinfriedung des Bauernhauses ins Auge, das mit Kletterrosen und Blauregen bewachsen ist. Hier wurden die Naturfreunde, die sich für mehr biologische Vielfalt in ihrem Heimatort einsetzen, von der Gastgeberin freundlich begrüßt. Als erstes zeigte sie der Gruppe den Schotterrasen-Parkplatz neben der Scheune, wo sich Pflanzen der sehr selten gewordenen Trockenrasengesellschaften etabliert haben. Weiter ging es im Hof mit sonnigen und schattigen Pflanzbeeten vorbei an der Bildhauerwerkstatt ihres Partners Peter Hänig. Hier im ehemaligen Stall nisten sich seit Jahren unzählige Generationen an Rauchschwalben ein, die vom Insektenreichtum des Gartens profitieren.
Auf dem weitläufigen Gartengelände hinter dem Haus mit fast allen Lebensbereichen einheimischer, eifeltypischer Pflanzen ist auch für den Laien unter den Gärtnern sofort sichtbar, was Frau Eckenroth unter naturnaher Gartengestaltung versteht. Die meisten der Pflanzen haben wir schon einmal beim Spaziergang durch Feld und Flur gesehen; die Wegwarte, Mohn und Rainfarn sowie Walderdbeeren, Hartriegel und Liguster. Stauden wie der sehr selten gewordene Diptam, auch Brennender Busch Moses genannt, früher in vielen Bauerngärten als Heilpflanze zu finden, hat die Fachfrau in einem Duftbeet zusammen mit Echtem sowie Muskatellersalbei und Bergminze arrangiert, wo sich die Insekten mit Vorliebe tummeln.
Die Besucher sahen auch Gewächse wie die distelartig aussehende Behaarte und die Wilde Karde, eine Lieblingsstaude des Stieglitzes. Als Kardengewächse sind sie mit anderen Geißblattgewächsen wie der Heckenkirsche und der Waldgeißschlinge sowie Baldriangewächsen wie dem Echten Baldrian verwandt. Neben den vorwiegend vertretenen heimischen Gehölzen wie dem Wolligem Schneeball, Ginster, Wacholder, der Gewöhnlichen Felsenbirne als Wildobstgehölz und der von Hornissen bevorzugten Berberitze, kommt auch der rotlaubige Perückenstrauch als gestalterisches Element in den naturnahen Garten vor. Das an felsigen, trockenen Hängen und in lichten Gebüschen des östlichen Mittelmeerraumes und Asiens beheimatete Gehölz kann unserem veränderten, wärmer gewordenen Klima standhalten.
Eingefriedet und angenehm beschattet ist das Grundstück mit einheimischen Ahornarten, Rot- und Hainbuchen, der Edelkastanie als Zukunfts-Baumart sowie diversen Obstbäumen.
An trockenen Böschungen halten Küchenkräuter wie der Wilde Majoran und Thymian sowie Wiesensalbei, der Blaue Lein und verschiedene Mauerpfefferarten der Sommertrockenheit stand. Sonne liebende Katzenminzen, Schwertlilien, Indianernessel, Ehrenpreis, Fette Henne und Astern blühen den Sommer durch und tragen zur Pflanzenvielfalt bei. Und somit auch zu einer zu beobachtenden Vielfalt an heimischen Insekten und Kleintieren, die in dem lebendigen Organismus wie das Deckelchen zum Töpfchen zueinander passen, wie die Gartengestalterin zu berichten weiß.
Die Fragen der Besucher zu den Gewächsen und deren Pflege wurden ausführlich beantwortet und Tipps zum Anlegen eines Kompostes gegeben, der die Grundlage zum immer wichtiger werdenden Humusaufbau des Bodens darstellt.
Durch die jahrelange naturnahe Gestaltung ihres Gartens hat die Dipl.-Ingenieurin viele Erkenntnisse gewonnen, die sie bei der Auftragsgestaltung privater Gärten und kommunaler Grünflächen wunderbar einbringen kann.
Die Mitglieder der FWG Zepp bedankten sich für die erkenntnisreiche Führung und fühlten sich darin bestätigt, heimische Natur einfach mal zuzulassen, um der biologischen Vielfalt eine Chance zu geben. Die Naturfreunde möchten mit der hier gemachten Erfahrung ihr Ziel vom insekten-freundlichen Dorf Bell praktisch in die Tat umsetzen.
Wer nicht bis zum Info-Abend mit noch unbekanntem Datum zum Thema naturnaher Garten warten möchte, kann mit Frau Eckenroth schon jetzt über ihre Homepage www.lebendige-gaerten-eifel.de Kontakt aufnehmen. Ab August 2020 bietet sie an zwei Terminen auch wieder Kurse in ihrer Gartenschule in Keldung an .
Pressemitteilung
FWG Zepp
Blühende Bepflanzung vor der Hofeinfriedung des alten Bauernhauses.
