Standesbeamter Rudi Stauf und Musiker Udo Schild sorgten für Stimmung bei „music & talk“
Nostalgie in der Kulturwerkstatt
Remagen. „Life is beautiful“ - Das Leben ist schön. Dieser Titel von Udo Schild, Songwriter, Sänger, Komponist und Gitarrist, passte so richtig zum Abend in der Kulturwerkstatt. Nostalgie mit vielen Erinnerungen an schöne Zeiten bestimmten das Programm.
Dafür sorgte bereits bei der Eröffnung von „music & talk“ die Hausband auf der Bühne des Alten Jugendheims in Remagen. Kiki Schumacher mit den „Metropolitans“ stimmten die Gäste mit eingängigen und meist wohlbekannten Liedern ein. Neben Kiki agierten seine Tochter und Sängerin Linda Schumacher sowie Billi Wieschermann am Schlagzeug, Thomas Ülzen (Bass) und Peter Piotrowski (Gitarre). Dass die „Metropolitans“ eine tolle Formation sind, bewiesen sie bereits einige Male in der Kulturwerkstatt und überzeugten auch an diesem Abend.
Talk-Runde mit Rudi Stauf
Die erste Talk-Runde eröffnete Fördervereins-Vorsitzender Rolf Plewa launig und locker mit einem Gast, der vielen Remagenern in bester Erinnerung ist: Rudi Stauf. 30 Jahre lang hatte der bärtige Beamte Paare in den heiligen Stand der Ehe befördert. In seiner rheinisch-fröhlichen Art, meist in Platt, aber auch schon mal in Türkisch, wie der Moderator aus seinem Gast „herauskitzelte“. Er wohne nun in Cochem, erzählte der städtische Ex-Mitarbeiter. Ja, seine Frau habe ihm immer ein paar Pfennige Biergeld mitgegeben. Für drei Gläser habe es meist gereicht. Und warum Beamte eingeäschert würden, wollte er von den Gästen wissen. Klar, in Leverkusen könne man aus der Asche Schlaftabletten machen, nahm er seinen eigenen Stand aufs Korn. Auch er sei von ihm getraut worden, erzählte Rolf Plewa, sogar zweimal. Er habe versucht, den Standesbeamten aus dem Konzept zu bringen, der aber habe in aller Ruhe und mit Humor die Sache über die Bühne gebracht. Schmunzelnd brachte dann Rudi Stauf noch einige Anekdoten zum Besten. Von adeligen Brautleuten, die sich nicht unbedingt mit „Euer Hoheit“ anreden ließen, von einem Bräutigam, der es sich noch einmal überlegen wollte und nie mehr gesehen ward, von einer gestorbenen Oma, deren Enkel sich dann nicht mehr traute. „Nein“ gesagt im entscheidenden Moment aber habe niemand. Viele Besucher von „music & talk“ sahen sich in den Geschichten wieder, unter anderem auch sein ehemaliger Sinziger Kollege Karl-Heinz Müller und Mitarbeiter des Remagener Standesamtes. Mit viel Applaus verabschiedeten die Gäste Rudi Stauf, der dann erst einmal von Tisch zu Tisch ging, mit Freunden und Bekannten über alte Zeiten plauschte.
Solokonzert von Udo Schild
Das tat auch Udo Schild, der bekannte Künstler an der Gitarre. Mit dem Fahrrad aus Bad Münstereifel angeradelt, mischte er in sein kleines Solokonzert viele autobiografische Geschichten. Der 50-Jährige erzählte von seinem ersten Instrument, von seiner Goldenen Schallplatte, zeigte, wie Rolling Stone Keith Richards mit einem Finger die Saiten hält. „Ich bin geboren am Aschermittwoch, da ist bekanntlich Alles vorbei“, schmunzelte er. Er gab zu, eine eigene Beziehung zum Karneval zu haben. Und zeigte es gleich: Mit „Come on baby, light my fire“ auf Kölsch, „Schönes Mädche, gib mir Feuer“. Stefan Raab kenne er schon viele Jahre sehr gut, berichtete der Musiker und Komponist. So habe sich der TV-Moderator an ihn erinnert, als er für seinen Schützling Max Mutzke Songs brauchte. Das Debüt-Album von Mutzke wurde mehr als 100000-mal verkauft: Goldene Schallplatte. Davon habe er nicht so viel gehabt, bedauerte der Songwriter, ein paar Rechnungen habe er aber von dem Geld doch bezahlen können.
Kiki Schumacher hakte beim Talk mit dem Sänger nach und erfuhr, dass es nicht nur die Songs für Mutzke waren, die weder für internationalen Ruf noch für „dicke Kohle“ sorgten. Er habe auch die Musik für Bully Herbigs „(T)raumschiff Surprise“ komponiert, sei aber dort nur unter einem Pseudonym im Abspann erschienen, erzählte Schild. Wieder nichts mit großem Ruhm. „Die Musikbranche ist eine große Mafia“, ergänzte Schumacher. „Gerade die kleinen Veranstalter wie auch die Kulturwerkstatt leiden sehr unter der GEMA. Künstler sollen natürlich Geld für ihre Kompositionen bekommen. Was da aber verlangt wird, macht das Engagement vieler Veranstalter kaputt.“ Da waren sich Moderator und Gast einig. Und dann bewiesen sie beim spontanen Auftritt, wie sehr „Kosmopolitans“ und Udo Schild auch ohne Proben harmonieren können. Der Abend klang mit Songs aus, die an die Woodstock-Zeiten erinnerten. Ein gelungener Abend in der Kulturwerkstatt, die nächste Veranstaltung ist bereits am kommenden Samstag, dann wird um 20 Uhr die bekannte Sängerin Ulla Meinecke auf der Bühne stehen.
„Nein“ gesagt hat in seiner Zeit niemand vor dem Traualtar vertraute Rudi Stauf (l.) Moderator Rolf Plewa und dem Publikum an.
