Allgemeine Berichte | 21.02.2013

Eifelverein Remagen

Da täuschte sich selbst Goethe!

Die Wandergruppe im Im ehemaligen Basaltbruch Scheidskopf. privat

Remagen. Was haben wir es doch gut in Remagen. Viele der schönsten Wanderwege beginnen im Stadtbereich, eine Anreise mit Bahn oder Auto ist dann entbehrlich. Zum Beispiel auf dem so schön angelegten Pilgerweg hinauf zur Apollinariskirche und weiter auf dem gut gekennzeichneten Wanderweg A 4 oberhalb Schloß Marienfels hinab in das verschwiegene Calmuthtal. Das Schloß Calmuth schien nach den Tagen der Filmunion lange Zeit dem Verfall preisgegeben zu sein. Nun ist es mit hohem Aufwand neu erstanden und präsentiert sich wieder als architektonisches Schmuckstück. Der Scheidskopf, Remagens höchster Punkt, war das Wanderziel. Dafür mussten sich die Wanderfreunde des Eifelvereins Remagen schließlich selbst den Zugang suchen, denn in das Innere des ehemaligen großen Steinbruchs führt kein gekennzeichneter Weg. Die Mühe aber lohnt sich, obwohl der weitaus größte Teil dieses erloschenen Vulkans dem Bergbau im 19. und 20. Jahrhundert zum Opfer gefallen ist. Früher soll rings um den Gipfel eine prähistorische Verteidigungsanlage bestanden haben. Davon ist nichts mehr übrig.

Ein kleiner, für Schwindelfreie problemloser Pfad führt aber hinauf auf den höchsten Punkt der stehen gebliebenen Flanke des Vulkans. In einer Wanderkarte des Eifelvereins aus dem Jahre 1909 heißt der Scheidskopf noch Scheidsberg und seine Höhe wird damals mit 290 m angegeben. Heute liegt dieser höchste Punkt von Remagen nur noch bei 280 m über NN, ist damit aber immer noch höher als die Spitzen des Kölner Doms. Dieser idyllische Fleck ist mit Krüppeleichen, Moospolstern und Farnen bewachsen. Aber Vorsicht, kein Schritt zu weit, denn sonst geht es 30 m senkrecht in den Abgrund! Vom Gipfel kann man einen höchst malerischen Blick genießen auf die Landskrone, dahinter die Ruine Olbrück und darüber hinaus.

In den Wänden des ehemaligen Steinbruchs sind faszinierende Muster unzähliger Basaltsäulen zu sehen, so wie sie vor Jahrmillionen durch Schrumpfspannung aus erstarrender Lava entstanden sind, fünf-, sechs- oder mehreckig, immer wachsend von kalt nach warm und daher oft auch nicht senkrecht. Lange rätselte man in früherer Zeit über die Entstehung solcher Basaltsäulen und hielt sie seit dem 18. Jahrhundert für kristalline Ausscheidungen eines Urmeeres. Da Neptun der Gott des Meeres ist, nannte man die Anhänger dieser Theorie Neptunisten. Auch am Scheidskopf glaubte man noch bis weit ins 19. Jahrhundert an diese Entstehungsgeschichte, gab es doch einen ganz berühmten Verfechter dafür: Johann Wolfgang v. Goethe. Aber ab 1800 brach sich allmählich die Überzeugung Bahn, Basalt könne nur aus erstarrter Lava entstehen und sei also ein Produkt von Vulkaneruptionen. Da Pluto der Gott der Unterwelt ist, nannte man diese Wissenschaftler Plutonisten. Selbst Alexander v. Humboldt konnte Goethe nicht von seinem Irrtum abbringen. Vielleicht wollte Goethe aber nur nicht zugeben, dass er sich getäuscht hatte. Der Kampf Neptunisten gegen Plutonisten wurde jahrzehntelang (nicht zuletzt unter Theologen!) mit einer uns heute unvorstellbaren Leidenschaft geführt, vergleichbar dem Kampf gegen das Weltbild von Galileo oder gegen die Evolutionstheorie von Darwin. Da Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen habe, könne neues Gestein später nicht mehr entstehen, hieß es. Die Gegner machten geltend, Gott sei keinen Zeitmaßstäben unterworfen, denn in der Bibel stehe doch auch, für ihn seien 1000 Jahre wie ein Tag und ein Tag wie 1000 Jahre.

Zur Rast bietet sich am Scheidskopf bei neblig trübem Wetter kein trockenes Plätzchen an, aber nicht weit davon gibt es eine Schutzhütte. Durch enges Aneinanderrücken passte sogar die ganze Wandergruppe hinein.

Von dort vorbei an der Straußenfarm und durch den Blankerts Hohlweg und schon war man wieder zu Hause.

Die Wandergruppe im Im ehemaligen Basaltbruch Scheidskopf. Foto: privat

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