Allgemeine Berichte | 09.06.2013

Eifelverein Remagen

Ein Mispelbaum auf dem Aremberg

Am Mispelbaum auf dem Aremberg. privat

Remagen. Im Auto dauert die Fahrt von Insul hinauf nach Aremberg auf geteerter Straße kaum mehr als eine Viertelstunde. Für den Wanderer aber wird es in Gegenrichtung auf dem Ahrsteig zu einer höchst anspruchsvollen und lohnenden Tagestour. Welch phantastische Eindrücke werden einem auf dieser 20 Kilometer langen Wanderung zuteil! Schon die Kirche in Aremberg birgt eine Überraschung. Steht in ihr doch der erhalten gebliebene Barockaltar aus dem wohlvertrauten Kloster Marienthal. Die Kirche war zu niedrig, also mussten die Säulen des geretteten Altars um ein Drittel gekürzt werden. Oben auf dem 623 Meter hohen Berg imponierte bis ins 18. Jahrhundert die einzige ernst zu nehmende Festung im heutigen Kreis Ahrweiler. Die vielen Burgen in der Nähe waren damals alle schon zerstört oder militärisch unbedeutend. Aber die dortige Festung verfügte über elf Türme, sieben Bollwerke und 42 Kanonen und hätte 2.000 bis 3.000 Mann Besatzung aufnehmen können. Heute muss der Wanderer schon genau hinschauen, um unter Gestrüpp und hohen Bäumen nach allen Zerstörungen den riesigen Umfang der Befestigungsanlagen noch erahnen zu können. Das Wappen der Herzöge von Arenberg zieren drei Mispelblüten.

Kleine Obstbäume aus dem Mittelmeerraum

Mispeln (nicht zu verwechseln mit den Baumschmarotzern Misteln, die an Weihnachten die hübschen weißen Beeren tragen!) sind kleine Obstbäume aus dem Mittelmeerraum, deren winterharte Sorten in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland weit verbreitet waren. In Erinnerung hieran hat die herzogliche Familie vor längerer Zeit auf dem Gipfelplateau drei Mispelbäumchen pflanzen lassen. Die Remagener Eifelfreunde mussten nicht lange suchen, um eines dieser knorrigen Bäumchen zu entdecken. Zur Zeit trägt es reichlich Fruchtansätze. Der weitere Weg hinunter nach Eichenbach mit seinen sorgfältig gepflegten Fachwerkhäusern, hinauf zur 14-Nothelfer-Kapelle, weiter durch schattigen Hochwald oder entlang an saftig grünen Wiesen, mal rechts, mal links der Ahr, aufwärts und abwärts und immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken in die Eifeltäler und über alle Höhenzüge - das Schönste zur Zeit ist der strahlend golden blühende Ginster an den Hängen. Eine große Überraschung erwartete die Wanderer noch kurz vor Insul: das Naturdenkmal „Prümer Tor“. Dort sollen Tributpflichtige im Mittelalter eine Furt über die Ahr genutzt haben um ihre Abgaben zum weit entfernten Kloster Prüm zu bringen. Dieses großartige Naturdenkmal ist viel zu wenig bekannt. Die Ahr rauscht dort an einer zehn Meter hohen senkrechten Felswand entlang, der Fels reicht bis in das tiefe, schnell fließende Wasser und mitten in der lang gezogenen Wand hat ein kleiner Bach eine enge, dunkle Schlucht in den Fels genagt bis zu seiner Mündung in die Ahr: das Prümer Tor. Wem die 20 Kilometer von Aremberg nach Insul zu weit erscheinen, der mag wenigstens die letzten vier Kilometer ab Schuld wandern und wird es bestimmt nicht bereuen. Wo der Ahrsteig dort die Ahr fast berührt, zweigt rechts ein kleiner Trampelpfad durch das Gebüsch ab. Nur 50 Meter sind es bis zum Ufer und schon steht der Wanderer dem großartigen Naturdenkmal direkt gegenüber.

Am Mispelbaum auf dem Aremberg. Foto: privat

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