Bürgermeister will in den Ruhestand
Narren nahmen „Rheinhöhnerhall“ in Besitz, Prinz Wilfried I. den Stadtschlüssel
Remagen. Da waren die Narren platt in der dichtbesiedelten „Rheinhöhnerhall“: Nicht nur kampflos, nein geradezu erleichtert, übergab Remagens Bürgermeister Herbert Georgi den Stadtschlüssel an Prinz Wilfried I. Was ist da los im altehrwürdigen Rathaus von 1835, dass im 80. Jahr der KG Narrenzunft dem römerstädtischen Stadtoberhaupt in seiner zweiten Legislaturperiode der Sinn nach Rente steht. Dem Ruf von Hofmarschall Wolfgang Reisdorff nach der Frau U. aus O. um wieder Unruhe in die Politik herein zu bringen, wollte Georgi ebenfalls nicht folgen.
Schlüssel der Macht ausgehändigt
„Manches Mal politisch in Bedrängnis, er hat verflucht sein Dienstgefängnis“, reimte Georgi auf den karnevalistischen Brettern vor dem prächtigen Bühnenbild der Narrenzünftler bei der Schlüsselübergabe in der Rheinhalle. „Auch die Finanzen sind im Fall, dat jit Kopping un och Haarausfall“, verhieß der erste Mann der Stadt. „Drum lieber Prinz, musst mich nich zwingen, ich geb dir gerne dieses Dingen“, mit diesen Worten händigte Georgi unter lautem Beifall der Narrenschar Prinz Wilfried I. den Schlüssel der Macht aus. Und er setzte noch einen drauf: „Wenn Du magst, nimm`s ganze Land, ich geh`dann in den Ruhestand“, verhieß er, und versprach seinen Stadträten: „Und von der Stadt die Pieve, kriejn von mir dann Leserbriefe“. Über allzulange Machterhaltung im Remagener Rathaus wird sich der Prinz mit Wohnsitz in Kripp allerdings nicht freuen können, denn der Bürgermeister warnte: „Zehn Tage bis zum Ende sind es nur, für mich ist das wie eine Kur“. So eine Kur werden sich die Verantwortlichen der Narrenzunft um Martin Dinkelbach nach Karneval wahrscheinlich auch gönnen müssen, denn sie hatten hervorragend gearbeitet für den Sonntagvormittag.
Stimmung pur im Saal
Stimmung pur und Karneval wie auf dem Neumarkt hatten sie in den Saal gebracht beim großen Einmarsch mit dem Spielmannszug der Rheinklänge, der Prinzengarde, dem Kinderdreigestirn, dem ganzen Gefolge von Prinz Wilfried und Prinzessin Gabriele und dem riesigen tänzerischen Tross der Magics. Den Saal bevölkerten Tollitäten aus Sinzig und Bad Breisig, aus Kripp war Prinz Holly I. mit der Prinzengarde und ihrem charmanten Kinderdreigestirn angereist. Die Rheinhöhenfunken mit Chef Rudi Dick und Exprinzessin Nicole sowie die KG Närrische Landskroner mit Prinz Helmut II. und Kinderprinzessin Anna I. nahmen teil am bunten Programm, das einer Prunksitzung würdig war. Die blau-weiß-roten Stadtsoldaten mit Kommandant Marcel Möcking an der Spitze waren nicht nur mit alle 83 Mann vorbei gekommen, kleine und große Mariechen wirbelten nur so über die Bühne. Diese bebte schier unter den karnevalistischen Klängen des Musikcorps, wofür sich Kapellmeister Frank Weiß den Orden der KG abholen konnte und der Kommandant sagte: „Hier simmer zu Huss“.
Magic-Dancers begeisterten
Eine Augenweide, die die Senatoren um Karl Paul und die Narren im Saal von den Stühlen riss und zu stehendem Beifall animierte, waren die großen Magic-Dancers. Mit ihrer rockigen Schaunummer, die auch in jede Disko passt, stellten sie unter Beweis, warum sie in der vergangenen Session Deutscher Meister und in dieser Vizemeister geworden sind. Und über Nachwuchssorgen brauchen die Trainerinnen Elke Bodenstein und Jenny Schüller auch nicht zu klagen, „da wächst heran, was heut schon tanzen kann“, freute sich ein Rotrock namens Klaus.
Mit einigen Sketchen versorgte die Remagener Theatergruppe um Sebastian Schmickler die Lachmuskeln, mit köstlicher Erbsensuppe Exprinz Hermann Efferz die Gaumen der zahlreichen Gäste aus nah und fern.
Durch die Sitzung führte mit Bravour und Charme, der stellvertretende Sitzungspräsident Guido Selbach, Sitzungspräsident Kenny Heydecke nahm seine Aufgabe als Säckelmeister wahr. So heiß es bei der Schlüsselübergabe auch zuging, bleibt zu hoffen, dass es beim Höhepunkt der Narretei, dem Karnevalssonntag, an dem der Zug seinen gewohnten Weg durch die Römerstadt nimmt, nicht allzu kalt wird.
Die Prämiierung für Wagen und Gruppen wird gegen 19 Uhr im „Alten Jugendheim“ stattfinden.
AB
Ganz freiwillig rückte Bürgermeister Herbert Georgi den Schlüssel heraus und übergab ihn für zehn tolle Tage an Wilfried I.
Amüsierte sich prächtig: das heimliche „CDU-Dreigestirn“ mit Bauer Peter Braun, Prinz Walter Köbbing und Jungfrau H.P. Hammer (v.l.).
