Zukunft der Ahrtalbahn
Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Ahrtalbahn bis Adenau im Kreis Ahrweiler
aus Sinzig
Kreis Ahrweiler. DG. In Bonn einsteigen und dann mit der Ahrtalbahn gemütlich bis nach Adenau gondeln, so wie früher einmal, das wäre doch was! Bis 1985 war das Realität, und ja, möglich wäre das auch heute wieder. Zu diesem Thema hatten die Ahrtalbahnfreunde den Verbandsdirektor SchienenPersonenNahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) Thorsten Müller zu ihrem letzten Treff in die Bad Bodendorfer Brunnenstube eingeladen. Das hätte man doch sicher direkt im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach der Flut machen können? Nein, denn das sind zwei ganz verschiedene Projekte. Während das eine eine Wiederaufbaumaßnahme ist, handelt es sich bei der Verlängerung bis Adenau um eine reine Neubausache, die auch aus anderen Geldtöpfen finanziert werden müsste, und am Geld hapert es zurzeit besonders. Aber ganz außen vor ist das Projekt (noch) nicht. Müller stellte eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie vor. Danach ist (fast) alles möglich, die Frage ist aber: Ist auch alles wirklich gewünscht und sinnvoll? Zum einen wurden alle technischen Einrichtungen der alten Bahn vollständig entfernt. Wegen verschiedener Überbauungen ist teilweise auch eine komplett neue Trassenführung erforderlich, so wie im Bereich von Hönningen und insbesondere auch Dümpelfeld, wo eine weite Schleife oder sogar eine Tunnellösung ins Auge gefasst werden müsste. Danach Richtung Niederadenau ist der Radweg auf der alten Trasse angelegt, was weitere Probleme schaffen wird. Das alles verteuert das Projekt zusätzlich. Hinzu kommt, dass aufgrund notwendiger Straßenunterführungen an mehreren Stellen eine Elektrifizierung kaum möglich erscheint. Die Folge wäre, dass die E-Einheiten zusätzlich mit Batterien ausgerüstet werden müssten, was weitere Kosten mit sich bringt. Für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt auch immer die Bemessung möglicher Fahrgastzahlen, für den gesamten Bereich kommen nur rund 4.000 Einwohner als mögliche Fahrgäste in Frage, eigentlich zu wenig. Thorsten Müller sprach von Gesamtkosten kaum unter 100 Mio. Euro. Für die eventuelle Tunnellösung kämen noch einmal etwa 30 Mio. Euro dazu, zuzüglich noch nicht näher genannter Mehraufwendungen für die Aufrüstung mit Batterien. Bei der jetzigen Regelung mit Bussen ist die Fahrtzeit im Übrigen nur unwesentlich länger als sie mit der Bahn sein würde. Also wird doch nichts daraus? Kann man so aber auch nicht sagen. Denn im Zusammenhang mit der Klimakrise werden zukünftig verstärkt Lösungen hin zur Nutzung erneuerbarer Energien erforderlich werden. Und hier liegt wiederum die Chance für eine elektrisch, auch mit Batterie, betriebene Bahn. Denn gerade unter diesem Aspekt dürfen nicht nur harte Wirtschaftlichkeitsfaktoren den Ausschlag geben. Thorsten Müller stand anschließend noch für Fragen und Anregungen von Seiten der zahlreich erschienenen Gäste zur Verfügung. Die Machbarkeitsstudie wurde im Übrigen am 27. April im Kreis- und Umweltausschuss vorgestellt. Kurzfristig wird die Bahn sicher noch nicht weiter bis nach Adenau rollen, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Man darf also gespannt sein, ob und wie es in der Sache weitergeht. Die Ahrtalbahnfreunde jedenfalls werden auch hier weiter am Ball bleiben.
