Der Eifelverein Remagen auf Tour
Begegnung mit tausend Weinbergschnecken
Remagen. Mit seinen 554 m verspricht der Hochbermel als höchster Vulkankegel der dortigen Eifelregion einen großartigen Fernblick. Dieses Versprechen hat der Berg auch voll gehalten. Um einen ungefährdeten Genuss der schönen und höchst lohnenden Aussicht zu ermöglichen, ist dort oberhalb der Kante des ehemaligen Basaltsteinbruchs sogar eine hölzerne Plattform errichtet worden. Denn links und rechts davon warnt gelber Stacheldraht: Vorsicht, ab hier geht es senkrecht in die Tiefe! Auch eine kleine Holzbrücke über einen Bach sorgte für Nervenkitzel. Würde sie der ganzen Wandergruppe standhalten? Ein prüfender Blick bestätigte die grundsolide Konstruktion, die Brücke hielt. Aber der Eifelverein Remagen hat auch schon andere, höchst morsche Holzbrücken erlebt, die man besser (wenn überhaupt) nur einzeln betritt. Echte Überraschungen gibt es bei fast jeder Wanderung und oft stecken sie in den kleinen Dingen am Weg, in der Entdeckung seltener Blütenpflanzen, in der Wahrnehmung prächtiger Falter oder von Molchen und Salamandern. Diesmal, auf dem Hochbermeler Traumpfad, waren es Weinbergschnecken. Erst einige wenige, ungewöhnlich große Exemplare, dann immer mehr, schließlich Hunderte zu beiden Seiten des Pfades, oft zu mehr als der Hälfte in der Erde steckend. In den umliegenden Wiesen werden es über tausend dieser größten Gehäuseschnecke Zentraleuropas gewesen sein. Niemand in der Wandergruppe hatte dergleichen schon je gesehen. Zoologen aber ist bekannt, dass Weinbergschnecken (Helix Pomatia heißen sie in der Sprache der Wissenschaft) auf ihrer Suche nach geeigneten Stellen für die Eiablage oft weite Strecken zurücklegen. Dort graben sie sich dann selber tief ein, legen ihre erbsengroßen Eier, schließen das Loch und überlassen die Eier sich selbst. Dieses Massentreffen hier wurde erkennbar auch zur Partnersuche genutzt. Soweit Feinschmecker-Restaurants Gerichte aus Weinbergschnecken anbieten, die in Farmen gezüchtet wurden, ist dagegen nichts einzuwenden. In freier Natur aber sollte man diese längst durch die rote Liste geschützten Tiere in Ruhe lassen. Schneckeneier gar als Kaviarersatz sind in abgehobenen Kreisen eine törichte Mode, kein Naturfreund kann dies billigen. Der Bahnhof Monreal liegt fern vom Ort und ohne eine geöffnete Gaststätte weit und breit. So traten die Eifelfreunde hungrig und durstig die Heimfahrt an.
